Kunstmuseum Bonn erwirbt Gemälde von Monika Baer und ehrt sie mit einer Werkschau

Von Peter Köster

Bonn. Ihren ersten Auftritt in Bonn hatte Monika Baer 1998, als sie als Stipendiatin des renommierten Peter Mertes-Preis ein Solo im Bonner Kunstverein hatte. Nun ehrt sie das Kunstmuseum mit einer kleinen Werkschau, die bis zum 16. Juni gezeigt wird.  

Künstlerin mit Werkschau geehrt

Das Kunstmuseum Bonn ist ein Haus, in dem die Auseinandersetzung mit der Malerei schon immer eine große Rolle gespielt hat. In dieser Fokussierung liegt auch der Grund, warum der Dieter Krieg Preis 2019 – Namensgeber Krieg (1937-2005) war ein Vollblutmaler – an das Malermuseum verliehen wird. Der Preis, der alle drei Jahre vergeben wird, ist mit 15.000 Euro dotiert, die für den Ankauf eines Gemäldes vorgesehen sind. In Absprache mit dem Stiftungskuratorium hat sich das Kunstmuseum für den Erwerb eines Gemäldes der Berliner Malerin Monika Baer entschieden, die nun in einer kleinen Werkschau, kuratiert von Christoph Schreier, präsentiert wird.  

Eine stark narrativ geprägte Bildlichkeit

Baers Arbeiten lassen eine stark narrativ geprägte Bildlichkeit erkennen. „Set 4“ aus dem Jahre 1995, das seit 2009 als Dauerleihgabe der Sammlung „Mondstudio“ im Kunstmuseum vertreten ist, entführt den Betrachter in eine märchenhafte Kulissenwelt, die das Setting für rätselhafte Ereignisse bilden könnte. Ein Bühnenbild, das den Kitsch von Kindertrickfilmen atmet, nur ohne Akteure. Dafür überdeutlich zur Schau gestellte Requisiten wie ein Vogelkäfig, ein Weidenkorb, eine Hütte, ein Tümpel. Solch eine erzählerische Qualität schließt im Gegenzug freilich nicht aus, dass Monika Baer großen Wert auf die formalen Qualitäten ihrer Werke legt. In ihrer  kleinformatigen Werkgruppe der „Alkoholserie“ wird dieses Spannungsverhältnis noch einmal eigens akzentuiert: In neueren Gemälden scheinen sie sogar die Oberhand zu gewinnen, und schnell könnte man die pfahlgelben Bilder in der Ausstellung dem Thema der Monochromie zuordnen – wären da nicht diese Halterungen, die das Bild an der Wand fixieren und eine andere Form von Gegenständlichkeit betonen. Die Frage drängt sich auf, was eigentlich diese recht auffälligen, unbeholfen mit Winkeleisen und verschraubten Bildbefestigungen aus Draht bewirken sollen. Sie sind als Diebstahlsicherung kaum tauglich. Aber vielleicht lenken diese Halterungen bewusst die Aufmerksamkeit auf die „gesicherten Bilder“. Vielleicht ist das ganze aber auch nur ein Gag an der Museumswand. Das würde dann vielleicht das Fläschchen „Kleiner Feigling“ erklären, das als Requisit unten rechts an den Keilrahmen geschraubt ist.

Das vom Kunstmuseum erworbene „titellose Gemälde“ wirkt wie eine flüchtige Farbspur auf der Leinwand. Kaum erkennbar verteilen sich hellrosa, lindgrüne, braune und helle Pigmentlinien aus Metall und Mineralien auf dem Bildträger. Bei näherem Hinschauen fallen zwei Tränentropfen ins Auge, die dem ansonsten eher ereignisarmen Werk einen gewissen Kick geben. Sie verleihen dem scheinbar so neutralen Bild Emotion und Körperlichkeit, Eigenschaften, die eine selbstreflexive Malerei lange aus dem Auge verloren hatte. Wer also angesichts der Farbgebung und der wolkigen Lockerheit des Hintergrundes etwa an die eigene intensive Rosé-Phase erinnert wird, die ausgetobt werden musste mit allem möglichen Schnickschnack, Hauptsache pink, liegt nicht so ganz verkehrt.

Bei Alfonso Hüppi studiert

Die 1964 in Freiburg geborene Monika Baer studierte von 1985 bis 1992 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi. Ihre Werke waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem im Bonnefantenmuseum in Maastricht (2005), der Pinakothek der Moderne in München (2006) und auf der Documenta 12 in Kassel (2007). Große Werkschauen wurden zuletzt in den Vereinigten Staaten gezeigt, 2012 im Art Institute in Chicago und 2014 im Williams College Museum of Art, Williamstown. Monika Baer lebt in Berlin und unterrichtet an der Milton Avery School of Fine Art des Bard College, New York, sowie an der Städelschule in Frankfurt.

 

BUS:

Bild 1: Monika Baer, Ohne Titel, 1992, Öl auf Leinwand, 44 x 47 cm.
Foto: Peter Köster

Bild 2: Monika Baer, Set 4, 1995, Öl auf Leinwand, 160 x 250 cm.
Foto: Peter Köster

Bild 3: Monika Baer, Untitled, 2013, Öl auf geschnittener Leinwand, Holz, Schnapsflasche, 50 x 40 cm.
Foto: Peter Köster

Bild 4: Monika Baer vor ihrer Arbeit: Untitled, 2018. Metallpigment, mineralische Pigmente, Acryl, Hartschaum auf Leinwand 210 x 160 cm.
Foto: Peter Köster