Henrys Moores Œuvre als Schau der Superlative

Arp Museum und Henry Moore Foundation zeigen den weltweit bedeutendsten Vertreter der klassischen Moderne in der Bildhauerei – Auf Spurensuche im englischen Perry Green  

Von Peter Köster

London/Remagen. Es ist eines der ambitioniertesten Projekte, die das Arp Museum bis dato zu stemmen hatte. Noch bis zum 7. Januar zeigt das Remagener Haus anlässlich seines zehnjährigen Bestehens den britischen Bildhauer Henry Moore (1898 -1986). Er ist einer der weltweit bedeutendsten Vertreter der klassischen Moderne in der Bildhauerei. Moores Markenzeichen sind seine Monumentalwerke, von denen einige im Außenraum und andere in der lichten Architektur des Meier-Baus zu bestaunen sind.       

„Henry Moore – Vision. Creation. Obsession“ ist die Moore-Ausstellung überschrieben, die in Kooperation mit der Henry Moore Foundation entstand. Anlässlich einer Pressereise, zu der das Arp Museum eingeladen hatte, hatte der Autor dieses Beitrages Gelegenheit, im Vorfeld der Eröffnung den Sitz der Moore Foundation „Henry Moore Studios & Gardens“ und das Wohnhaus Henry Moores Dorf Perry Green in der Grafschaft Hertfordshire nordöstlich von London kennenzulernen. In dieser grünen Idylle in Perry Green schuf Moore solch Monumental-Werke, wie „Large Reclining Figure“, die als Fiberglas-Skulptur in Remagen gezeigt wird. Das bronzene Pendant dort ist umgeben von Schafen, die unbeeindruckt um die Skulptur herum grasen. Moore selbst verehrte Schafe als „very sculptural creatures“, freute sich, wenn sie ihm durchs Fenster beim Arbeiten in seinem Studio zusahen. Der berühmte Künstler hat unzählige Schafe gezeichnet.

Eine andere Skulptur von 1971-72 heißt „Sheep Piece“ und ist verwandt mit den „Large Two Forms“, auf Deutsch übersetzt: „Zwei große Formen“, die der international renommierte Brite 1979 zusammen mit Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem ehemaligen Bonner Bundeskanzleramt enthüllte.  Die Ausstellung widmet sich auch der Entstehungsgeschichte dieses Werkes. Durch die politische Berichterstattung war es über viele Jahrzehnte die wohl am häufigsten im Fernsehen gezeigte Skulptur Deutschlands. Dieses Zusammenspiel von Kunst und Natur vermittelt auch das Arp Museum bei der Moore-Ausstellung. Auf der Rheinhöhe ist die Plastik „The Piece Sculpture Vertebrae“ inmitten einer kleinen Schafherde zu bestaunen. Die vierbeinigen „Wolllieferanten“ dürfen dort extra während des Ausstellungszeitraumes grasen.  

Henry Moore (1898-1986) war einer der meistbeachteten und einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Bekannt für seine monumentalen Bronze- und Steinskulpturen. Niemand sonst hat die Bildhauerei der Nachkriegszeit so sehr geprägt, so radikal neu entwickelt und dabei so viele europäische Künstler inspiriert. Bei dem bildhauerischen Œuvre, das das Arp Museum zeigt, handelt  es sich um die wohl größte Moore-Schau der letzten Jahre. Dazu gehören einige bisher noch in Deutschland gezeigte Werke.

 

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Bild Moore 1

Schafe grasen friedlich an der Bronzearbeit „Sleep Piece“ (1971-72).
Foto: Peter Köster

Bild Moore 2
„Large Reclining Figure“ heißt diese Bronze-Arbeit von 1984.
Foto: Peter Köster

Parkidylle mit Skulptur „Double Oval“ im Henry Moore Dorf Green in der Grafschaft Hertfordshire nordöstlich von London.
Foto: Peter Köster

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Auf drei Ausstellungsetagen sowie im Außenraum des Museums dokumentiert das Arp Museum in Kooperation mit der Henry Moore Foundation das facettenreiche und prägende Schaffen des britischen Ausnahmekünstlers. Am Rhein beginnend zieht sich die Präsentation bis zu neun Meter breiter und bis zu drei Meter hoher Großplastiken über den Museumsvorplatz durch den Gebäudekomplex bis hoch in den Neubau auf der Rheinhöhe. Im Zentrum stehen dabei die monumentalen Außenskulpturen Moores, die erstmals auch im Innenraum präsentiert werden. In zwei ergänzenden Präsentationen wird der Blick auf Moores Werk noch erweitert. So beleuchtet ein Dialog mit Werken Hans Arps Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden abstrakten bildhauerischen Positionen, die Maßstäbe setzten für die weitere Entwicklung der modernen Plastik. In einmaliger Weise vereint die Ausstellung das, was Henry Moore zu einem der bekanntesten Bildhauer unserer Zeit werden ließ.