LVR-LandesMuseum Bonn veröffentlicht Jahresprogramm 2018

Vom Rheinischen Kunstpreisträger über Sizilien bis zur Mittelalter-Schau

von Peter Köster

Bonn. Am 5. Februar diesen Jahres wurde im Ausstellungshaus des Siegburger Kunstvereins (Pumpwerk), Masoud Sadedin der Rheinische Kunstpreis verliehen, der mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro dotiert ist. Zuvor hatte eine Jury unter Vorsitz von Gabriele Uelsberg, der Direktorin des LVR-Landesmuseums Bonn, den in Troisdorf lebenden Künstler zum achten Träger des Rheinischen Kunstpreises gekürt. Im kommenden Jahr, vom 28.Juni bis 30. September 2018, wird Masoud Sadedin im LVR-Landesmuseum mit einer Einzelausstellung geehrt.

Masoud Sadedin wurde 1956 in Semnan im Iran geboren und lebt und arbeitet seit 30 Jahren im Rhein-Sieg-Kreis. Sein Thema ist der Mensch und es sind die Spuren, die er hinterlässt. „Das entnommene Motiv aus der Alltäglichkeit verwandelt sich zu einem Moment der Malerei,“ beschreibt er sein Werk. Es sind Themen aus seiner eigenen Lebensgeschichte, die ihn beeinflussen. Sadedin mag keine Kunst, die andere belehrt oder – wie die politische Kunst – den Zeitgeist bedient. Für ihn ist Kunst das Mittel zum Begreifen und damit zeitlos. Neben Zeichnungen, die ihn zeitlebens begleiten, sind es seine Ölgemälde, die in der Bonner Ausstellung zu entdecken sind.

Der Stiefel in 17.000 Fotografien

Bereits vom 1. März bis 10. Juni 2018 rückt mit Konrad Helbig ein weiterer Solist in den Ausstellungskanon. Konrad Helbig. „Aus den Archiven III: Konrad Helbig. Am Mittelmeer. Fotografische Erkundungen 1954-1965“ lautet der Titel dieser Schau, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fotothek Dresden und der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg entstanden ist. Sizilien war für den Fotografen, Publizist und (Vortrags-)Reisenden Konrad Helbig (1917-1986) ein Sehnsuchtsort. Er besuchte die Insel seit einem ersten Aufenthalt 1954 bis zu seinem Tod immer wieder und hielt Land und Leute sowie Kunst und Kultur Siziliens in mehr als 17.000 Fotografien fest. Die Bilder publizierte er ab 1956 in verschiedenen Büchern und Artikeln.

Neben faszinierenden Aufnahmen der antiken und mittelalterlichen Monumente und Kunstwerke Siziliens, entstanden zahlreiche Aufnahmen von Land und Leuten. Die Bilder dokumentieren das alltägliche Leben der Menschen und zeigen Orte und Landschaften eines Sizilien, das sich seit Konrad Helbigs letzten Besuchen teils drastisch verändert hat. Die Ausstellung ergänzt in idealer Weise die den antiken Kulturen Siziliens und des Mittelmeerraumes gewidmete Ausstellung „Im Meer versunken. Sizilien und die Unterwasserarchäologie“, die noch jahresübergreifend bis zum 11. März zu sehen ist.

Jahresübergreifend gezeigt wird ebenfalls noch bis zum 28. Januar die Ausstellung: „Die Zisterzienser – Das Europa der Klöster“, die sich zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Auch die Ausstellung „Bernd Schwering – Leuchtende Steine Ein Maler an den Orten der Zisterzienser,“ die noch bis zum 18. Februar gezeigt wird, ist ein viel beachtetes Projekt.  

Rückkehr der Skulptur Achse mit drei Scheiben

Dem Künstler Heinz-Günter Prager widmet das Haus eine Einzelausstellung, die vom 11. Oktober bis zum 27. Januar 2019 gezeigt wird. Prager, der am 19. Dezember 1944 in (Herne/Bochum Westfalen) geboren ist, zählt zu den bekannten deutschen Bildhauern, Zeichnern, Grafikern der konkreten Kunst. Seine Skulpturen sind an vielen öffentlichen Orten präsent, etwa vor der Berliner Nationalgalerie oder dem Bonner Kunstmuseum. Weniger bekannt sind Pragers Arbeiten auf Papier die diese Ausstellung zeigt. Sie teilen mit Pragers Plastik Stringenz und Systematik, stellen in ihrem freien Spiel mit der Variation und Veränderung jedoch eine ganz eigene Werkgruppe. Im Zusammenhang der Ausstellung kehrt seine Skulptur Achse mit drei Scheiben von 1986 an ihren angestammten Platz vor dem LVR-LandesMuseum Bonn zurück.

