Kaiserring und Ausstellung im Mönchehaus Goslar für Barbara Kruger

Goslar. Barbara Kruger ist die neue Preisträgerin des Kaiserrings. Sie tritt die Nachfolge von Wolfgang Tillmanns an. Das Mönchehaus Kunstmuseum in Goslar ehrt Kruger nun mit einer Ausstellung, die bis zum 26. Januar gezeigt wird. Übrigens: Erster Preisträger dieses bedeutendsten Kunstpreises in Deutschland war 1975 Henry Moore.

Amerikanische Konzeptkünstlerin

„Ich will, dass meine Arbeiten einen visuellen Beitrag zu den Diskussionen liefern, die bestimmen, wie wir leben“, sagt Barbara Kruger. Seit über 40 Jahren untersucht die amerikanische Konzeptkünstlerin in großformatigen Bildern, Installationen, Videos sowie mit Werken im öffentlichen Raum die komplexen Zusammenhänge zwischen Macht und Gesellschaft. Ihre Werke verstehen sich als kritische Interventionen, mit denen sie die Abgründe des kapitalistischen Systems und die trügerischen Verlockungen des Konsums aufdeckt. Sie gehört zur ersten Generation feministischer Künstlerinnen, die in den 1980er Jahren weltweit Beachtung fanden, und sie genießt bis heute große internationale Anerkennung. „Die formale Prägnanz und inhaltliche Stringenz ihrer Arbeiten ließ sie zum „role model“ für eine jüngere Künstlergeneration werden. Barbara Kruger hat den künstlerischen Diskursen um Feminismus, Politik und neue Medien wegweisende Impulse gegeben“, so das Jury-Urteil.

Unverwechselbare Bildsprache

Ende der 1970er Jahre entwickelt die 1945 in Newark, New Jersey, geborene Künstlerin mit ersten Text-Bildcollagen in ihrem New Yorker Studio ihre unverwechselbare Bildsprache. Im Copy-and-Paste-Verfahren entnimmt Kruger Fotografien aus verschiedenen Medien, die sie beschneidet, vergrößert und mit prägnanten Aussagen, Anrufungen, Bitten oder provokanten Fragen kombiniert. Unausweichlich wird der Betrachter in ihrem Werk mit Stereotypen und Klischees von Macht, Konsum, Sexualität und Ideologie konfrontiert. Subversiv nutzt Barbara Kruger die bildnerischen und psychologischen Strategien der Werbung, deren Gestaltungsmittel und verführerische Wortwahl sie übernimmt, um sie zu unterwandern und zu entlarven. Die provokante und zuweilen aggressive Wirkung der Kunst von Barbara Kruger beruht nicht zuletzt auf ihrer Verwendung der Signalfarben Rot, Schwarz und Weiß, ebenso wie auf den zu ihrem Markenzeichen gewordenen Schriftarten Futura Bold und Helvetica Ultra Condensed. Die eigentliche Schlagkraft ihres Werks basiert im Unterschied zur Werbung jedoch auf der prinzipiellen Offenheit ihrer Slogans, aus der sich für den Betrachter vielfältige Interpretations- und Assoziationsebenen ergeben.

Autorin kritischer Essays

Seit der Übersiedlung nach Los Angeles in den 1990er Jahren verzichtet Barbara Kruger mehr und mehr auf Text-Bild-Collagen zugunsten raumfüllender Installationen mit typografischen Blöcken an Wänden, Decken und Fußböden in Museen, Galerien und anderen städtischen Gebäuden. Um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen, verlässt Kruger häufig den Kunstkontext und arbeitet zunehmend im öffentlichen Raum, wo sie Reklametafeln, Plakatwände, Plätze, U-Bahn-Höfe oder öffentliche Verkehrsmittel als Bildträger nutzt. Schon früh hat sie zudem Buchtitel, Poster, Zeitungsinserate oder T-Shirts entworfen, wobei sie auf Erfahrungen als Grafikdesignerin vor Beginn ihrer künstlerischen Karriere zurückgreifen konnte. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit beweist sie als Autorin kritischer Essays, als Kuratorin von Ausstellungen, Herausgeberin von Aufsatzsammlungen und als Hochschullehrerin hohes gesellschaftliches Engagement. pk

 

BUS:

Bild 1: Barbara Kruger „Who owns what?“,
1991/2012 Digital print on vinyl 292,1 x 279,4 cm
© Barbara Kruger, courtesy Tate Modern and Sprüth Magers

Bild 2: Barbara Kruger „You are a very special person“,
1995 Collage 13,6 x 19,1 cm 31 x 35 cm
© Barbara Kruger, courtesy Sprüth Magers

Bild 3: Barbara Kruger „FOREVER“, 2017 Print on vinyl wallpaper
Dimensions variable Installation view ‘Forever’ Sprüth Magers, Berlin, 2017
© Barbara Kruger, courtesy Sprüth Magers Photo: Timo Ohler