Joana Vasconcelos und Moebius: Ausstellungen 2019 im Max Ernst Museum

Von Peter Köster

Brühl. Das Max Ernst Museum Brühl des LVR präsentiert 2019 zwei große Sonderausstellungen. Die erste widmet sich der zeitgenössischen portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos ( ab dem 7. April), die zweite zeigt das visionäre Werk des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud alias Moebius ab dem 15. September.

Traditionelle Handarbeitstechniken

Den Auftakt macht die international bekannte, portugiesische Künstlerin Joana Vasconcelos (*1971). Vasconcelos verwendet in ihren monumentalen Arbeiten auf überraschende Weise Alltagsgegenstände und verbindet sie zu einer Art „Objet trouvé“ neuer Generation. In der Schau werden Objekte und Installationen aus den letzten 20 Jahren präsentiert, die einen umfassenden Einblick in die ungewöhnliche Arbeitsweise von Joana Vasconcelos vermitteln. Die in Lissabon lebende und arbeitende Künstlerin bedient sich traditioneller Handarbeitstechniken wie Häkeln oder Nähen und überführt sie in die Kunst, indem sie Einrichtungsgegenstände oder Keramiktiere mit farbigen Garnnetzen ummantelt. Aus Stoff formt sie auch ihre voluminösen Skulpturen wie zuletzt im Guggenheim-Museum Bilbao zu sehen.

Tonnenschwere Maske aus 231 Spiegeln

Das Guggenheim feierte sie mit einer Einzelausstellung, in der unter anderem eine tonnenschwere Maske aus 231 Spiegeln zu sehen war. Das Museum zeigte insgesamt 35 Werke, darunter auch die bekanntesten Stücke aus ihrer 20-jährigen Karriere: „Marilyn“, zwei riesige aus Edelstahl-Töpfen und Deckeln zusammengesetzte Stöckelschuhe, oder ihre „Burka“-Installation, bei der eine Ganzkörperbedeckung an einer Seilwinde in die Höhe gezogen wird und wie ein Fallbeil plötzlich zu Boden stürzt. In den vergangenen Jahren hat die 46-jährige portugiesische Künstlerin mit ihren überdimensionalen Werken eine Reihe von europäischen Kunststätten besetzt: in Versailles, im dänischen Aarhus oder in Lissabon. Unter den 14 eigens für die Guggenheim-Ausstellung entworfenen Werken stach eine drei mal sechs Meter große venezianische Maske hervor, bestickt mit 231 Spiegeln: „I’m your mirror“, entlehnt an einen Velvet-Underground-Song.

Erforschung von Sphären der Träume

Im Herbst zeigt das Brühler Haus eine Ausstellung mit visionären Bildwelten des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen ‚Moebius‘ international bekannt geworden ist. Moebius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction und setzte surrealistische Techniken wie das ‚automatische Zeichnen‘ ein, um Welten im ständigen Fluss zu schaffen. Utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen treffen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.

Zeichnungen inspirierten „Avatar“

Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen zeichnerischen Werk von Moebius und seinen komplexen Bildgeschichten: Ausgehend von seinen Notizbüchern („Carnets“), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, über kolorierte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, Skizzen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet. Unter seinem Geburtsnamen Giraud hatte der in einem Pariser Vorort geborene Zeichner in Zusammenarbeit mit dem Texter Jean-Michel Charlier die epochale, stark von Nouvelle Vague und Spaghetti-Western beeinflusste Westernserie um den renitenten Draufgänger „Mike Blueberry“ geschaffen. In den siebziger Jahren begann er seine zeichnerischen Reisen in zukünftige und fremdartige wie in innere Welten, in den Traum und das Unbewusste. Nebenbei hat er auch die Zukunftsvisionen im Kino nachhaltig geprägt. Er entwarf Dekors und Bauten für Science-Fiction Filme wie „Tron“, „Alien“ oder „Das fünfte Element“. George Lukas „Star Wars“-Filme waren ebenso von Moebius‘ Zeichnungen inspiriert wie Ridley Scotts „Blade Runner“ und Jahrzehnte später James Camerons „Avatar“.

Noch bis zum 24. Februar läuft die Ausstellung „Ruth Marten – Dream Lover“. Die Schau vermittelt als erste europäische Retrospektive einen umfassenden Einblick in das Werk der New Yorker Künstlerin Ruth Marten, die durch ihre überraschenden, witzigen und subversiven Überarbeitungen alter Drucke bekannt geworden ist. Das Max Ernst Museum zeigt Arbeiten aus nahezu fünf Jahrzehnten. Ruth Marten arbeitete in den 1970er Jahren als Tattoo-Künstlerin und war in den folgenden Jahren als Illustratorin für verschiedene Verlage und amerikanische Zeitschriften tätig. Nach einer umfangreichen Serie, die ihre Faszination für Haare als Motiv und Textur belegt, begann sie 2006 Postkarten, Stiche und Illustrationen der vergangenen Jahrhunderte zu übermalen oder für Collagen zu nutzen.

 

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Bild-1: Porträt Joana Vasconcelos, Foto: Kenton Thatcher/© Unidade Infinita Projectos

Bild-2: Joana Vasconcelos, Coração Independente Vermelho #3, prova de artista (Rotes unabhängiges Herz Nr. 3, Künstleredition), 2013, durchscheinendes Plastikbesteck. © Unidade Infinita Projectos