Ludwig Museum Koblenz zeigt Alex Katz: „Bigger is Better“

Von Peter Köster

Koblenz/München. Alex Katz zählt neben Tom Wesselmann oder Andy Warhol zu den großen amerikanischen Pop-Art Künstlern, gleichwohl er erst in den letzten Jahren, vor allem 2018, mit großen Ausstellungen noch einmal so richtig Fahrt aufnahm. Das beweisen die Ausstellungen in Häusern wie Tate Gallery in London, Guggenheim in Bilbao oder Metropolitan Museum in New York. Gegenwärtig würdigen den mittlerweile 92-Jährigen US-amerikanischen Künstler parallel das Ludwig Museum Koblenz (bis zum 28. April) und Museum Brandhorst in München (bis zum 22. April). Die Koblenzer Ausstellung trägt den Titel „Bigger is Better“.

Die Schau zeigt 45 zum Teil großformatige Prints sowie einige Leinwandarbeiten, aber auch Objekte. Im Mittelpunkt stehen einige von Alex Katz´ bedeutendsten druckgrafischen Werken, die seine wichtigsten Motive thematisieren. Dies sind seine ikonischen Frauenporträts, aber auch Beispiele seiner Doppel- und Mehrfachporträts bzw. mehrfachen Figurendarstellungen, die ihrerseits filmische Sequenzen einfingen oder Bewegungsmotive. Sie kulminieren in den erst 2018 vollendeten „Coco-Cola-Girls“. Gepaart wird dies mit einer Auswahl seiner großformatigen Flowers sowie Landschaftsmotiven aus Maine, wo Alex Katz im Sommer gerne in seinem kleinen Haus mit Familie und Freunden verweilt. Drucktechnisch verwendet er vorzugsweise das „Silkscreen“ – sowie das Holzschnitt-Verfahren.

Coco-Cola-Girls

Teil dieser Ausstellung sind die erwähnten Coco-Cola-Girls, die, wie die Direktorin des Ludwig Museums, Beate Reifenscheid, betont, bisher noch nicht gezeigt wurden. Premiere also in Koblenz. Diese, wie auch die anderen großformatigen Prints und Leinwandbilder, sind dem New Yorker Atelier des Künstlers entliehen. Dazu zählt nicht zuletzt das Portrait von Ada, Muse und Ehefrau des Künstlers. Ada taucht großformatig in dieser sehenswerten Schau gleich mehrmals auf. In seinen Druckgrafiken wird anschaulich, wie Alex Katz arbeitet und wie konsequent er Motive bearbeitet: er reproduziert, reflektiert und reduziert sie in zahlreichen weiteren Arbeitsschritten. Dabei bleiben die aus der Tiefe strahlenden Farbflächen, die für seine Malerei charakteristisch sind, erhalten. Die synthetisierende Wirkung der Drucktechniken – in erster Linie Siebdruck, Aquatinta und Lithografie, die der Künstler in enger Zusammenarbeit mit namhaften Druckern weiterentwickelt, unterstützt das Flächige und Künstliche bei der Wiedergabe seiner Bildmotive.

Porträts der Muse und Ehefrau Ada

Immer wieder wird Alex Katz, geboren 1927 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in Brooklyn, New York, als Vorläufer der Pop Art gehandelt. Dabei ist er weit mehr von den jungen Literaten der Kunstszene im New York der 50er Jahre wie John Ashbury oder Frank O’Hara geprägt – viel stärker als durch seine großen Pop-Art-Kollegen Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Larry Rivers. Diese erste Generation der New York School beeinflusste sich unablässig gegenseitig. Dichter, Maler, eine Avantgarde, die vor dem Hintergrund des Aufkommens neuer Medien wild entschlossen war, das Absolute im Augenblick zu formulieren. Sein einzigartiges Oeuvre, das sich mittlerweile über 70 Jahre erstreckt, widmet sich ganz der Darstellung des Hier und Jetzt und der Unmittelbarkeit der menschlichen Wahrnehmung – ein Bekenntnis zu dem, was der Künstler oft als „Malerei in der Gegenwartsform“ bezeichnet hat. Wechselweise arbeitet er im Freien oder von fotografischen Vorlagen und eigenen Skizzen sowie Vorzeichnungen und hat sich dabei auf Themen aus seinem unmittelbaren Umfeld konzentriert: Porträts von Familie (insbesondere seiner Frau Ada) und Freunden, künstlerischen Mitstreitern, aber auch Szenen des geselligen Miteinanders, Landschaften und Architekturszenen, sowie Blumen. Überall entfaltet sich dabei Katz’ Sensibilität für malerische Oberflächen in produktiver Spannung mit den Formensprachen des Films, der Mode und der Werbung. Seitdem malt Katz das, was er „the immediate present“ nennt, den unmittelbaren Augenblick. Oft und immer wieder hat er dabei die Figuren seiner unmittelbaren Umgebung porträtiert, den Tänzer Paul Taylor, Freunde, das Downtown-Milieu in New York. Und vor allem seine Frau Ada.

Meister des New Yorker Lifestyles

Weltweit wird Alex Katz geschätzt wegen seiner meist großformatigen Frauenportraits von glatter, zeitloser Eleganz. Er gilt als der Meister des New Yorker Lifestyles und hat mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafiken ein umfassendes Oeuvre geschaffen, das große Individualität aufweist, die längst auch Formen der Abstraktion, des malerischen Auftrags vollkommen neu definiert. Katz verweigert das Narrativ. Seine Bilder sind plakativ, zeichenhaft, ikonenhaft. Dabei hat der Künstler die schrille Farbigkeit und Flächigkeit seiner Bilder selbst schon als aggressiv bezeichnet. Aggressiv im besten Sinn versteht sich. Überall entfaltet sich Katz malerische Virtuosität in produktiver Auseinandersetzung mit der Bildwelt des Films, der Mode und der Werbung.
Die Koblenzer Ausstellung entstand in enger Absprache mit Alex Katz sowie dessen Verleger Robert Lococo.

 

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„Bigger is Better“. Fotos: Peter Köster