(Blog 00552)

 

 

„Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen“

Ausstellung im Staatlichen Museum für Kunst und Design Nürnberg Exkursionen in die japanische Ästhetik

Nürnberg. Japan zu Gast in Nürnberg: Das Staatliche Museum für Kunst und Design (Neues Museum) Nürnberg – zeigt bis zum 18. Februar die Ausstellung „Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen“ und lädt zu Streifzügen durch die Welt der japanischen Ästhetik ein. Ausgangspunkt der musealen Entdeckungs­reise ist das traditionelle japanische Teehaus, ein Ort spiritueller Erfahrung. Begründet wurde diese Praxis durch den berühmten Teemeister Sen no Rikyū (1522–1591), der die Teezeremonie als ein synästhetisches Ereignis verstand. Teehäuser, so Rikyūs Empfehlung, sollen betont einfach sein und aus Materialien bestehen, die dem Verschleiß und den Witterungseinflüssen kaum widerstehen können.

Tee-Ästhetik erlebbar machen

Aus der japanischen Teekultur und ihrer Verbindung zum Zen-Buddhismus geht eine Ästhetik der Leichtigkeit, der Fragilität und des Ephemeren hervor, der wir Objekte von überwältigender Schönheit verdanken. In der Ausstellung werden die grundlegenden Gedanken der japanischen Tee-Ästhetik im Rahmen von sieben thematischen Sektionen entfaltet und erlebbar gemacht. Die in den Sektionen ausgestellten Werke aus Kunst, Architektur, Design und Fotografie sind Teil einer kulturgeschichtlichen Entwicklung. Die Autorinnen und Autoren der ausgestellten Werke vollbringen gewandte Transferleistungen: Im Dialog mit handwerklichen und gestalterischen Traditionen aktualisieren sie die zentralen Motive und Themen der Teekultur unter Verwendung aktueller Werkstoffe und innovativer Formen.

Buddhistische Wurzeln

Die Sektion „Flüchtigkeit und Impermanenz“ (Mujō) verweist auf die buddhistischen Wurzeln der japanischen Ästhetik, in der die Vergänglichkeit von Dingen Teil ihrer Schönheit ist. So gründet die Gestaltung des von Kengo Kuma erdachten Pavillons Hōjō-an ganz in der Fragilität von Materialien und konstruktiven Verbindungen. Die Werke von Atelier Bow-Wow und von Wajirō Kon in der Sektion „Rekonstruktion und Dekonstruktion“ verweisen auf zyklische Prozesse, geprägt durch Zerstörung, Formverlust und Wiederaufbau. Katastrophen sowie ihre Überwindung werden hier zu Sujets künstlerischer Auseinandersetzung. Werke von Hiroshi Sugimoto und Yasuaki Onishi bereichern das Kapitel Fließende Grenzen durch Darstellungen von Stofflichkeit an der Grenze des Wahrnehmbaren. Der Bereich Natur und Artefakt vereint Werke, die ihren ästhetischen Reiz aus dem Sichtbarmachen natürlicher Prozesse beziehen.

Unter dem Titel Neues Handwerk sind Objekte versammelt, in denen Handwerkstraditionen von Jahrhunderte altem Bestand eine zeitgenössische Würdigung und Erneuerung erfahren. Die Sektion „Der Wert der Unvollkommenheit“ bietet eine Auswahl von herausragenden Werken Einblicke in das breite Spektrum der zeitgenössischen japanischen Keramik. Vermittelt durch Werke textiler Kunst verweist die Sektion Schnitt und Kontinuität auf Vorstellungen von Ganzheit und Fragment als zentralen Gehalten der japanischen Ästhetik.

Beteiligte Künstler

Beteiligte Künstler sind unter anderem: Atelier Bow Wow (Architektur), Chanto (Kunsthandwerk), Naoya Hatakeyama (Fotografie), Hosoo (Textile Kunst), Intermediatheque / The University Museum, the University of Tokyo (Installation), Kaikado (Kunsthandwerk), Kamisoe (Kunsthandwerk), Wajirō Kon (Architektur, Archives of Aoyama Gakuin University), Takahiro Kondo (Keramik), Kengo Kuma (Architektur), Issey Miyake (Mode), Nosigner (Design), Makoto Ofune (Malerei / Installation), Yasuaki Onishi (Installation), Hiroshi Sugimoto (Fotografie), Takano Bamboo (Kunsthandwerk), Reijiro Wada (Skulptur / Installation).

Parallel zur Ausstellung ist in der Sammlung die Präsentation Ikkō Tanaka. Plakate aus Japan eine Kooperation des Neuen Museums mit der Neuen Sammlung The Design Museum zu sehen. pk

BU:
Atelier Bow-Wow, „Mnimal House Prototype-Concept Itakura Cottage Project“, 2016. Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
Blick in die Ausstellung. Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)