Mischa Kuball „leverkusen transfer, 2017“

Leverkusen. Für die Ausstellung „Duett mit Künstlerin. Partizipation als künstlerisches Prinzip“ hat der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball *1959 im letzten Jahr ein großes Installationsprojekt im Außenraum der Stadt Leverkusen sowie im Museum Morsbroich entwickelt – ein ortbezogenes Werk. Diese Arbeit machte Kuball dem Museum Morsbroich nun zum großzügigen Geschenk.

Ausgangspunkt war der Grundriss des ersten Ausstellungsraums im Erdgeschoss, den Kuball zunächst auf den Platz vor dem Leverkusener Rathaus legte, wo er begehbar war oder auch agitatorisch zu nutzen – als Ort für Aufführungen und Raum der Reflexion. Nach zwei Wochen und inklusive all der Benutzungsspuren, die dem Bodenbelag im öffentlichen Raum zugefügt wurden, transferierte der Künstler seine Arbeit wieder ins Museum und installierte dort sozusagen einen doppelten Boden, auf dem sich die Ausstellungsbesucher weiter einschreiben konnten.

Begehbarer Bodenbelag

Im Katalog der Ausstellung „Duett mit Künstlerin. Partizipation als künstlerisches Prinzip, Leverkusen 2017“ schreibt Stefanie Kreuzer über den Künstler u.a.: „Mischa Kuball verbindet mit seiner Arbeit „leverkusen transfer“ konsequent den öffentlichen Raum der Stadt mit dem des Museums und zugleich mit dem privaten Raum der Sammler und Besucher. Ein Grundriss des Museums im Maßstab 1:1 bildet den Ausgangspunkt des prozessualen Projektes. Unter Beibehaltung der Himmelsrichtung wird dieser als begehbarer Bodenbelag auf dem zentralen Platz der Stadt vor dem Rathaus ausgelegt. Somit schreibt sich in diesem ersten Transfer das Museum in den städtischen Raum ein. Im Aufeinandertreffen beider Orte werden diese als Bühne inszeniert, die die Bürger der Stadt zu unterschiedlichsten Reaktionen inspirieren kann. Einfach nur begehbar oder auch agitatorisch nutzbar als Aufführungsort öffnet diese Inszenierung im städtischen Raum das Nachdenken über die Präsenz und Funktion des sich in städtischem Kontext befindenden Museums. Zugleich wird in einem Video der Strom der Menschen am Kulminationspunkt beider Orte registriert.“

Teppich-Edition für das Museum

Einen letzten Transfer inszeniert die Arbeit mit der Realisierung eines Teppichs, der den Grundriss des Ausstellungsraums im Maßstab von 1:4 wiedergibt und den der Künstler als Edition für das Museum geschaffen hat. Von Besuchern käuflich erworben, gelingt so die Öffnung in den privaten Bereich. Die Arbeit „leverkusen transfer“ legt sowohl auf der Metaebene als auch auf der Ebene des konkreten Benutzens die nicht zu trennende Verbindung der verschiedenen Räume (öffentlich, museal, privat) in Relation zur Bildungseinrichtung des Museums offen. Das Museum ist hier zentraler und unverzichtbarer Ort gesellschaftlicher und auch individueller Bildung und schafft sowohl in öffentlichen wie auch privaten Räumen Impulse für kreatives Verhalten. pk

 

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Mischa Kuball inmitten seines Projekts „leverkusen transfer“ im Museum Morsbroch. Foto: Peter Köster