Im Bergischen Land zum Maler geworden

Museum Barberini Potsdam und Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Schloss Gottorf Schleswig gratulieren Klaus Fußmann zu seinem 80. Geburtstag

Von Peter Köster

Potsdam/Schleswig. Seit mehr als 40 Jahren gehört Klaus Fußmann zu den prägendsten Künstlergestalten der gegenstandsbezogenen Malerei in Deutschland. Anlässlich seines 80. Geburtstages ehren das Museum Barberini in Potsdam und das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf in Schleswig (Schleswig-Holstein) den norddeutschen Maler. Während das Barberini Fußmann bis zum 3. Juni zeigt, läuft die Schau (Titel: „Von Anfang an“ in Schleswig bis zum 28. Oktober). Das Potsdamer Haus präsentiert 39 großformatige Gemälde des Malers. Gleich 150 Gemälde, Gouachen und Aquarelle werden auf der Museumsinsel Schleswig zu sehen sein.

Menschen in Landschaften

Die Potsdamer Schau ist die erste Ausstellung, die sich dem in seinem Werk zentralen Thema von Menschen in Landschaften widmet. Menschen und Räume beschäftigen Klaus Fußmann in seiner Malerei seit den siebziger Jahren. Waren es zunächst einzelne Figuren, die sich im kargen Innenraum seines Ateliers in Gelting/Ostsee abzeichneten, zeigte er die Zeugen seines Werkprozesses schon bald vor dem Gegenlicht des Fensters. Seine Modelle – Freunde und Verwandte – stehen mit dem Rücken vor dem Raster des Fensterkreuzes, markieren die Schwelle zwischen dem Innen und Außen, den Blick auf den Betrachter gerichtet. Neben vielen Bildern, die im Norden der Republik entstanden (hier hat es ihm besonders „die Landschaft im Norden“, die Geltinger Bucht angetan, entstanden einiger seiner Werke auf Studienreisen. Diese führten ihn nach Norwegen, in die USA, nach Island, Indien, Australien, Neuseeland, nach Baja California/Mexiko, zu den Galapagos-Inseln und vielen anderen Orten. Dazu kamen Exkursionen in Island, Indien, den Antipoden, den Galapagos-Inseln, in die Toskana.

Altertümlich und zugleich zeitgemäß

Klaus Fußmann ist verschwenderisch im Umgang mit der Farbe. Farbstark und intensiv sind seine Bilder, gegenstandsbezogen, aber dennoch zur Farbe hin formaufgelöst. Zentrum seiner Malerei, der Aquarelle und der Farbgraphik ist die Handschriftlichkeit des Künstlers, dessen Themen die klassischen der Bildkunst sind: Landschaft und Blumen, Mensch und Figur. Fußmann ist Maler und dies in einem ganz altertümlichen und zugleich in einem ganz zeitgemäßen Sinne. Er schafft Bilder, denen man sich ohne jeden „Überbau“ – kunsthistorisch, maltechnisch, ideologisch – zuwenden kann. Bilder, die nicht erklärt werden wollen, sondern gesehen. Das praktiziert Klaus Fußmann schon lange. Auch wenn viele seiner Bilder wenig erzählen. Sie sind einfach nur da. Als Seh-Erlebnis. Neben Freunden oder Verwandten beschäftigen Fußmann auch literarische Figuren wie Märchengestalten oder Helden antiker Sagen. Für die durch Fiktion gesteigerte Verrätselung wählt Fußmann bestimmte Landschaften als zeitlose Folie. Seit den achtziger Jahren blendet der Maler auch sein Selbstbildnis in die Landschaft ein. Er erscheint auf großen Spiegeln im Freien. Damit gelangt ein Atelierrequisit in den Außenraum. Es entstehen Bilder in Bildern, der rückwärtige gespiegelte Landschaftsraum wird in der Zusammenschau eingefangen, der Blick auf den Horizont verstellt. Die Spiegel sind zumeist bildparallel eingesetzt. Die Erforschung des Selbst wiederholt das strenge Anschauen des Gegenübers in Auseinandersetzung mit den Menschen seiner Umgebung.

Professur an der HdK in Berlin

Klaus Fußmann wurde 1938 in Velbert/Rheinland geboren. 1957 bis 1961 studierte er an der Folkwang-Schule in Essen und setzte sein Studium von 1962 bis 1966 an der Hochschule der Künste in Berlin fort. Von 1974 bis 2005 lehrte er als Professor an der Hochschule der Künste (HdK) in Berlin. Fußmann, der in Berlin und Gelting lebt und arbeitet, erhielt mehrere Kunstpreise, so 1972 den Preis der Böttcherstraße, Bremen, im gleichen Jahr den Preis der Villa Romana, Florenz und 1979 den Kunstpreis der Stadt Darmstadt. Sein umfangreiches malerisches, zeichnerisches und druckgraphisches Werk ist in zahllosen Werkverzeichnissen und Buchpublikationen dokumentiert. Die Leihgaben für die Präsentation im Museum Barberini kommen aus verschiedenen Privatsammlungen. Große Einzelausstellungen Klaus Fußmanns fanden bislang u.a. in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, in der Kunsthalle Emden, in der Kunsthalle 13 Bremen, im Museum am Ostwall in Dortmund und zuletzt im Osthaus -Museum Hagen statt.

 

Bus:

Klaus Fußmann, G.F. und D.S. als Gärtner, Gelting, 1988, Öl auf Leinwand, 184 x 168 cm, Privatsammlung, Copyright: Klaus Fußmann

Klaus Fußmann, Portrait G. F. in Gelting, 16.4.1981, Öl auf Leinwand, 170 x 160 cm, Privatsammlung, Copyright: Klaus Fußmann

Klaus Fußmann im Museum Barberini. Foto: Helge Mundt,
© Museum Barberini