„Hommage an Elsa Brändström“

GEDOK Bonn und GEDOK Leipzig erarbeiteten gemeinsames Ausstellungs-Projekt für Bonn, Leipzig und Grimma – Alle künstlerischen Genres vertreten

von Peter Köster

Bonn /Leipzig/Grimma. Was haben Frauenmuseum Bonn, Tapetenwerk Leipzig und die Klosterkirche in Grimma gemeinsam? Diese drei Orte widmen sich einem gemeinsamen Ausstellung-Thema „Elsa Brändström“. Möglich wurde das Projekt durch die Kooperation der GEDOK Bonn und GEDOK Leipzig. Beide erarbeiteten das Konzept für diese Gemeinschaftsausstellung, die von Waltraud Pritz für Bonn und Brigitte Blattmann für Leipzig kuratiert wird. 

„Ikone der Menschlichkeit“

Die Humanistin Elsa Brändström (1888 – 1948) und ihr herausragendes Engagement für Flüchtlinge bildet die Grundlage der Ausstellung. Im kommenden Jahr jähren sich das Geburtsjahr und das Todesjahr dieser „Ikone der Menschlichkeit“, wie die Kuratorinnen sagen. „Mit dem überspannenden Thema schlagen wir eine Brücke zur heutigen Situation von Menschen, die in unserem Land Schutz und Frieden suchen“. Die Arbeiten von 40 Künstlerinnen haben – mit unterschiedlichsten Techniken – ein breitgefächertes Oeuvre zu diesem Thema erarbeitet.

„Gründe, warum eine einst so bekannte und verehrte Akteurin des ersten Weltkrieges so in Vergessenheit geraten ist, gibt es viele. Die Schrecken des 2. Weltkrieges haben die des ersten in den Hintergrund gedrängt und überdeckt. Außerdem gibt es niemanden mehr, der den ersten Weltkrieg selbst erlebt hat und darüber erzählen könnte. Überhaupt, wer denkt schon gerne an die alten Kriege, da wir an den neuen mehr als genug haben“, schreibt Petra Löschke,  Schwedische Honorarkonsulin für  Sachsen/Sachsen-Anhalt, in ihrem Prolog für den Katalog „Hommage an Elsa Brändström“. Die schwedische Humanistin  habe in der Zeit von 1914 bis zu ihrem Tode im Jahre 1948 Großes geleistet.

Kunst und Anliegen – Kunst und Historie

Die bis zum 18. Februar im Frauenmuseum gezeigte Ausstellung – danach folgen das Tapetenwerk Leizig (27. Februar bis 20. März) und die Klosterkirche Grimma (22. März bis 15. April) soll die Erinnerung an Elsa Brändström wachrufen. Entstanden ist eine „Hommage an Elsa Brändström“ in Arbeiten aller künstlerischen Genres: Malerei, Grafik, Foto, Installation, Schmuck.  Thematisch haben sich die Künstlerinnen mit Themen wie Hilfsbereitschaft, Ehrenamt, Flucht, Vertreibung, Kriegssituationen, dem Leben der Elsa Brändström sowie ihrer Rolle als Frau auseinandergesetzt. „Wenn Künstlerinnen historische Stoffe zu ihrem Thema machen, ist es eine  besondere Gratwanderung zwischen Kunst und Anliegen, zwischen Kunst und Historie. Grenzgängerinnen von dieser Art werden jedoch im Museum der Frauen besonders geschätzt,“ erwähnt Marianne Pitzen, Museumsdirektorin des Frauenmuseums Bonn im Vorwort des Katalogs „Hommage an Elsa Brändström.“

1988 in Sankt Petersburg geboren

Zurück zu Elsa Brändström. Sie wurde am 26. März 1888 in Sankt Petersburg geboren, ihr Vater war dort als schwedischer Militärattaché tätig. Sie wuchs frei und gleichberechtigt mit ihren Brüdern auf. Sie hatte glanzvolle Bälle und Opernabende, Schlittenpartien und Bridge-Turniere erlebt. Sie durfte rodeln, klettern – und sogar „ihre Meinung sagen und beim Essen reden“, wie ihre Schulkameradinnen voller Neid feststellten. Doch die Tanzabende wurden ihr bald langweilig. Elsa beobachtete genau die himmelschreienden Ungerechtigkeiten in der russischen Gesellschaft, die bald darauf, 1917, zur Revolution führen sollten. Im Nikolaihospital von St. Petersburg sah sie deutsche Kriegsgefangene: In Güterwaggons sollten sie nach Sibirien transportiert werden, ohne Mäntel, Mützen und Handschuhe. Für Elsa Brändström eine Zäsur.

Ausbildung zur Schwesternhelferin

Die Diplomatentochter ließ sich zur Schwesternhelferin ausbilden und reiste gegen den Widerstand sämtlicher Verwandter und Freunde – die eine unglückliche Liebe zu einem Gefangenen vermuteten – 1915 nach Sibirien in die russischen Gefangenenlager. In ihrem Buch „Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien“ beschreibt sie die Zustände in den russischen Gefangenenlagern. In Russland gab es im Ersten Weltkrieg wohl keine schlimmeren Gefangenenlager als die westsibirischen „Erdbaracken“, tief in den feuchten Lehm gegrabene Höhlen wie Gräber, dunkel und stickig. „Kranke und Gesunde lagen so dicht durcheinander, dass man in den Gängen über die Körper steigen musste“, berichtete entsetzt die schwedische Rotkreuzschwester Elsa Brändström: „Von den Eiszapfen an der Decke tropfte das Wasser, so dass die Pritschen immer nass waren. Das Essen wurde neben die Kranken gestellt. Wer noch Kraft hatte, aß. Die anderen hungerten.“ In den fünf Jahren, die sie dort verbrachte, gelang es ihr, die fürchterlichen Zustände zu verbessern. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen brachte sie das Rote Kreuz dazu, in Deutschland, Österreich und Schweden warme Wäsche, Decken und Geld für die Gefangenen zu sammeln. Bald konnten kleine Speziallazarette eingerichtet werden. Entlang der Transsibirischen Bahnstrecke entstand eine lange Kette von Stützpunkten mit gut ausgebildeten Helfern.

1929 heiratete sie den Dresdner Pädagogik-Professor Robert Ulich. Sie kümmerte sich um deutsche Kriegsheimkehrer, richtete im sächsischen Mittweida ein Waisenheim für Kinder von gestorbenen Gefangenen ein. Mit ihrem Mann siedelte sie 1933 in die USA über, half dort Flüchtlingen, besorgte Bürgschaften, Wohnungen und Jobs. Mehrfach wurde Brändström für den Friedensnobelpreis nominiert. Am 4. März 1948 ist die schwedische Humanistin und Philantropin Elsa Brändström in Cambridge an Krebs gestorben, sie wurde 59 Jahre alt.

 

Bild 1

Installation von Ute Hartwig-Schulz. „Interkultureller Keramikkurs Prösitz“ 200 x 300 x 600 cm.
Foto: Peter Köster

Bild 2

„Liebesgaben“ Installation von Christine Theile. Pappkarton, Kraftpapier.
Foto: Peter Köster

Bild 3

„Saints and Soldiers“ von Monika Kropshofer. Installation 375 x 240 cm.
Foto: Peter Köster

Bild 4

Installation von Veronika Rappaport. „Elsa Brändström: verloren-gerettet.“
Teil 1: Öl auf Folie, Krankenhausparavent 96 x 175 cm.
Teil 2: Puppe, Stahlhelm auf Feldbahre.
Foto: Peter Köster