Museum Morsbroich zeigt Holzschnitte von Bernd Zimmer

Von Peter Köster

Leverkusen. Bernd Zimmer (*1948 in Planegg bei München) ist ein prominenter Vertreter der sogenannten „Heftigen Malerei“, die in den späten siebziger Jahren von Berlin aus die internationale Kunstszene eroberte. Dort gründete er als junger Mann mit Gleichgesinnten eine Künstlergruppe: 1977 tat er sich mit Rainer Fetting, Helmut Middendorf, Salomé und anderen zusammen, sie nannten sich die „Neuen Wilden“ und eröffneten ihren eigenen Ausstellungsraum, die „Selbsthilfe-Galerie am Moritzplatz“. Ihre Malerei war temperamentvoll, farbig, expressiv und gegenständlich – in einer Zeit, in der die Abstraktion das Maß aller Dinge und gegenständliche Malerei verpönt war. Die Vorbilder der „Neuen Wilden“ waren die Künstler der Brücke. Sie wollten sich von der intellektuellen Malerei befreien. Zimmer setzt diesen Weg bis heute unbeirrt fort, wie die aktuelle Ausstellung „Bernd Zimmer Reflex“ im Museum Morsbroich zeigt, die bis zum 28. Februar präsentiert wird.

Parallel zu den Bildern auf Leinwand arbeitet der Künstler seit 1985 in der Technik des Holzschnitts und scheint dabei alles auszuloten, was dieses druckgrafische Verfahren zu leisten vermag. So kommt er im Holzschnitt, selbst bei ähnlichen Motiven und verwandter Farbigkeit, oft zu gänzlich neuen Resultaten auf der Leinwand. Er achtet die Drucktechnik dabei keineswegs gering, sondern räumt ihr in seinem Gesamtwerk den gleichen Stellenwert ein wie der Malerei. Angeregt durch unterschiedlichste Landschaften, die er auf seinen Reisen kennenlernte, bestimmen in den letzten Jahren vor allem Bäume, Wald- und Seelandschaften, Spiegelungsphänomene und Wasseroberflächen seine Malerei wie auch seine Holzschnitte.

„Stolzer Autodidakt“

Nach einer Reise nach Mexiko und den Süden der USA begann Bernd Zimmer, der sich selbst als „stolzer Autodidakt“ bezeichnet, 1975/76 mit dem Malen. Seither widmet er sich in seiner Malerei und seit 1985 auch im Holzschnitt der Landschaft. Inspirationen holt sich der Künstler auf zahlreichen Reisen, die ihn um die halbe Welt führen. Zimmer hat diese Eindrücke in vielen seiner Werke festgehalten und schuf so in der vergangenen Jahrzehnten ein umfangreiches Werk. Entstanden sind seither allein 2600 Gemälde und etwa 900 Holzschnitte. Seine abstrakten Landschaften entstehen nicht durch direktes Arbeiten in der Natur, sondern entwickeln sich im Atelier durch Erinnern und Reflektieren des Erlebten und Gesehenen. Der Titel dieser Ausstellung liegt daher auch in der Methode der Bildfindung durch Reflexion begründet. „Reflex kann auf eine Spiegelung oder eine Reaktion verweisen, aber insbesondere auch auf die gedankliche Reflexion und künstlerische Verarbeitung des Gesehenen“, sagt Fritz Emsländer, Kurator und stellvertretender Direktor des Museums Morsbroich.

Virtuoser Schnitt ins Holz

Seine Landschaften entwickelt Zimmer im Atelier, aus der Erinnerung und in der Auseinandersetzung mit dem widerständigen Material. Virtuos schneidet er mit seinem „Lieblingsinstrument“, der Motorsäge in das Holz, bevor er es in expressiver Farbigkeit für den Druckprozess färbt. Die Ausstellung mit insgesamt 70 Werken, wovon die Hälfte aus der museumseigenen Sammlung stammt, zeigt einen Überblick über Zimmers umfangreiches Holzschnitt-Werk von 1985 bis heute. Das Jahr 1985 war für Zimmer eine Art Zäsur. Seit zehn Jahren malte er Bilder, schuf Gouachen und Zeichnungen. Er hatte Linolschnitt und Lithographie ausprobiert und dann entdeckte er den Holzschnitt, eine Technik, die seiner Art der Malerei am nächsten kam. Bernd Zimmer schätzte die Holzschnitte von Munch, kannte die von Penk und Baselitz. Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet Bernd Zimmer mit dem Holzschnitt. In ihm hat er seine ganz persönliche Ausdrucksform gefunden. „Beim Holzsschnitt liegt alles in meiner Hand- vom Schneiden bis zum Drucken“. Seine neuesten Arbeiten die er in Morsbroich zeigt, tragen poetische und teils auch mehrdeutige Titel.

Auf den Spuren Fontanes

Seit 2007 unterhält Bernd Zimmer ein Teilzeitatelier in Brandenburg. Zu Fuß – wie einst Fontane – erkundet er die Uckermark und findet dort an Seen und in ausgedehnten Wäldern ein zentrales Motiv: „die Spiegelung der festen Natur in der flüssigen“. In mehreren Serien formuliert Bernd Zimmer die „Erzählung von der immer wieder faszinierenden Selbstdarstellung der irdischen Natur in ihrem ureigenen Medium, dem Wasser, … das älteste Medium der Reproduktion überhaupt“, bekennt der Künstler in einem Gespräch mit dem Kunsthistoriker Walter Grasskamp. Die intensive Auseinandersetzung mit dem flüssigen Medium des Wassers hat Zimmers experimentellen Umgang mit dem Holzschnitt noch weiter forciert: Neuerdings kombiniert er Holzschnitt und Lithografie. So entstehen im „Reflex“ ganz eigene Blätter, welche die Grafik in die Nähe der Malerei bringen. „Bei der Suche in der Natur finde ich Formen, die Form der Natur, die ich meinen Bildern geben will. Während der Arbeit am Bild verändert sich diese Form, wird zur eigenen Natur, wird zum eigenständigen Bild. Zur erfundenen Natur.“

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Bild 1: Vierteilige Arbeit „Genesis“, 2006. Foto: Peter Köster
Bild 2: Raumgreifender Zyklus „Wassermusik“. Foto: Peter Köster

 

 

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