Filmwerk der Künstlerin Ana Mendieta als Startschuss für neue Museumsleiterin Stephanie Rosenthal

Berlin. Startschuss für Stephanie Rosenthal, die neue Direktorin des Berliner Martin-Gropius Bau, die das Amt des langjährigen Museumsdirektors Gereon Sievernich übernommen hat. Ins Ausstellungsprogramm 2018 startet die neue Museumsmanagerin mit dem Filmwerk „Covered in Time and History“ der kubanisch-amerikanischen Künstlerin Ana Mendieta (1948-1985). Vom 20. April bis zum 22. Juli wird eine Auswahl von 23 Filmen aus dem Werk der Künstlerin gezeigt.

Einzigartige Geschichte

In einem Grußwort schrieb die neue Museumschefin Stephanie Rosenthal: „Der Martin-Gropius-Bau ist eine Institution mit einzigartiger Geschichte, die mit ihrer prominenten Lage direkt an der ehemaligen Berliner Mauer dazu prädestiniert ist, wesentliche Themen unserer Zeit durch aktuelle sowie historische künstlerische Positionen aufzugreifen und zu reflektieren. Mit Blick auf die Geschichte des Gebäudes wird sie die Rolle der Institution als Ort künstlerischen Schaffens und Zentrum des kulturellen Austauschs neu denken.“

An der Uni Köln promoviert

Stephanie Rosenthal ist 1971 in München geboren. In der Isarmetropole studierte sie an der Ludwig-Maximilian-Universität Kunstgeschichte. Sie promovierte an der Universität zu Köln. Seitdem hat sie einflussreiche Artikel und Vorträge über Zeitgenössische Kunst mit einem Schwerpunkt auf performativen Methoden veröffentlicht. Von 2007 bis 2017 hat Rosenthal als Chefkuratorin an der Hayward Gallery, London, mit herausragenden internationalen Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet und zahlreiche Ausstellungen kuratiert. Das will sie auch in Berlin fortsetzen und Künstler mit Ateliers in das Museum holen. „Sie sollten als Mitwirkende in das Zentrum des Ausstellungsprogramms rücken und neue Präsentationsformen entwickeln“, kündigte die 46-Jährige an.

Abstrahierte weibliche Gestalt

Nun zu Ana Mendieta, die zu den herausragenden künstlerischen Positionen der 1970er und 1980er Jahre zu zählen ist. Ihr Werk bewegt sich frei zwischen Disziplinen wie Body-Art, Land-Art und Performance-Kunst, ohne sich einem bestimmten Medium oder einer Bewegung zu verpflichten. Verbindendes Element ist der immer wiederkehrende Einsatz der abstrahierten weiblichen Gestalt im Dialog mit der sie umgebenden Natur – nicht zuletzt um die Trennung zwischen Natur und Körper infrage zu stellen. Ihr Werk überschreitet viele Grenzen, einschließlich geografischer und politischer Räume und der Erforschung von Geschichte, Geschlecht und Kultur. Seit 1973 manifestiert sich ihre künstlerische Praxis in zweierlei Hinsicht: Einerseits existieren ihre Arbeiten als in der Natur geschaffene Werke, die sich allmählich verändern und verschwinden, andererseits überdauern sie als von ihr konzipierte bewegte und unbewegte Bilder. Ana Mendieta spricht bei ihren frühen Arbeiten von Tableaus, später von Skulpturen, betont aber stets die Bildherstellung als grundlegenden Prozess ihres Schaffens. Das Film- und Fotomaterial geht dabei über die bloße Dokumentation hinaus und gewinnt eine eigenständige künstlerische Bedeutung.

Die Ausstellung „Covered in Time and History“ macht ihr vielschichtiges Filmwerk erstmals in großem Umfang zugänglich. In ihrer 13 Jahre umfassenden künstlerischen Karriere arbeitete sie mit Performance, Land Art, Konzeptkunst, Fotografie und Film. In ihren Werken beschäftigte Mendieta sich unter anderem mit dem menschlichen Körper, Sexualität und Fragen der Identität, wobei sie oft mit Blut sowie mit natürlichen Materialien und Feuer in der Landschaft arbeitete. In ihrer kurzen Schaffensphase erarbeitete sie ein außergewöhnliches Werk, das erst Jahre später gebührende Beachtung fand. pk

 

BUS:

Gropius-Bau-Direktorin: Stephanie Rosenthal. Foto. Matthias Völzke.

Ana Mendieta. „Creek“, 1974. Foto: The Estate of Ana Mendieta Collection,
LLC., Courtesy Galerie Lelong& Co.

Ana Mendieta, „Sweating Blood“, 1973. Foto: The Estate of Ana Mendieta Collection,
LLC., Courtesy Galerie Lelong& Co.