„Maske. Kunst der Verwandlung“ im Kunstmuseum Bonn

Von Peter Köster

Bonn. Das maskierte Individuum sowie der Akt des Tragens einer Maske stehen im Fokus der Ausstellung „Maske. Kunst der Verwandlung“, die bis zum 25. August im Kunstmuseum Bonn gezeigt wird. Anhand hochkarätiger Leihgaben und teils eigens neu produzierter Werke vollzieht die Ausstellung auf über 850 Quadratmetern nach, wie Künstlerinnen und Künstler mit der Maske verknüpfte Eigenschaften und Fragestellungen in ihre Kunst überführen und transformieren.

Ausstieg aus dem normalen Leben

Masken verstecken und schützen ihren Träger und geben ihm die Möglichkeit, für eine Weile aus dem normalen Leben auszusteigen, sich als ein Anderer zu probieren. Schön oder hässlich, Mann oder Frau, Mensch oder Tier – alles ist möglich. Als der Mensch die Idee eines übernatürlichen Wesens entwickelte, entstanden die ersten Masken. Es gibt sie in allen Kulturen. Masken haben die Menschen schon immer fasziniert. Aufgesetzt auf das Gesicht der Trägerin, des Trägers, verwandelt eine Maske die maskierte Person in etwas Neues und fungiert zugleich als Membran zwischen Individuum und Welt, innen und außen, sichtbar und verdeckt.

In allen Kulturen der Welt kamen und kommen Masken in unterschiedlichsten Ausformungen und Funktionen zum Einsatz. Nach der Kunst der Moderne widmet sich die Kunst der Gegenwart auffallend oft der Maske und ihrem transformatorischen Potential sowie den mit ihr verbundenen Fragen nach dem sich wandelnden Verhältnis von Gesicht, Person und Persona in einer Gesellschaft, die ohne Unterlass real und virtuell neue Gesichter hervorbringt. Anhand besonderer Leihgaben und teils eigens neu produzierter Werke versucht die Ausstellung nachzuvollziehen, wie Künstlerinnen und Künstler die genannten mit der Maske verknüpften Eigenschaften und Fragestellungen in ihre Kunst überführen und ihrerseits transformieren.

Behelmte Polizisten in Kampfmontur

Seit jeher und in allen Kulturen der Welt sind Menschen von Masken fasziniert. Besonders in der bildenden Kunst der Moderne, in den Strömungen des Dada, Surrealismus und Expressionismus war das Interesse an der Maske groß. Künstlerinnen und Künstler wie Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp, Meret Oppenheim oder Karl Schmidt-Rottluff griffen das Thema wiederholt auf.

Der Besucher hat die Wahl, den Weg der Historie zu gehen oder die Performance von Julius von Bismarck zu sehen. Sie führt durch ein Spalier maskierter und behelmter Polizisten in voller Kampfmontur. Kuratorin Barbara Scheuermann stellt auf über 800 Quadratmetern die Ergebnisse eines breiten Brainstormings zum Thema vor. Es öffnet sich ein faszinierendes Feld. Das beginnt bei einer (in heutigen politisch korrekten Zeiten anrüchigen) ethnologisch und exotistisch angehauchten Eroberung und Aneignung afrikanischer Stammeskunst etwa bei Karl Schmidt-Rotluff und Pablo Picasso. Später ironisiert durch Sigmar Polkes Bild „Negerplastik“ und problematisiert durch die Südafrikanerin Zanele Muholi, die sich auf dem Green Market inmitten von traditionellen dunklen Masken fotografieren lässt.

Die Maske ist ein Paradoxon

Warum wählen Menschen die Maske? Rollenspiele sind da ebenso beteiligt, wie der Schutz vor der Außenwelt und die Befragung der eigenen Identität, vielleicht auch deren Neukonstruktion und Optimierung, deren Veränderung und Uminszenierung. „Das Ich wird neu konfiguriert. Die Maske ist ein Paradoxon, ist Zeigen und Verbergen zugleich“, sagt die Kuratorin. „Eine Membrane zwischen innen und außen.“ Dass das Thema aktuell ist, zeigte nicht nur der Beitrag im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Bei aller Aktualität des Themas, interessant ist auch der Rückblick, den Scheuermann präsentiert: etwa die fotografierten inszenierten Temperamente von Hannah Höch (1920er Jahre), die ebenfalls aus der Zeit stammenden Masken-Experimente von Sophie Taeuber-Arp und die Selbstporträts von Claude Cahun, die verzweifelt meinte: „Unter dieser Maske ist eine andere Maske. Ich werde es niemals schaffen, all diese Gesichter abzuziehen.“

 

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Bild 1: Wiebke Siem, „ohne Titel“, 2001 Schaumstoff, Stoff, Abaichholz, Leinengarn Sammlung Kerstin Hiller und Helmut Schmelzer, Leihgabe Neues Museum Nürnberg. Foto: Peter Köster

Bild 2: Julius von Bismarck, Spalier maskierter und behelmter Polizisten in voller Kampfmontur. Foto: Peter Köster

Bild 3: Gestaltete Masken aus Keramik. Foto: Peter Köster

Bild 4: Inszenierung mit Maske. Foto: Peter Köster