„Helmuth Macke. Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“

Ausstellung im Museum Macke Haus wirft neuen Blick auf den Künstler

Von Peter Köster

Bonn. Zum 80. Todestag und 125. Geburtstag von Helmuth Macke (1891 -1936) wirft die Ausstellung „Helmuth Macke. Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“, zu sehen vom 18. März bis 17. Juni im Museum August Macke Haus, einen neuen Blick auf dessen Bedeutung im Kreis der künstlerischen Avantgarde. Gezeigt werden rund 120 Arbeiten. Neben Leihgaben anderer Häuser und privater Leihgeber, befinden sich auch Werke aus der eigenen Sammlung darunter Arbeiten der 1999 gezeigten Schau: „Tektonik der Farbe“, in der Ausstellung.
Bevor wir nun näher auf die Präsentation eingehen, noch ein kurzer Rückblick auf die Eröffnungsausstellung des neuen Hauses: „August Macke und Freunde – Begegnung in Bildwelten“, die bis Anfang März lief und über die sich die Chefin des Hauses, Klara Drenker-Nagels, sehr zufrieden zeigt. „In den ersten drei Monaten haben rund 16.000 Besucher die Schau „August Macke und Freunde – Begegnung in Bildwelten“ gesehen.“ Mit der Einweihung der neuen Ausstellungsräume wurde auch zugleich an den 130. Geburtstag von August Macke erinnert, der als bedeutender Expressionist innerhalb der Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg eine herausragende Stellung einnahm.

Moderner als sein berühmter Vetter

Einen ähnlichen guten Besucherzuspruch erhofft sich die Direktorin des Museum August Macke Haus, nun auch von Helmuth Macke. „Wir bleiben in der Familie und beschäftigen uns nun mit Helmuth Macke, dem Vetter von August Macke.“ Namentlich steht Helmut Macke im Schatten seines berühmten Cousins. Der Vergleich mit August machte ihm zu schaffen. Sein Künstlerleben war wie eine Achterbahn: rauf und runter, oben und unten. Hochs und Tiefs. „Er signierte stellenweise nur mit Helmuth und ließ Macke weg,“ so die Kuratorin Ina Evers-Schultz. Dennoch und dies zeigen einige der Werke, war der vielversprechende Künstler Helmut Macke in jungen Jahren sogar stellenweise moderner, als sein berühmter Vetter.

Karl Schmidt-Rottluff als Trauzeuge

Die Bonner Schau, letzter Teil der Ausstellungstournee, die 2016 in Konstanz begann und über Ahlen, Penzberg und Erfurt führte ,zeigt Helmuth Macke erstmals im Kontext seiner expressionistischen Künstlerfreunde und verortet ihn als Teil der damaligen Avantgardeszene. Von seinen Künstlerfreunden wurde Helmuth Macke hochgeschätzt. Seine Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen im Kontext mit seinen kunsthandwerklichen Arbeiten eröffnen die Sicht auf ein ebenso faszinierendes wie vielfältiges Werk, darunter bisher noch nie gezeigte Arbeiten Bislang unveröffentlichte Zeitdokumente und insbesondere ein für Bonn ausgeliehenes Schlafzimmerinterieur, das Helmuth Macke für den Sammler Klaus Gröppel gestaltet hat, runden den Einblick in das Œuvre Helmuth Mackes ab.

„Sie gehörten alle zueinander“

In seiner Heimatstadt Krefeld war er durch seinen Lehrer Johan Thorn Prikker und das fortschrittliche Ausstellungsprogramm des Krefelder Museums früh mit den modernen Kunstströmungen vertraut. Seinen Kommilitonen Heinrich Campendonk und Wilhelm Wieger blieb er zeitlebens verbunden, ebenso dem väterlichen Freund Heinrich Nauen. Durch Johann Thorn-Prikker und das Umfeld der Krefelder Kunstgewerbeschule kam er früh um 1907 mit aktuellen französischen Kunstströmungen in Berührung. Längere Aufenthalte in Bayern und in Berlin führten zu einem intensiven Austausch mit den Künstlern der „Neuen Künstler-Vereinigung München“ und der Künstlergruppe „Die Brücke“. Insbesondere mit Franz Marc und Erich Heckel war er eng befreundet. Karl Schmidt-Rottluff, einer der letzten Vertreter der „Brücke“ wurde später sein Trauzeuge.

In intensivem Austausch war er mit seinem Vetter August Macke und befreundete sich während des einjährigen Aufenthalts in München und Umgebung mit Franz und Maria Marc sowie den Akteuren der Münchener Kunstszene im Umkreis der Neuen Künstlervereinigung und des Blauen Reiters. „Sie gehörten alle zueinander: Franz, August und Helmuth, und wenn man an den einen denkt, denkt man an sie Alle, an ihre Freundschaft und Gemeinschaft, an ihre Wünsche und Ziele“, so formuliert Elisabeth Erdmann-Macke, die Witwe August Mackes, ihre Erinnerung an eine aufregende Zeit.

Letzte Werke entstanden am Bodensee

Helmuth Macke hat ein eigenständiges, ausdrucksstarkes Werk geschaffen, expressives Landschaften, Porträts und Stillleben gemalt. Und doch ist er, der jüngste in diesem Kreis, beinahe in Vergessenheit geraten, trotz seines Rom-Preises. (neunmonatiges Stipendium in der Deutschen Akademie, der Massimo in Rom.) Die Ausstellung wirft einen neuen Blick auf den Künstler, beleuchtet seine Persönlichkeit und seinen Werdegang im künstlerischen Dialog, unter anderem mit Heinrich Campendonk, Wilhelm Wieger, Heinrich und Marie Nauen, August Macke, Franz und Maria Marc, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Erich Heckel, Max Pechstein und Hans Thuar. Vom frühen Werk, in dem sich auf faszinierend experimentelle Weise die expressionistische Phase ankündigt, geht der Blick auf die 1920er Jahre mit einer reifen, sich später zum Lyrischen wendenden Werkgruppe von Gemälden und Aquarellen. Abgerundet wird die Präsentation durch die auf Reisen entstandenen Bilder sowie die Werke der letzten Jahre aus Hemmenhofen am Bodensee, wo sich in den 1930er Jahren eine Kunstszene des inneren Exils entwickelte und wo das Leben des Künstlers abrupt endete. Helmuth Macke ertrank 1936 auf tragische Weise bei einem Bootsausflug.

 

BUS:

Helmuth Macke. Limburger Dom, 1920. Kunstmuseum Bonn.
Foto: Georg Divossen

Helmuth Macke, Heuhocken in Sindelsdorf, um 1910,
Foto Georg Divossen

Helmuth Macke um 1920.
Foto: Peter Köster