Kunstmuseum ehrt Erhard Klein mit besonderer Ausstellung

Von Peter Köster

Bonn. „Viele der Künstler und Sammler sind ja leider schon tot“, lautet die traurige Erkenntnis von Erhard Klein. Wenn er aber über seine glanzvolle Galeriezeit spricht, dann leuchten seine Augen. Das Kunstmuseum in Bonn ehrt diese Galerien-Legende anlässlich seines 80. Geburtstags mit einer Ausstellung. „80 Jahre Erhard Klein. Eine Hommage an den Galeristen, Bibliothekar und Kulturförderer“, ist die kleine, aber umso sehenswertere Schau betitelt, die das Haus an der Museumsmeile bis zum 17. Februar 2019 zeigt.

Universum Bonner Königstraße 71

Er hatte sie alle in seiner Galerie versammelt, die Kunstgrößen dieser Welt. Die Bonner Königstraße 71 war das Universum und Erhard Klein gewissermaßen der Fixstern. Seine Premiere feierte der gelernte Buchhändler und studierte Diplom-Bibliothekar 1970 mit Serigrafien von Rupprecht Geiger. Es folgten unter anderem Präsentationen von Max Ernst und Eduardo Paolozzi. 1970 hatten Gerhard Richter und Blinky Palermo ihr Debüt bei Klein, 1972 kamen Raimund Girke, Arnulf Rainer und Alfonso Hüppi dazu, 1973 mischten sich Joseph Beuys und Imi Knoebel unters Volk. 1974 stießen etwa Sigmar Polke und Jochen Gerz zum erlauchten Kreis der Klein-Künstler. Das Who is Who der deutschen Gegenwartskunst gab sich von 1970 bis 2013 bei Klein die Klinke in die Hand. „Ich will bei Klein ausstellen, wo Beuys und der Polke ausgestellt haben“, ist von dem damals vollkommen unbekannten Martin Kippenberger überliefert. 1983 wurde ihm diese Ehre zuteil.

„Die Galerie ist mein Wohnzimmer“

In der Bonner Zeit avancierte die Galerie Klein schnell zu einem international renommierten Kunststandort und vibrierendem Epizentrum zeitgenössischer Kunst, in dem vor allem die prosperierende rheinische Kunstszene der 1970er und 1980er Jahre eine Herberge fand. Hier stellte Klein die weltweit umfangreichste Beuys-Bibliographie zusammen und hier nahm eine einzigartige Sammlung von Künstlerbüchern und Kunstkatalogen von geradezu musealem Ausmaß ihren Anfang. Neben seiner kunsthändlerischen Tätigkeit interessierte und engagierte sich der Galerist für seine Künstler auch in privatem Rahmen: „Die Galerie ist mein Wohnzimmer“. Bei der Preisgestaltung über ihre Kunstwerke pflegte Klein in schönstem Kölsch zu sagen: „Mach et nisch zu teuer.“ Auch seine Leidenschaft für Musik, Literatur und Theater blieb nicht ohne Folgen. So wurde seine Einrichtung in der Königsstraße neben den vielen ortsspezifisch gestalteten Ausstellungen zu einem Ort für interdisziplinäre Aktionen und Veranstaltungen. Neben Lesungen, Performances und Konzerten fanden auch Theaterstücke in den Räumen der Bonner Südstadt ihren Platz. Die Geschichte der Galerie Klein, 1970 bis Anfang 1994 in Bonn und ab Sommer 1994 in Bad Münstereifel-Mutscheid, wo er noch bis 2013 in einer umgebauten Näherei sein Programm zeigte, ist eine Geschichte voller Anekdoten, aus denen stets deutlich wird, dass Erhard Klein und seine Künstler keine distanzierten Geschäftsbeziehungen, sondern enge und lange Freundschaften pflegten. Diese pflegte er aber auch zu vielen seiner Kunden.

Art Cologne –Preis für Kunstvermittlung

2007 erhielt Erhard Klein den vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. und der Art Cologne verliehenen Preis für Kunstvermittlung. Mit Klein wurde eine der prägenden Figuren der Galerienlandschaft der vergangenen 30 Jahre geehrt, hieß es damals in der Begründung. Der Rheinländer Klein habe es stets hervorragend verstanden, Künstler und Käufer zusammenzubringen. Erhard Klein habe sich mit einem besonderen Gespür für außergewöhnliche Einzelpositionen seit den frühen 1970er Jahren einen exzellenten Ruf als Galerist erworben.

Eine vielschichtige Persönlichkeit

Am 27. November nun wurde Erhard Klein 80 Jahre alt. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn macht diese vielschichtige Persönlichkeit und das breite kulturelle Wirken Kleins durch Werke aus seiner Sammlung, Künstlerbücher und eine umfangreiche Bildstrecke erlebbar. Gezeigt wird alles, was mit „Erhard zu tun hat“, sagt der Jubilar. Wandfüllend berichten Fotodokumentationen von Franz Fischer und Markus Schreiber über ausgelassene Vernissagen und Aktionen, über Künstlertreffen und Begegnungen sowie Momente der besonderen Art: So sieht man u.a. Beuys ohne Kopfbedeckung, eine huttragende Katharina Sieverding, einen ausgelassenen Sigmar Polke, einen vergnügten Martin Kippenberger. Eine begleitende sechsteilige Vortragsreihe lässt Zeitzeugen, Wegbegleiter und (Künstler-)Freunde von Erhard Klein zu Wort kommen. Die Präsentation wurde von Ulli Seegers, Kunsthistorikerin und Professorin für Kunstvermittlung und Kunstmanagement an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf, dem Fotografen Markus Schreiber und dem Künstler und langjährigen Weggefährten Erhard Klein, Gisbert Gibbs Müller, in enger Abstimmung mit dem Leiter des Kunstmuseum Bonn, Stephan Berg und mit Erhard Klein initiiert.
Seit 2014 lebt Erhard Klein nun mit seiner Frau Elke in Neuwied im Ruhestand, wo er damals wie heute sein Hobby pflegt: Die Liebe zum Fußball und hier vor allem der Bonner SC und der 1. FC Köln. „Mein Herz schlägt aber auch für die Telekom Baskets“, bekennt der 80-Jährige.

 

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Erhard Klein vor einer Vitrinen mit seinen Künstlerbüchern. Im Hintergrund einige Arbeiten aus seiner Privatsammlung.
Foto: Peter Köster

Auch diese lasierte Ton-Plastik „Die Langheimer“,  (Erhard 1998) ist Teil der Ausstellung.
Foto: Peter Köster