Das Künstler-Kleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft

Krefeld. „Auf Freiheit zugeschnitten“, Laufzeit: 12. Oktober – 24. Februar 2019, lautet die Ausstellung der Kunstmuseen Krefeld. Ausgehend vom künstlerischen Reformkleid untersuchen die Häuser erstmals in einer Schau die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Mode, Fotografie und Tanz im Kontext der Reformbewegung zwischen 1900 und 1914. Die interdisziplinäre Fragestellung und jüngste Forschungsergebnisse ermöglichen neue Perspektiven auf diese spannende Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Einengung, Ornament und Befreiung sind dabei Schlagworte, die nicht nur das damalige Frauenbild definieren, sondern auch die sich neu entwickelnden künstlerischen Disziplinen und ein anderes Verständnis von Kunst.

Kleidung als Spiegel der Gesellschaft

Seit jeher spiegelt Kleidung die Gesellschaft auf vielfältige Weise. Kleidung transportiert Vorstellungen und Wertesysteme, definiert den gesellschaftlichen Status. Heute ist Kleidung vor allem Ausdruck von Persönlichkeit und Individualität. Um 1900 unterlag die Kleidung der Frau dagegen dem Modediktat aus Paris und damit dem männlich dominierten Blick. Der Befreiung von diesen Abhängigkeiten sind lange Kämpfe vorausgegangen, die im deutschsprachigen Raum um 1900 einen Kulminationspunkt erreichten. Mode wurde zum Synonym für eine körperliche wie gesellschaftliche Emanzipation.

Komplexe Wechselbeziehungen

Ausgehend von einer historischen Ausstellung in Krefeld im Jahre 1900 untersucht die aktuelle Schau im Kaiser Wilhelm Museum die Voraussetzungen, Auswirkungen und historischen Verflechtungen zwischen den ProtagonistInnen. Dabei rücken erstmals die komplexen Wechselbeziehungen zwischen freier Kunst, Kunsthandwerk, Mode, Fotografie und Tanz in den Blick, ebenso wie das Netzwerk, das sich von den Zentren des künstlerischen Aufbruchs in Deutschland über Belgien, Holland, Wien und Paris bis nach England und Glasgow spannte. Das Bild der Frau, das sich innerhalb der Reformbewegung in unterschiedlichsten Facetten spiegelt, von der Frau als dekorativem Objekt bis zur Frau als schöpferischer Künstlerin und selbstständiger Unternehmerin, wird eingehend analysiert und neu bewertet. „Das Projekt zeigt in ganz besonderer Weise die neue Programmatik der Kunstmuseen Krefeld, die die Aufarbeitung der reichen Museumsgeschichte mit einer aktuellen Perspektive und neuen Forschungsansätzen verbindet“, sagt Museumsdirektorin Katia Baudin.

Die opulente Schau vereint Bestände der eigenen Sammlung mit zahlreichen hochkarätigen Leihgaben aus dem In- und Ausland in einer anschaulichen Inszenierung. Von den Präraffaeliten (Frauenbild) über die Gesamtkunstwerk-Entwürfe des Jugendstils, der Wiener Werkstätte und der Expressionisten, vom Ausdruckstanz bis zu neuen Medien der Inszenierung und Verbreitung wie Fotografie und Modezeichnung spannt sie ein Panorama der Moderne. Bekannte ProtagonistInnen wie Sonia Delaunay, Isadora Duncan, Emilie Flöge, Mariano Fortuny, Josef Hoffmann, Ludwig von Hofmann, Wassily Kandinsky, August Macke, Paul Poiret, Johan Thorn Prikker, Henry van de Velde, Heinrich Vogeler, Eduard Vuillard stehen neben wieder zu entdeckenden Namen wie Vanessa Bell, Mela Köhler, Frances MacNair und Margaret MacDonald, Ditha Moser, Anna Muthesius, Else Oppler, Mileva Roller oder Emmy Schoch. pk

 

BU:
Henry van de Velde Tea-gown Aus: Album moderner, nach Künstlerentwürfen ausgeführter Damenkleider, 1900 Fotografie Slg. Kunstmuseen Krefeld

© VG Bild-Kunst Foto: Volker Döhne