„Neue Welten“ im Museum Folkwang in Essen – 24 Räume völlig umgestaltet

Essen. Das Museum Folkwang stellt sich neu auf. „Neue Welten“ nennt sich das zukunftsweisende Konzept, das die bestehende Sammlung in 24 vollständig umgestalteten Räumen vorstellt. Jeder Sammlungsraum ist medien- und epochenübergreifend arrangiert und nach einem zentralen Werk der Sammlung benannt.

Ort des Austauschs und Erlebens

Im Sinne der Folkwang-Idee von Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (1874–1921) treten die Gattungen und unterschiedlichen Sammlungsbereiche in Dialog miteinander. Von den Anfängen der Sammlung mit Hauptwerken von Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Paul Gauguin und den deutschen Expressionisten bis in die Gegenwart öffnet sich der Folkwang-Kosmos aus heutiger Perspektive. Die Präsentation lädt ein, die Sammlung neu zu entdecken. Peter Gorschlüter, Direktor Museum Folkwang, betont: „Uns geht es darum, die Sammlung zu aktivieren und in immer neuen Konstellationen zu zeigen. Ich möchte den Besucherinnen und Besuchern einen neuen Zugang zum Zusammenhang von Kunst und Leben ermöglichen. Dafür ist die Folkwang-Idee immer noch aktuell: Das Museum soll ein Ort des Austauschs und Erlebens, der Begegnung und Wahrnehmung, des Querdenkens und Verbindens für den Menschen des 21. Jahrhunderts sein.“ Statt einer chronologischen Hängung folgt „Neue Welten“ einer thematischen Anordnung. Jeder der 24 Räume ist nach einem Ankerwerk benannt, das einen thematischen Impuls gibt. Unter diesen Ankerwerken befinden sich wichtige Gemälde wie „Lise mit dem Sonnenschirm“ (1867) von Auguste Renoir, aber auch überraschende Werke wie Claude Kuhns satirisches Plakat „Der Fisch im Schafspelz“ (2011).

Migration, Bilderflut und Fake News

Alle Räume handeln von Neuanfängen, Aufbrüchen und neuen Zeiten. Der Titel der Präsentation „Neue Welten“ greift somit auch aktuelle gesellschaftspolitische Themen wie Migration, Bilderflut und Fake News in den Sozialen Medien auf. Eröffnet wird ein zeitgenössischer Blick auf die historisch gewachsene Sammlung. Neuerwerbungen, kaum oder noch nie gezeigte Arbeiten gehen mit den Meisterwerken der Sammlung bislang ungesehene Konstellationen ein. Die Neupräsentation erstreckt sich über den gesamten Sammlungsbereich im Alt- und Neubau des Museums. Malerei und Fotografie, Skulptur und Grafik, Weltkunst und Plakat verbinden sich in der Präsentation zu einer im Geist des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus entworfenen Idee der Einheit der Künste. Im Zentrum steht das Verbindende und Universelle der Künste sowie der Mensch und seine Wahrnehmung der Welt.

Raum „Prometheus Bound“

Der Raum „Prometheus Bound“ eröffnet den Rundgang „Neue Welten“. Er widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Schöpfungsmythen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. Neben Barnett Newmans Gemälde sind mythologische Figuren wie Max Beckmanns „Perseus“, Auguste Rodins Bronzeskulptur „Eva“ (um 1881) oder auch Albert Renger-Patzschs Fotografie „Natterkopf“ einer Schlange zu sehen. Osthaus´ Sammlertätigkeit Anfang des 20. Jahrhunderts sowie den gleichzeitigen Erwerbungen des ersten Essener Museumsdirektors Ernst Gosebruch ist im Altbau ein eigener Saal gewidmet. Von den ersten für ein deutsches Museum erworbenen Van Gogh-Gemälden über die Werke von wegweisenden Künstlern der Moderne wie Paul Gauguin bis hin zu den Lieblingsstücken vieler Besucherinnen und Besucher wie Paula Modersohn-Beckers „Selbstbildnis mit Kamelienzweig“ (1906/1907) oder Max Liebermanns „Papageienmann“ (1902) präsentiert dieser Raum das beeindruckende Vermächtnis der Gründungsjahre des Museums und ihrer Protagonisten.

Entwurf einer Kühlerfigur „Fabeltier“

Im Neubau finden sich Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck in Nachbarschaft zu Katharina Fritsch und Bilder von Camille Corot gegenüber von Per Kirkeby. Claude Monet trifft auf Mark Rothko und August Mackes „Modes: Frau mit Sonnenschirm vor Hutladen“ (1914) begegnet der legendären Deutsche Bundesbahn-Werbekampagne „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“ (1968). Von Rudolf Bellings Entwurf einer Kühlerfigur „Fabeltier“ (1923) bis hin zu der überlebensgroßen Pinocchio-Skulpturengruppe „Two Thieves, One Liar“ (2006) des Pop Art-Künstlers Jim Dine stellt „Neue Welten“ die Vielfalt und den Reichtum einer die Epochen und Medien, Formate und Themen übergreifenden Sammlung in ihrer Einzigartigkeit vor. pk

 

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Bild-1: Installationsansicht „Prometheus Bound“ Die Entdeckung der Sammlung
Foto: Jens Nober, Museum Folkwang, 2019

Bild-2: Otto Dix, „Nelly in Blumen“ (Detail), 1924 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Jens Nober, Museum Folkwang