Klaus Staeck im Museum Folkwang

Umfassende Retrospektive zum 80. Geburtstag des politischen Aktivisten

Essen. Das Museum Folkwang würdigt den politischen Aktivisten Klaus Staeck im Jahr seines 80. Geburtstags mit einer seiner größten Einzelausstellungen überhaupt. Mit seinen Plakaten hat Staeck eine Wirkung erzielt wie kaum ein anderer vor ihm. Vom 9. Februar bis 8. April zeigt die Ausstellung Klaus Staeck „Sand fürs Getriebe“ rund 200 der bekanntesten Plakate , Postkarten und Multiples und gibt erstmals einen umfangreichen Überblick über die frühe Druckgrafik des Plakatgestalters. Seit den 1960er Jahren kommentiert der Heidelberger Grafiker, Jurist, Verleger und Plakatprovokateur Klaus Staeck (*1938) pointiert und scharfsinnig gesellschaftliche Themen und Krisen.

Provokative Plakatkunst

Seine Kunst – Plakate, Postkarten, Aufkleber und Multiples – ist nicht vom aktuellen Zeitgeschehen zu trennen und ist Ausdrucksform seiner politischen
Ansichten: Mit fast jedem Entwurf enthüllt Staeck einen Missstand und regt
damit zum Nachdenken über Gesellschaft, Kunst und Politik an. Die Brisanz von Klaus Staecks wirkmächtigen Motiven und satirischen Slogans führte zu 41
Prozessen, von denen er bis heute keinen verlor. Sein Name wurde in Deutschland zum Synonym für provokative Plakatkunst, das „Staeck – Plakat“ zu einer Marke.

Auseinandersetzung mit der Druckgrafik

Klaus Staecks spätere, auflagenstarke Plakatproduktion ist ohne die Auseinandersetzung mit der Druckgrafik nicht denkbar. Ein besonderer Akzent der Retrospektive liegt daher auf den frühen abstrakten Holzschnitten und gesellschaftskritischen Siebdrucken, die den Weg zum ersten Plakat des Künstlers „Sozialfall“ von 1971, ebneten. Das bekannte Plakat zeigt ein Bild von Albrecht Dürers Mutter, begleitet von dem Slogan:„ Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten? “, und traf im Kontext des Nürnberger Dürer – Jubiläums und des damaligen Wohnungsmangels den Nerv der Zeit. Der weitreichende Erfolg der Plakataktion veranlasste Staeck dazu, das Medium des Plakats aufgrund der Reproduzierbarkeit und hohen Reichweite zum Informationsträger seiner politischen Aktionen zu machen.

Sieben chronologisch gegliederte Ausstellungkapitel

„Sand fürs Getriebe“ präsentiert Klaus Staecks mehr als fünf Jahrzehnte umfassendes Werk und gibt Einblicke in den technischen Entwicklungsprozess der Plakatproduktion im vordigitalen Zeitalter. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Staecks Abkehr von der künstlerischen Auseinandersetzung mit Druckgrafik und seiner Hinwendung zum Plakat. Sieben chronologisch gegliederte Ausstellungkapitel ermöglichen mit frühen grafischen Arbeiten, und
200 Plakate aus dem Zeitraum 1971 bis 2017 neun Stunden dokumentarisches Filmmaterial, zwei Großinstallationen und eine in den 1980er Jahren entstandenen Fotoserie über Bitterfeld einen Überblick über Staecks politisches Engagement bis heute. Der Veranstaltung „Aktion für mehr Demokratie“ in der Pressemitteilung der Essener Grugahalle (1983) sowie weiteren politischen Aktionen ist ein eigener Ausstellungsraum gewidmet. Postkarten,
Archivdokumente , aber auch Plakate zu Ausstellungen, Theater und Film
ergänzen die Schau. Unterstützt wird die Ausstellung mit Materialien aus den Archiven des Gestalters und seines langjährigen Druckers Gerhard Steidl.

Visuelles Gedächtnis der Bundesrepublik

Klaus Staeck wurde 1938 in Pulsnitz bei Dresden geboren und wuchs in Bitterfeld auf . Er absolvierte sein Jura-Studium in Heidelberg, Hamburg und Berlin, gefolgt von mehrjähriger Arbeit als Anwalt. Seine künstlerische Tätigkeit hat Staeck parallel zum Studium begonnen. Bereits 1965 gründete er den Verlag Edition Tangente , die spätere Edition Staeck. Die Plakate des politisch aktiven Staeck haben sich seit den 1970er Jahren in das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland eingebrannt. Seine Arbeiten wurden in mehr als 3000 Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Von 2006 bis 2015 hatte Staeck das Amt des Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin inne und ist seitdem ihr Ehrenpräsident.

Zur Ausstellung Klaus Staeck. „Sand fürs Getriebe“ erscheint ein 256-seitiger Ausstellungskatalog in der Edition Folkwang/ Steidl . Mit Beiträgen von René Grohnert, Tobias Burg, Gerhard Steidl und einem Interview von Monte Packham mit Klaus Staeck. pk

 

BUS:

Klaus Staeck „Vorsicht Kunst,“ 1982 Offsetdruck © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Klaus Staeck „Thema Freihandel,“ 2015 Offsetdruck, 84,2 x 59 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Klaus Staeck „Die Gedanken sind frei,“ 1979 Offsetdruck, 84,2 x 59 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018