„Remembrance is timeless“ (Erinnerung ist zeitlos)

Von Peter Köster

Bonn. „Remembrance is timeless“ (Erinnerung ist zeitlos) lautet der Titel eines bemerkenswerten Forschungsprojekts im Frauenmuseum (FM) Bonn. Anlass für diese Werkschau, die bis zum 30. August gezeigt wird, ist die weltweite Debatte um die „Trostfrauen“, koreanische Sexsklavinnen im 2. Weltkrieg. Gezeigt werden Videos und Plakate des New Yorker Künstlers Chang-Jin Lee, 23 Bilder aus dem Tagebuch einer philippinischen Überlebenden, eine Auswahl von Bildern von Gedenksteinen und Gedenkstatuen, die über die ganze Welt verteilt sind. Hinzu kommen Gemälde, Objekte und Installationen von Gi Brenig, Tremezza von Brentano, Mara Loytved-Hardegg, Marlen Seubert und Sandra Ney.

„Ianfu“- zu Deutsch „Trostfrauen“

Es ist ein bisher kaum aufgearbeitetes Kapitel des Zweiten Weltkrieges, das das Ausstellungsthema aufgreift. Jenes der „Ianfu“ – zu Deutsch etwa „Trostfrauen“, die von den japanischen Aggressoren ausgenutzt und gequält wurden. Mit Ausbruch des Pazifik-Krieges im Jahre 1937 begann das japanische Militär, Mädchen und junge Frauen aus den besetzten Gebieten zu verschleppen. Als Zwangsprostituierte in Feldbordellen bestand ihre Aufgabe nun darin, den kaiserlichen Soldaten nach ihren Fronterfahrungen „Trost“ zu schenken. „Ein zynischer Euphemismus“, wie Marianne Pitzen, Direktorin des FM, bei der Eröffnung bemerkte. Dahinter verberge sich nichts anderes als die systematische Vergewaltigung von schätzungsweise rund 200.000 Frauen während der Kriegsjahre.

Überlebende wurden stigmatisiert

In den Opferstaaten galten „Trostfrauen“ lange als Schande, waren zum Schweigen verdammt. Erst seit einiger Zeit beginnt die Öffentlichkeit, sich für die „Ianfu“ zu interessieren. Am Dienstag, 14. August, wird ihrer gedacht. Damals wie heute werden in Kriegen Frauen und Mädchen systematisch verschleppt und von Soldaten missbraucht. Unter den damals von der japanischen Armee verschleppten und zwangsprostituierten koreanischen Frauen befanden sich auch Frauen aus China, Taiwan, den Philippinen, Australien. Ja selbst holländische Frauen zählten zu den Opfern, wie Forschungsergebnisse zeigen. Unzählige Frauen wurden ermordet. Die Überlebenden wurden stigmatisiert und haben wie die Täter 40 Jahre geschwiegen.

Die japanische Regierung hat sich nach langem Zögern entschuldigt und einigen Überlebenden Wiedergutmachung zukommen lassen, doch damit wurde das Ziel nicht erreicht, Sexsklaverei in Kriegen zu verhindern. Daher arbeitet das Frauenmuseum mit UN-Women Nationales Komitee Deutschland zusammen (Ausstellung Jesidinnen am 25. November 2018), medica mondiale (Krieg in Ex-Jugoslawien) und übernimmt eine Ausstellung von SOLWODI (Solidarität mit Frauen in Not), die das Überleben von Zwangsprostituierten in Kenia zeigt, wo Milizen des IS vorrücken. SOLWODI baut aktuell ein neues Netzwerk für Frauen in Nigeria auf, die Opfer der Islamisten dort (Boko Haram u.a.) betreuen soll. Die Ausstellung im Frauenmuseum, die ins Projekt „Gewalt gegen Frauen im Krieg und Krisengebiet“ von Museumsdirektorin Marianne Pitzen eingebettet ist, entstand in Zusammenarbeit mit Punggyeong Weltkulturen e.V. Verein Frauenmuseum – Kunst, Kultur, Forschung e.V., Bonn, Korean American Forum of California NDC Germany / Delphischer Rat Deutschland e.V.
Internationales Symposium

Am Samstag, 18. August (von 10 bis 17 Uhr) findet im FM ein internationales Symposium zum „Trostfrauen“-Thema mit internationalen Gästen statt. Eingeladen sind u. a.: Mina Watanabe (Direktorin des „Comfort Women“-Museums, Tokyo, Japan), Phyllis Kim (Direktorin, Korean American Forum of California, LA, USA), Griselda Molemans (Journalistin, Niederlande).
Zur Ergänzung des Themas spricht die Gründerin der internationalen Menschenrechts- und Hilfsorganisation SOLWODI („Solidarity with Women in Distress“ / Solidarität mit Frauen in Not). Die für August am „International Comfort Women´s Day“ geplante Aufstellung der „Mädchenstatue für den Frieden“ im Innenhof des Hauses wurde vorerst bis auf weiteres verschoben. „Es gibt noch keinen genauen Termin“, so Marianne Pitzen.

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Teil der Ausstellung ist diese Installation von Gi Brenig im Vordergrund). Rechts ein „Hautobjekt“ von Marlen Seubert und an der Wand ein Gemälde von Tremezza von Brentano.
Foto: Peter Köster

Bild zeigt Skulptur: Ein Mädchen in koreanischer Tracht, eines in chinesischer Tracht und ein leerer Stuhl aufgestellt in der Pädagogischen Universität Shanghai.
Foto: Peter Köster

Miyakojima-Gruppe zum Gedenken an die Trostfrauen“ des japanischen Militärs (Okinawa, Japan), 7. September 2008.
Foto: Peter Köster

Werk von Tremezza von Brentano
Foto: Peter Köster

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