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Der Beginn einer europäischen Kooperation

Müngstener Brücke und vier weitere Großbogenbrücken auf dem Weg zum Weltkulturerbe – Konstruktiv eng miteinander verbunden

Solingen. Fünf beeindruckende Großbogenbrücken aus vier europäischen Ländern, die konstruktiv eng miteinander verwandt sind – jede einzelne von ihnen eine revolutionäre technische Meisterleistung, alle gebaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und alle bis heute erhalten. Jetzt sollen sie gemeinsam zum Weltkulturerbe werden: die Müngstener Brücke in Deutschland, die beiden Brücken „Ponte Dom Luis I“ und „Ponte Maria Pia“ in Portugal, das „Viaduc de Garabit“ in Frankreich und die „Ponte San Michele“ in Norditalien.

Die Initiative ist einzigartig: Partner aus vier Ländern Europas engagieren sich gemeinsam, um eine gemeinschaftliche Bewerbung als „transnationales serielles UNESCO-Welterbe“ auf den Weg zu bringen. Der Startschuss fiel mit dem international besetzten Fachkongress „Brücken im UNESCO-Welterbe“, der am 27. und 28. Oktober – pünktlich zum 120. Geburtstag der Müngstener Brücke – in Haus Müngsten stattfand. Im Rahmen dieser Veranstaltung unterzeichneten die europäischen Partner mit dem „Memorandum of Understanding“ eine gemeinsame Erklärung.

Der Anstoß kam von den drei Oberbürgermeistern des Bergischen Städtedreiecks, Burkard Mast-Weisz, Remscheid, Tim Kurzbach, Solingen, und Andreas Mucke, Wuppertal. Bei der Tagung begrüßten sie ihre Amtskollegen Renzo Rotta, Bürgermeister der Stadt Paderno d’Adda in Italien, Gérard Delpy, Bürgermeister von Ruynes-en-Margeride in Frankreich und Rui Loza, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Porto in Portugal, zudem Experten aus Deutschland und Europa. Mitveranstalter sind ICOMOS Deutschland (Internationale Rat für Denkmalpflege) und TICCIH Deutschland (International Commitee for the Conservation of the Industrial Heritage). Beide Institutionen beraten das UNESCO-Welterbe-Komitee, das für die Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste zuständig ist.

DB als Eigentümerin

Unterstützt wird die Initiative von der Deutschen Bahn als Eigentümerin der Müngstener Brücke, die Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach als „Highlight für das Bergische Land“ bezeichnete. Die Bahn habe in den letzten Jahren erhebliche Mittel investiert, um das Brücken-Monument zu erhalten. Die Müngstener Brücke sei neben Schloss Burg und der Wuppertaler Schwebebahn das Wahrzeichen des Bergischen Landes, betonte Matthias Nocke, Beigeordneter der Stadt Wuppertal und für Remscheids OB Burkhardt Mast-Weisz ist sie schlichtweg „ein Erfolgsgarant“ für die Region.

Mit der geplanten Nominierung wollen die europäischen Partner vor allem den Gedanken der „Verbindung“ aufgreifen: Gemeinsam will man sich dafür stark machen, dass die Großbogenbrücken, die an ihren jeweiligen Standorten seit Jahrzehnten Verbindung schaffen, für kommende Generationen erhalten werden können. Zugleich soll der gemeinsame Weg aber auch der Beginn einer engen Kooperation sein, der die Verbindung zwischen den einzelnen europäischen Kommunen und Ländern stärkt und festigt. Auf diese Weise trägt die Bewerbung zur interkulturellen Völkerverständigung bei.
Peter Köster

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Tagungsteilnehmer und Jubiläumsgäste vor Skulptur. Im Hintergrund Teilfassade Haus Müngsten. Foto: Peter Köster