Collage als wichtiges künstlerisches Vehikel

„Rendez-vous des amis“: Kurt Schwitters und Hans Arp gastieren in Remagen

Von Peter Köster

Remagen. Im Rahmen des jährlichen AufDADAtaktes eröffnete das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen ein „Rendez-vous des amis“ „der besonders innigen Art“, so Museumschef Oliver Kornhoff. „Rendez-vous des amis“ zwischen Kurt Schwitters und Hans Arp. Mit einem Fokus auf die Collagen und die gemeinsamen Veröffentlichungen begegnet man im Grafikkabinett des Meier-Baus dem oft amüsanten, immer geistreichen und bis heute vielfach geheimnisvollen Miteinander zweier großer Künstler. Dauer bis 17. Juni.

Vorkämpfer von DADA und MERZ

1918 begegnen sich Hans Arp und Kurt Schwitters im Berliner Café des Westens. Es ist der Beginn einer intensiven Künstlerfreundschaft, die sich nun zum 100. Mal jährt und den Anlass für ein neues, spannendes Rendez-vous des amis bildet. Erschüttert durch die Auswirkungen des großen Krieges und auf der Suche nach einer Gegenreaktion mittels der Kunst, brechen Arp und Schwitters früh mit der Tradition und den klassischen Techniken. Beide erklären die Collage zu einem wichtigen künstlerischen Vehikel. Als Vorkämpfer von DADA und MERZ verbindet sie eine enge – nicht zuletzt von Witz und Ironie geprägte – gedankliche Verwandtschaft. Fantastische Texte wie: „Daher beim Lilienknicken linke Hand am linken Griff“ ( Hans Arp) und avantgardistische Publikationen führen dem Betrachter die vertraute Nähe eindrucksvoll vor Augen. „Es wird gedichtet, gemerzt und gearpt, den ganzen Tag“ berichteten Arp und Sophie Taeuber-Arp euphorisch über die gemeinschaftlichen Projekte. Apropos: Wie kam es eigentlich zu der Bezeichnung Merz? 1919 begann Schwitters Gedichte und Prosastücke zu schreiben, die er ähnlich wie seine Collagen aus sprachlichen Bruchstücken und umgangssprachlichen Phrasen zusammensetzte. „Merz“ war der Name, den er all seinen Schöpfungen gab. Auch das war ein zufälliger Fund, hatte Schwitters doch in einer frühen Assemblage eine Anzeige der „Kommerz- und Privatbank“ so verwendet, dass vom „Kommerz“ nur noch der „Merz“ übrig blieb.

Humor und (Selbst)Ironie zentrale Elemente ihres Kunstschaffens

Die zahlreichen gemeinsamen Publikationen, Bild- und Wortcollagen der Ausstellung führen vor Augen, dass Humor und (Selbst)Ironie zentrale Elemente ihres Kunstschaffens sind. Die beiden Künstler haben denn auch einiges gemeinsam: eine gewisse Liebe zum hintergründigen Witz, die Bevorzugung von Fundmaterialien, die Arbeit auch mit Texten usw. Eine Weltsicht, die – heute aktueller denn je – mit Lachen die bestehende Geistesordnung zu untergraben sucht.

Ein ähnliches Zusammentreffen der beiden Freunde gab es bereits 2004 in Basel. Ausstellungsorte waren das Museum Jean Tinguely und das Kunstmuseum. Im Museum Jean Tinguely wurde vor allem die spielerische, experimentelle und oft etwas schalkhafte Seite von Kurt Schwitters gezeigt. Im Kunstmuseum wurden die Collagen und Assemblagen des „Merz“-Künstlers mit Werken seines Freundes Hans Arp in Verbindung gebracht.

Biomorphe Werke von Arp

In Kombination mit den biomorphen Werken von Arp, die natürliche Wachstumsprozesse durch eine starke plastische Durchgestaltung spürbar machen wollen, kommen die Werke von Schwitters noch stärker zur Geltung. Ins Zentrum der Aufmerksam im Arp Museum rückt die konstruktive, auch am Geometrischen interessierte Seite der Collagen. Die Technik der Collage oder Assemblage, die sich in den Jahren nach dem Krieg plötzlich größter Beliebtheit erfreute, kann somit einerseits als eine Art zeitgemäßen Abbildes der Realität jener Tage gelesen werden. Andererseits aber kann man die Collage auch als einen eher kindlich-trotzigen Versuch deuten, das Beängstigende einer auseinander driftenden Welt zu bannen, mit Hilfe von Leim zumindest den Anschein eines beruhigenden Zusammenhalts herzustellen.

Sprengel Museum und Kunsthaus Zürich

Schwitters und Arp waren befreundet, was in manchen Werken der Schau durchaus offensichtlich wird. So gibt es etwa von Schwitters eine kleine Collage aus dem Jahr 1928 zu entdecken, in welche er einen Zeitungsausschnitt mit einem Bild der „Schnurruhr“ von Arp integriert hat. Umgekehrt hat Arp noch 1959 eine Collage mit dem Titel „Puppe, Schwitters tragend“ realisiert: eine Art vasenförmiges Idol, in dessen Mitte sich eine klitzekleine Collage findet.
Während das Arp Museum nur über relativ wenige Werke von Schwitters verfügt und folglich einiges vor allem aus dem Sprengel Museum und dem Kunsthaus Zürich, den beiden Hauptleihgebern der Ausstellung ausleihen musste, konnte die Kuratorin Astrid von Asten bei Arp aus einem reichen Sammlungs-Konvolut des Museums schöpfen. 80 Prozent der Leihgaben – hier seien vor allem die Schwitters-Arbeiten genannt – wurden noch nie ausgestellt oder dürfen aus konservatorischen Gründen nicht mehr gezeigt werden. Im Gegensatz zu Arp schuf Schwitters nur relativ wenige Großformate Er verlegte sich aufs Kleinteilige, auf die Miniatur. Außerdem sind viele seiner Arbeiten auf Papier entstanden und äußerst fragil.

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Kurt Schwitters, ohne Titel (Schnurruhr von Hans Arp), 1928, Kunsthaus Zürich,
Foto: Kunsthaus Zürich

Hans Arp, Puppe, Schwitters tragend, 1959, Privatbesitz,
Foto: David Godfree

Kurt Schwitters, ohne Titel (Merz Arp, Diagramm für Plastique 4/ 1939), 1938, Arp Museum Bahnhof Rolandseck,
Foto: Mick Vincenz

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