„Bauer, Mönch und Edelmann. Leben im Mittelalter, lautet der Titel dieses Projekts, das fast ein ganzes Jahr lang vom 27. September bis zum 25. August 2019 die Szenerie im Hause beherrscht. Könige und Ritter, Prinzen und Prinzessinnen, edle Kämpfer und Schurken, Burgen mit prächtigen Rittersälen und uneinnehmbaren Mauern und Türmen – in Filmen und Fernsehserien, in Büchern und Märchen ist das Mittelalter allgegenwärtig. Auch in unseren Städten und Landschaften gibt es viele Spuren dieser fernen Zeit: Burgen, Klöster, Kirchen und Städte. Aber wie lebten die Menschen wirklich vor 1000 Jahren? Was wissen die Wissenschaftler darüber? Und was verraten uns die originalen Objekte aus dem Mittelalter dazu?

Kleiden wie eine Edelfrau

Das Projekt „Mittelalter“, ist eine Art Mitmachausstellung, die sich  mit dieser Epoche auseinandersetzt. In der Ausstellung gilt es sieben Menschen aus dem Mittelalter zu entdecken. Dazu zählen natürlich Ritter und Burgherrin, aber auch die Händlerin, der Spielmann, der Handwerker, der Mönch und der Bauer, sind Teil dieser Geschichte.  An 35 Mitmachstationen kann man ausprobieren, wie das Leben im Mittelalter wirklich war: Sei es das Reiten in einem Turnier, das Schmieden eines Schwerts, sich wie eine Edelfrau zu kleiden, in einem höfischen Tanz zu bewegen, mittelalterliche Musik zu komponieren oder den Geheimnissen der Kräutermedizin auf die Spur zu kommen. Die Ausstellung ist ein internationales Kooperationsprojekt des LVR-LandesMuseums Bonn mit dem Museon Den Haag, dem Museum Het Valkhof Nijmegen und Bruns B.V. Bergeijk.

476 n. Chr. Ende des Weströmischen Reiches

„Europa in Bewegung. Reisen durch das frühe Mittelalter“. Diese  Ausstellung, die vom 15.November bis zum 12. Mai 2019 läuft, setzt sich mit dem frühen Mittelalter auseinander. Unter dem Ansturm der Völkerwanderung endete 476 n. Chr. das Weströmische Reich. In unserer Vorstellung markiert dieses Datum den Beginn der „Dark Ages“, des dunklen Mittelalters mit dem Niedergang der antiken Kultur in Wirtschaft, Handel und Bildung. In ganz Europa, dem Vorderen Orient und Nordafrika folgte auf das verbindende Römische Imperium das politisch zersplitterte Frühmittelalter mit den germanischen Nachfolgereichen von Franken, Westgoten und vielen anderen. Im Osten der mediterranen Welt lebte dagegen das kulturelle Erbe der Antike im Byzantinischen Reich über Jahrhunderte weiter.

Als Pilger ferne Welten bereist

Die Ausstellung präsentiert ein überraschend vielschichtiges und facettenreiches Bild der spätantiken und frühmittelalterlichen Regionen zwischen Irland und Spanien im Westen und Ägypten und Ungarn im Osten. Trotz aller Unterschiede im Umgang mit dem Erbe der Antike ist diese Epoche von faszinierenden Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Lebenswelten mit ihrer geradezu überbordenden kulturellen Vielfalt geprägt. Ca. 150 kostbare Objekte aus den bedeutendsten europäischen Museen legen beredtes Zeugnis für den regen Austausch von Ideen, Glauben, Traditionen und Handelsgütern ab. In der Ausstellung begegnen einem  bemerkenswerte Persönlichkeiten, die als Pilger, Wissenschaftler, Händler und Reisende diese für uns so fernen Welten bereisten, erkundeten und zwischen ihnen vermittelten.

Internationale Zusammenarbeit

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projektes CEMEC (Connecting Early Medieval European Collections). Museen in Amsterdam, Athen, Bonn, Brüssel, Budapest, Dublin, Jaén und Rom sowie zahlreiche wissenschaftliche und technische Partner aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und Irland haben es ermöglicht, herausragende Objekte in Verbindungen mit innovativen Medien- und Vermittlungstechniken gemeinsam zu präsentieren. So entsteht das spannende und vielfach neue Bild einer uns zu Unrecht so fern erscheinenden Welt. Mit ihren Ideen, Religionen und Kulturen prägt sie Europa und den mediterranen Raum bis heute.

 

BUS:

Bild 1 – Goldscheibenfibel, Merowingerzeit, 3. Viertel 7. Jh. n.Chr., LVR-LandesMuseum Bonn.
Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Bild 2 – Konrad Helbig, Selinunte. Säulentrommeln vom Riesentempel G auf dem Osthügel. 1950er Jahre.

Bild 3 – Masoud Sadedin, Nachsehen, 10 x 200cm, 2017. Öl auf Leinwand.