Von der Heydt Museum zeigt Oskar Schlemmer – Komposition und Experiment

Wuppertal. Bis zum 23. Februar zeigt das Von der Heydt-Museum, Wuppertal, die Ausstellung: Oskar Schlemmer – Komposition und Experiment“. Schlemmer (1888-1943) war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Vielseitig wie kaum ein anderer war er als Maler, Wandgestalter, Graphiker, Bildhauer und Bühnenbildner tätig. Intensiv setzte er sich mit den Künstlern und Kunstströmungen seiner Zeit auseinander und hinterließ eine große Gruppe an Bewunderern.

Ins „innere Exil“ zurückgezogen

Das Von der Heydt-Museum widmet Schlemmer eine umfassende Ausstellung, die Werke aus allen Phasen seines Schaffens umfasst. Sie legt ihren Fokus weniger auf die Jahre am Bauhaus als vielmehr auf die Spätphase, in der Schlemmer neue Ideen – sei es zu Wand- und Objektgestaltungen, sei es zu Malerei und Ballett – in Skizzen und Studien festgehalten hat. Die Ausstellung setzt das Werk Schlemmers in Relation zu dem seiner Lehrer, seiner Kollegen am Bauhaus und in Breslau sowie zu Willi Baumeister und Franz Krause, die sich wie Schlemmer in der Wuppertaler Lackfabrik von Kurt Herberts ins „inneren Exil“ zurückgezogen hatten.

Ruf ans Bauhaus in Weimar

Schlemmer war Meisterschüler von Adolf Hölzel und lernte 1913 in Berlin die „Sturm“-Galerie kennen. Als er 1920 von Walter Gropius einen Ruf an das Bauhaus in Weimar erhielt, traf er dort auf zahlreiche Maler, die sich – wie er selbst – mit den gestalterischen Problemen einer neuen, alle Lebensbereiche umfassenden Kunst beschäftigten: u.a. Wassiliy Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, Georg Muche und Johannes Itten. Nach Stationen in Dessau und an der Kunstgewerbeschule in Breslau, wo er mit Johannes Molzahn und Otto Müller in Kontakt stand, war er ab 1933 durch den Nationalsozialismus von allen Ämtern ausgeschlossen, seine Kunst galt als entartet. Auf Vermittlung des Architekten Heinz Rasch erhielt er eine Position als „Professor für maltechnische Forschungsvorhaben“ in der Wuppertaler Lackfabrik von Kurt Herberts.

„Institut für Malstoffkunde

Mit 52 Jahren zu alt für den Einsatz an der Front, wohnte er schließlich ab 1940 im Haus des neu eingerichteten „Instituts für Malstoffkunde“, wo er mit der kreativen Erforschung und Anwendung moderner Lacktechniken betraut wurde. Hier entwarf er nicht nur sein berühmtes „Lackkabinett“, auch sein „Lackballett“ wurde in Wuppertal zum Firmenjubiläum1941 uraufgeführt. In Wuppertal entstanden seine letzten, die sogenannten „Fensterbilder“. Die nur handgroßen Bilder sah er als die „reinste Darstellung meiner selbst“, und er war sich sicher: „Mehr kann ich nicht geben.“ Schlemmer, der am Bauhaus unter anderem Aktzeichnen lehrte, konzentrierte sich in seiner freien ebenso wie in seiner angewandten Kunst auf das Thema der menschlichen Figur im Raum. Sein Ideal war eine Synthese aus strenger Komposition und in der Natur anschaulich werdender Mystik. Sichtbar wird das in dem großen Bestand von rund 300 Gemälden und Zeichnungen, der sich in der Sammlung des Von der Heydt-Museums befindet und nun in einem Ausschnitt gezeigt wird. In seinen letzten Lebensmonaten hat er eine Reihe von Bildern gemalt, die den Blick aus seinem Wuppertaler Atelier zeigen. Dieser Bezug zur eigenen Stadt hat Wuppertaler Autorinnen und Autoren zu literarischen Umsetzungen seiner berühmten „Fensterbilder“ inspiriert, in Gedicht und Prosa. pk

 

 

 

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Bild 1: Oskar Schlemmer, 1941 Fotografie, Archiv: Von der Heydt-Museum

Bild 2: Oskar Schlemmer, Innenraum mit fünf Figuren, 1928 Öl auf Leinwand
46,5 cm x 90 cm, Kunst Museum Winterthur.

Bild 3: Oskar Schlemmer, Entwurf für ein Lackkabinett, 1941 Gouache, Karton, 19,4 cm x 28,9 cm. Von der Heydt-Museum Wuppertal

Bild 4: Oskar Schlemmer, Wuppertal bei Nacht, Alte Freiheit, 1942 Gouache, Pappe1 2,5 cm x 12,8 cm, Kunst-und Museumsverein im Von der Heydt-Museum Wuppertal