Museum Brandhorst sendet zwei Superstars nach Nürnberg

Nürnberg/München. Nürnberg dankt München: Bis zum 21. Februar 2021 präsentiert das Neue Museum (Staatliche Museum für Kunst und Design) Nürnberg, Highlights aus den europaweit einzigartigen Beständen des Münchner Museums Brandhorst. Unter den rund 40 Werken von 17 Künstlerinnen und Künstlern befinden sich auch Superstars wie Andy Warhol und Cy Twombly.

Andy Warhol und Cy Twombly

„Painterly. Von Warhol und Twombly bis heute – Malerei aus dem Museum Brandhorst“, lautet der Titel der Ausstellung. Die Ausstellung stellt die beiden in der Sammlung Brandhorst mit beachtlichen Konvoluten vertretenen Heroen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, Andy Warhol und Cy Twombly in einen Dialog mit 15 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Hier Warhol, der durch seine Reproduktion vorgefundener massenkultureller Bilder der konzeptionellste Vertreter der Pop Art und Begründer des Velvet Unterground, in die Kunstanalen eingegangen ist. Die Prinzipien der Aneignung und Wiederholung und mit ihnen das Unterwandern künstlerischer Grundwerte wie Originalität und Autorschaft hat wohl niemand so dezidiert eingesetzt wie dieser Künstler, dessen „Triple Elvis“ (1963) am Eingang der Ausstellung gleich dreifach auf die Besucherinnen und Besucher zielt.

Auf der anderen Seite Cy Twomblys, dessen expressive Gesten und deren nervöse Spontanität an großstädtische Graffiti erinnert. Twombly ist bekannt für seine subversiv eingesetzten skripturalen Elemente wie auch für seinen ausdruckstarken Farbauftrag, der nicht mehr, wie bei der Vorgängergeneration der Abstrakten Expressionisten, die Authentizität eines Subjekts verbürgen, sondern bewusst die Nähe zu Alltagserscheinungen, wie Inschriften im öffentlichen Raum, suchen. Eine ähnliche Reflexion über die Un/Lesbarkeit piktorialer Zeichen verfolgen auch Künstlerinnen wie Amy Sillman oder Nicole Eisenman, wenn sie über die Betitelung ihrer Werke entweder abstrakte Kompositionen in das Register der Gegenständlichkeit überführen, wie „Sillmans Nose Job“ (2014/15), oder in figürlichen Arbeiten, wie Eisenmans „Cat Walking Under a Disambiguous Trash Cloud“ (2017), gerade den im Titel als unmissverständlich bezeichneten Part der Bildkomposition am uneindeutigsten halten.

Weiterhin Interesse an der klassischen Malerei

Kaum ein anderes Museum in Deutschland hat den Diskurs um die Gegenwart und Zukunft der Malerei so vorangetrieben wie das Museum Brandhorst. Die Nürnberger Schau knüpft hieran unmittelbar an und widmet sich insbesondere der Frage nach dem Status der malerischen Geste und des malenden Subjekts. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk der Frage, „wie sich seit dem Beginn des Informationszeitalters in den 1960er-Jahren die fortschrittlichsten Ansätze der Malerei in produktiver Reibung mit der Massenkultur und ihren medialen Bedingungen entwickelten“, so der Direktor des Brandhorst-Museums, Achim Hochdörfer. 2015 stellte das Münchner Haus diese Sicht der jüngsten Malereigeschichte unter dem Titel „Painting 2.0“ zur Diskussion. „Malerei im Informationszeitalter“ ist auch einer der Schwerpunkte der pointierten Werkauswahl, die das Münchner Museum erstmalig in Nürnberg vorstellt. Diese Schau macht eines deutlich, dass trotz rasanter Entwicklung neuer digitaler Technologien das Interesse an der klassischen Malerei keinesfalls nachgelassen hat und das trotz der tagtäglichen Flut an medialen Bildern und Informationen, das altmodische Medium der Malerei keineswegs an Relevanz eingebüßt hat. Ganz im Gegenteil, es kam in jüngster Zeit zu einer Transformation und Neubelebung des Leinwandbildes, beispielweise in den Computerbildern von Albert Oehlen, den von Emojis übersäten Oberflächen Jacqueline Humphries’ oder den großformatigen, mit einem Tintenstrahldrucker hergestellten Werken von Wade Guyton.

Sammlung von Annette und Udo Brandhorst

Mit dem 2009 eröffneten Museum Brandhorst erhielt das Münchner Kunstareal um die drei Pinakotheken ein weiteres Zentrum der Gegenwartskunst. Hervorgegangen ist das Museum aus der Sammlung von Anette und Udo Brandhorst. Dank der 1993 gegründeten Brandhorst Stiftung verfügt das vom Freistaat Bayern betriebene Museum über einen großzügigen Ankaufsetat: Allein in den ersten zehn Jahren seit der Eröffnung wuchs die Sammlung um rund 500 auf 1.200 Werke. Pk

BUS:

Bild-1: Ed Ruscha, „Den letzen Buchstaben nicht nur sichernd, sondern auch beschädigend (Boss)“, 1964 © Ed Ruscha, Courtesy: Udo und Anette Brandhorst Sammlung, Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München (Haydar Koyupinar)

Bild-2: Andy Warhol, „Triple Elvis“, 1963 © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Artists Rights Society, Courtesy: Udo und Anette Brandhorst Sammlung, Foto: Museum Brandhorst, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München

Bild-3: Guyton\Walker, „Canstripe_Pumpkinspice_Mattress“, 2013
© Wade Guyton and Kelley Walker, Courtesy: Udo und Anette Brandhorst Sammlung, Foto: Studio Wade Guyton

Bild-4: Josh Smith, „Final Sign“, 2012
© Josh Smith, Courtesy: Udo und Anette Brandhorst Sammlung, Foto: Museum Brandhorst, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München (Haydar Koyupinar)

Bild-5: Cy Twombly, „Nini’s Painting“, 1971
© Cy Twombly Foundation, Courtesy: Udo und Anette Brandhorst Sammlung, Foto: Museum Brandhorst, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München (Haydar Koyupinar)

 

 

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