Neueröffnung der Galerie Kunstsalon H.O. Schmidt in Remscheid-Lennep

Künstlertroika verführt mit „manhattan transfer & american soul“

Von Peter Köster

Remscheid. Gelungener Auftakt im neuen „Kunstmekka“ in Remscheid-Lennep, wo der Remscheider Künstler H.O. Schmidt seinen Kunstsalon eröffnete. Nach dem Ende der ehemaligen Werkstattgalerie Friege (viel beachtet als Einrichtung für Konkrete Kunst) und Schließung der Städtischen Galerie fand Remscheid, was Bildende und Darstellende Kunst anlangt, so gut wie nicht mehr statt. Wer dies in unmittelbarer Nähe erleben wollte, musste nach Solingen (Kunstmuseum) und Wuppertal (Von der Heydt Museum fahren). Dank der Galerie Kunstsalon H.O. Schmidt gehört dieser „kunstdiasporische“ Zustand nun der Vergangenheit an. Remscheid hat wieder eine zunehmende Kunsteinrichtung. Den Auftakt macht das Künstlertrio Anja Kleemann-Jacks, Kurt Volkert und H.O. Schmidt, die sich unter dem Thema „manhattan transfer & american soul“ versammelt. Die Ausstellung läuft bis Freitag, 2. März.

Prominente Nachbarschaft

Schmidts Kunstsalon liegt im historischen Altstadtkern von Remscheid-Lennep, nur rund 35 Autominuten von Düsseldorf, Köln und den Ruhrmetropolen entfernt. Die als Produzentengalerie geführte Kunsteinrichtung ist Teil eines Ensembles typisch bergischer Häuser am Jakobsweg und mittelalterlichen Hanseweg, der jetzigen Kölner Straße. In direkter Nachbarschaft des Kunstsalons befinden sich der kultige Künstlertreff „Rotationscafé“, die Kleinkunstbühne „Rotationstheater“, das „Deutsche Röntgen-Museum“ und die Veranstaltungslocation „Klosterkirche“. So prominent platziert, zeigt H.O. Schmidt nicht nur eigene, wechselnde Werke aus Malerei, Objekten und Installationen. Er holt sich zudem Unterstützung von Künstlerkolleginnen- und Kollegen, die als „H.O. Schmidt und Freunde“ den Salon bespielen. Kuratorisch begleitet durch Peter Köster (Bonn), zugleich künstlerischer Leiter der Kunsteinrichtung.

Drei Künstlergenerationen

Mit Anja-Kleemann Jacks, Kurt Volkert und H.O. Schmidt rücken zum Start drei unterschiedliche Positionen dreier Künstlergenerationen ins Zentrum. Da wäre zunächst Anja Kleemann-Jacks. Ihre fotografisch/malerischen Schwarz-Weiß-Arbeiten sind durch Transparenz und Leichtigkeit geprägt. Landschaften, Boote, Häuser, Wände werden zu Trägern ihrer Themenwahl. Mit ihren in Lennep gezeigten „New York Watertanks“ entstand eine Serie die kontrastreich Fotografie, Zeichnung und Malerei vereint. Die 49-jährige Künstlerin skizziert ein ausdrucksstarkes, originelles Panorama der Stadt der Städte, welche zwar den Anschein des Kolossalen erwecken möchte und dennoch Zeichen der Zerbrechlichkeit aufweist. Dieser konzeptionelle Zwiespalt ist es, der die Grundlage ihrer Arbeiten darstellt. Eine ultramoderne Großstadt, Heimat von Millionen von Menschen, unabhängig von Herkunft, die alle dasselbe Wasser aus primitiven Dachfässern schöpfen.

Palettenbild als Überraschung

Rein malerisch zeigt sich das Œuvre von Kurt Volkert. Der 82-jährige überrascht zunächst mit einem Palettenbild. Aus Papier-Paletten, Abreißblöcken, auf denen beim Malen die Farben gemischt werden, kreiert Volkert sein farbiges Bilduniversum, das unverkennbar die Handschrift eines Jackson Pollak verrät, dem Begründer des Action Painting. Anstatt die bunt mit Farbe bepinselten und beklecksten Papiere einfach zu entsorgen, sammelt Volkert diese Fragmente. Danach komponiert er das ganze zu einem Gesamtbild. In seinen Gemälden blickt Volkert zurück auf eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte der USA: Ground Zero. Gleichzeitig entführt er den Betrachter in die ruhigen, idyllischen Teile dieses facettenreichen Landes, das er nach wie vor besucht.

Der Deutsch-Amerikaner Volkert (wanderte 1956 in die USA aus) beschäftigt sich erst seit 1999 ernsthaft mit der Malerei. Davor war er als Kameramann, Producer, bei CBS News in den USA tätig. Als Korrespondent war er weltweit im Einsatz. So im Krieg in Indochina, in Vietnam, Laos und Kambotscha. Ferner im Bürgerkrieg in Beirut, in Israel beim Einmarsch in den Libanon. Zudem berichtete er über den 2. Golfkrieg im Irak.

Gegen das Trump-Amerika gerichtet

Last but not least H.O. Schmidt: Der 57-jährige überraschte bis dato in der Öffentlichkeit mit in den Medien zitierten Werken, mit denen er größere Beachtung fand. Dazu gehören seine Weltreligionen verbindende Installation „Himmelsleiter“, die die UNESCO in Indien überreicht bekam. Zudem erfreuen sich der Vatikan und der Dalai Lama weiterer Werke des Remscheider Konzept-Künstlers, der nicht zuletzt mit seinem Luther-Porträt, das er im Frauenmuseum Bonn präsentierte – (es zeigt den Reformator als Punk) – Furore machte. Das Luther-Gemälde polarisierte. Auch die beiden jüngsten Arbeiten, mit denen Schmidt im Kunstsalon vertreten ist, zielen auf Auseinandersetzung. „Mrs. President and First Lady“ (Persiflage) ist ein Statement für die Rechte von Homosexuellen und ist klar gegen das Trump-Amerika gerichtet. Das betrifft auch die Installation „Save the Barber-Shops“ – seine zweite Arbeit. Sie ist ein Appell an die derzeit Mächtigen in den USA, nicht diese Traditions-Einrichtungen zu elimenieren. „Barber-Shops haben in bestimmten Regionen einen hohen sozialen Stellenwert. Sie sind wie Kommunikationszentren.“

Öffnungszeiten des Kunstsalons: donnerstags bis samstags 10 bis 18 Uhr und nach terminlicher Absprache: (0170 40 20 349).

 

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Banner: Galerie-Eingang
Foto: Georg Divossen

Bild 1: Anja Kleemann-Jacks: Schwarz-weiß-Arbeit: „New York Watertanks“.
Foto: Peter Köster

Bild 2: H.O.Schmidt, Gemälde: „Mrs. President and First Lady“.
Foto: Peter Köster