Rheinische Landschaften im 20. Jahrhundert

Eine Ausstellung des Siebengebirgsmuseums in Zusammenarbeit mit der Sammlung Rheinromantik Bonn und dem Mittelrhein Museum Koblenz  

von Peter Köster

Königswinter/Koblenz. Die Ausstellung „Rheinische Landschaften im 20. Jahrhundert“, die bis zum 22. April 2018 im Siebengebirgsmuseum (Museum für Rheinromantik) in Königswinter gezeigt wird, geht in einer kleinen, komprimierten Gemäldeauswahl der These nach, dass sich die romantische Sicht auf den Rhein – trotz veränderter Umweltbedingungen und zunehmender Technisierung – auch im 20. Jahrhundert nahezu ungebrochen fortsetzte.

Romantisierung der Landschaft

Die abwechslungsreiche, kleinteilige und vielfältige Landschaft reizte die Künstler, sich auch entgegen dem aktuellen Zeitgeist mit der Kulturlandschaft auseinander zu setzen. Die distanzierend wirkende Entgrenzung von Raum und Zeit in den Landschaften von Carlo Mense findet ihren Gegensatz in den geheimnisvoll erscheinenden verschwommenen Rheinansichten von Andreas Bruchhäuser oder in den Abstraktionen des Düsseldorfer Malers Jan Schüler. In ihren Bildern findet durch eine gleichzeitige Distanzierung und Ästhetisierung des Objektes eine Romantisierung der Landschaft statt, die durch das konsequente Ausblenden der menschlichen Figur im Bild zusätzlich unterstrichen wird.

Auch menschenleere Bilder

Eine Schau mit Landschaftsbildern des 20. Jahrhunderts bedeutet aber nicht nur die Auseinandersetzung mit der traditionellen Kulturlandschaft unter den Veränderungen durch moderne Industrie, sondern auch die Fortsetzung eines historisch bedingten Verständnisses von Landschaft. Werke von Joseph Kohlschein, dem französischen Impressionismus zugewandt, Julius Bretz, 1909 Gründungsmitglied des Kölner Sonderbundes, Fritz von Wille (1860 – 1941), Carl Jutz (1838 – 1916), Richard Gerstenkorn (1877 – 1965) bis hin zu Carlo Mense (1886 1965) bestimmten lange Zeit noch die Sicht auf die Rheinlandschaft, wobei durch den Koblenzer Künstler Hans Dornbach (1885 – 1852) auch die Phase des Expressionismus  (Abstraktion und Typisierung) vertreten ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit Karl Bruchhäuser (wird aktuell im Mittelrhein Museum in Koblenz gezeigt), ein neuer Aufbruch in der Landschaftsmalerei, der später durch zeitgenössische Künstler –  wie den Siegburger Jürgen Schmitz oder den Düsseldorfer Maler Jan Schüler – fortgeführt wurde. Mit Hans Dornbach und Karl Bruchhäuser (1917 – 2005), den beiden Gründungsmitgliedern der AKM (Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein) begann nach dem Zweiten Weltkrieg ein neuer Aufbruch in der rheinischen Landschaftsmalerei. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts betreten mit Andreas Bruchhäuser, Jürgen Schmitz und Jan Schüler drei Maler die rheinische Szene, die in ihren menschenleeren Bildern eine Landschaft zeigen, in denen das Typische des rheinischen Schiefergebirges, die geologische Formation und die Atmosphäre wieder in den Vordergrund treten. Die Landschaften zeigen sich jetzt statuarisch. Absolut ruhig. Losgelöst vom Alltagsgeschehen wirken sie wie zeitlose Momentaufnahmen.  

Sammlung umfasst über 500 Werke

Mit der jetzigen Präsentation wird eine neue Auswahl von Werken der privaten Sammlung RheinRomantik vorgestellt, die mit rund 500 Werken heute eine der wichtigsten deutschen Sammlungen zur Entwicklung der Malerei im Rheinland im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ist. Die Auswahl der in Königswinter gezeigten Landschaftsbilder wechselt in der Regel zweimal jährlich und behandelt jeweils ausgewählte Themen zur rheinischen Kulturlandschaft.  

Leihgeber der Ausstellung sind die Dr. Axe-Stiftung Bonn, Sammlung RheinRomantik Bonn und das Mittelrhein-Museum in Koblenz. 

 

BUS:

Bild 1 – Jan Schüler, Sommerabend am Rhein, 2006. Öl/Leinwand. Sammlung Rheinromantik.
Foto: Peter Köster

Bild 2 – Carlo Mense, Blick auf das Siebengebirge, um 1936. Öl/Leinwand. Leihgabe Sammlung (Rheinromantik, Bonn)
Foto: Peter Köster

Bild 3 – Fritz von Wille, Herbstliche Eifellandschaft am Ahrenberg mit Wachholder. Öl/Leinwand. Anfang 20. Jahrhundert. (Dr.Axe-Stiftung, Bonn)
Foto: Peter Köster