Sammlerehepaar schenkt LWL-Museum 150 Multiples von Joseph Beuys

Münster. Mit insgesamt 150 Multiples von Joseph Beuys (1921-1986) hat das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster eine umfangreiche Schenkung des Sammlerehepaars Ingrid und Manfred Rotert aus Osnabrück erhalten. Eine Auswahl, darunter Objekte, Postkarten, Fotografien und Grafikeditionen, zeigt das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in der Ausstellung „Hülle und Kern. Multiples von Joseph Beuys“ vom 29. November bis zum 29. September 2019.

Grundzüge der künstlerischen Arbeit

Im historischen Lichthof des Museums, in dem Beuys zu den ersten Skulptur- Projekten 1977 seine Fettkeile „Unschlitt“ ausstellte, entfalten die Multiples in der Ausstellung die Grundzüge seiner künstlerischen Arbeit. Beuys prägte den Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und war der Auffassung, dass politisches und gesellschaftliches Handeln im Sinne des Gemeinwohls jeden zum Schöpfer einer sozialen Plastik macht. Mit diesem erweiterten Kunstbegriff revolutionierte Beuys das Kunstverständnis seiner Zeit. „Und mit den Multiples schuf Beuys erschwingliche und demokratische Werke für jedermann, die – wie Vehikel – seine künstlerischen Ideen in Tausende von Haushalten transportierten“, so die Kuratorin Marianne Wagner. „So gelangten über viele Jahre hinweg auch präzise nach persönlichen Interessen ausgewählte Multiples in den Lebensalltag von Ingrid und Manfred Rotert.“ Als „einen Glücksfall für unser Museum“ bezeichnete Direktor Hermann Arnhold die Schenkung. „Die Multiples ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk von Joseph Beuys und beleuchten all seine Schaffensphasen.“

Filz als Wärmespeicher für Kreativität

Die Kommunikation zwischen Menschen ist ein zentrales Thema im Werk von Beuys. Eine der bekanntesten Materialien im Werk von Beuys veranschaulicht der Filzanzug. Filz war für Beuys ein Wärmespeicher, wobei der Begriff „Wärme“ als Metapher für einen regen Geist, Kreativität und gestalterischen Willen zu verstehen ist. Der Künstler sagte über diesen Anzug, er sei einerseits ein Haus, eine Höhle, die den Menschen nach außen abschirmt, darüber hinaus sei er ein Zeichen für die Isolation des Menschen in unserer Zeit. Mit der „Capri-Batterie“ schuf Beuys kurz vor seinem Tod ein anschauliches Multiple, das die Frage nach der Endlichkeit natürlicher Ressourcen aufwirft: Mit der Glühbirne, die Energie aus einer Zitrone erhält, zeigte er, woher die Menschheit ihre Lebensenergie bezieht. Das Kunstwerk ist auch ein Appell an die Gesellschaft, Verantwortung dafür zu tragen, dass das ökologische Gleichgewicht nicht zerfällt. „Nach 1000 Stunden Batterie auswechseln“, schrieb Beuys in die Gebrauchsanweisung zu diesem Multiple, der das Museum während der Ausstellungszeit natürlich folgen wird.

Meisterschüler des Bildhauers Ewald Mataré

Joseph Beuys, 1921 in Krefeld geboren, gehört zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er studierte ab 1946 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, ab 1951 als Meisterschüler des Bildhauers Ewald Mataré. 1961 wurde Beuys zum Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf berufen und verwirklichte dort seine ersten Fluxus-Aktionen, bis er 1971 vom damaligen Wissenschaftsminister Johannes Rau fristlos entlassen wurde. Beuys hatte aus Protest gegen das Zulassungsverfahren an der Akademie gemeinsam mit seinen Studenten die Universitätsräume besetzt. Seit 1964 nahm er kontinuierlich an der documenta in Kassel teil. 1976 bespielte Beuys den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig und 1979 widmete ihm das Guggenheim Museum in New York eine Retrospektive. Joseph Beuys starb 1986 im Alter von 64 Jahren. pk

 

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Der Filzanzug ist eines der bekanntesten Werke von Joseph Beuys.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: LWL/Sabine Ahlbrand-Dornseif

Beuys schuf die „Capri-Batterie“ während eines Aufenthaltes auf der italienischen Insel Capri.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: LWL/Anne Neier