KSI und Stadtmuseum Siegburg zeigen „Heinz Mack – Das Grafische Werk“

Von Peter Köster

Siegburg. Nach den „Festspielen“ von Markus Lüpertz im Katholisch Sozialen Institut (KSI) Siegburg und Stadtmuseum Siegburg im Frühjahr diesen Jahres folgen nun im kommenden Jahr die „Festwochen“ von Heinz Mack. „Mit Heinz Mack kommt eine Legende ins Haus“, freut sich Renate Goretzki, Referentin für Kunst und Kultur im Katholisch Sozialen Institut (KSI), bereits jetzt auf die Doppelausstellung des über 80-jährigen Weltkünstlers und Mitbegründers der Gruppe ZERO. „Heinz Mack – Das grafische Werk“ ist die Siegburger Gesamtschau überschrieben, die vom 27. Januar bis 17. März gezeigt wird.

In diesem gemeinsamen Kunstprojekt mit den Spielorten KSI und Stadtmuseum werden die grafischen Arbeiten Heinz Macks in einem retrospektiven Querschnitt präsentiert. Mit über 70 Exponaten beleuchtet die Ausstellung unter zwei Titeln das außerordentlich vielseitige grafische Werk des 1931 in Lollar geborenen Künstlers Heinz Mack. Während sich die Präsentation des KSI auf das titelgebende, 2015 entstandene Mappenwerk „12 Stunden“ konzentriert, zeigt das Stadtmuseum unter dem Schlagwort „Kombinationsspiel“ einen Abriss über die grafischen Arbeiten des Künstlers zwischen 1970 und 2018.

Zeichnung als „Sprache seiner Hand“

Heinz Mack (*1931), mehrfacher Documenta-Teilnehmer und Vertreter der BRD auf der Biennale von Venedig, befasst sich in seinem Werk intensiv mit dem Thema Licht und den durch Licht-Vibrationen entstehenden Erscheinungen und fügt sich so fast nahtlos ein in die Lichtarchitektur der beiden Häuser. Das KSI verfügt in ihrer Kunstsammlung unter anderem über Arbeiten von Otto Piene, Günther Uecker und Heinz Mack, also den drei ehemaligen Zero-Aktivisten. „In seiner Malerei begreift Mack Farbe als Licht und Licht als Farbe, was er in seinen Bildern zu erfassen und zu gestalten sucht“, sagt KSI-Kulturreferentin Renate Goretzki. Farbintensität korreliert für ihn auch immer mit Lichtintensität, die sich als Farbraum ausbreitet. Das Immaterielle der Farbe kann die Intensität ebenso bestimmen wie die expressiv aufgetragene Farbe. Es ist das Wesen von Macks chronomatischen Bildern, dass die Farben unmerklich und nuancenreich ineinander übergehen, ohne dabei eine weitere wesentliche Eigenschaft zu verlieren, von Stufe zu Stufe deutlich Farbkontraste zu zeigen. So entstehen Intervalle, Sequenzen, Farbrhythmen und Rapporte – so genannte Schwingungen, die das dynamische Prinzip zwischen den einzelnen Farbstufen umschreiben. Formen haben in Macks chronomatischen Bildern die Bedeutung einer rhythmischen Begrenzung innerhalb derer das Licht als Farbe zur Erscheinung kommt. Das grafische Werk, das von Anbeginn autonom neben den anderen Gattungen steht, ist von großer Vielfalt und Spontaneität geprägt. Mack hat seine Zeichnungen auch als die „Grammatik seiner Kunst“ und „Sprache seiner Hand“ bezeichnet, weil sie den Bewegungen seiner Hand, ihrem Duktus, ihrem Rhythmus und teilweise auch unbewusst seinen Empfindungen folgen.

Kunst im öffentlichen Raum

In den späten 1950er Jahren entsteht ein umfangreiches und vielseitiges OEuvre mit gegenstandslosen Skulpturen aus unterschiedlichsten Materialien, Lichtstelen, -Kuben und Rotoren, aber auch Malerei, Zeichnungen, Tuschen, Pastelle, Druckgrafik und Fotografie sowie Kunst im öffentlichen Raum, Mosaike und Bühnenbilder. In der Ausstellung gezeigt wird auch der „12 Stunden Zyklus“ mit Referenz zu Goethes „West-Östlichem Divan“, einer Gedichtsammlung, die durch den persischen Dichter und Mystiker Hafi inspiriert wurde. Viel ist über die Anverwandlungen zwischen dem OEuvre von Heinz Mack und der islamischen respektive orientalischen Kunst geschrieben worden. Anverwandlungen deshalb, weil auch der Künstler selber einmal anmerkte, „dass die Hälfte meiner Werke rein zufällig eine Wahlverwandschaft mit islamischer Kunst zeigt, eine Ähnlichkeit, welche ich zur Zeit ihrer Entstehung überhaupt nicht intendiert hatte und die mir erst viel später bewusst wurde.“ Es ist bekannt, dass sich Mack späterhin auch theoretisch und durch Anschauung mit der Kunst des Orients auseinandergesetzt hat. Anverwandlung ist hier nicht als Verlust eigener Identität zu verstehen, sondern an Zugewinn kultureller Kenntnisse durch Annahme.

Sonderedition des Künstlers

Die zwölf Blätter wurden im Siedruckverfahren erschaffen, zum Teil mit 33 Sieben pro Blatt, so dass jeder einzelnen Farbe eine eigene Prominenz gegeben wird. Entstanden ist ein Farbenspiel kombiniert mit zeichnerischen Strukturen und Formen, das die Poesie des Lichts erschließt. Gezeigt werden ferner die „Sahara Stationen“ und das Mappenwerk „Das Hohe Lied Salomo“, „Kombinationsspiel“ und „Juan de la Cruz“ sowie der größte Siebdruck des Künstlers, der im Jahr 2018 im Format 140 x 180 cm mit 120 Sieben entstand. Zu der Ausstellung, die mit Unterstützung der Galerie „Breckner“, Düsseldorf, entsteht, erscheint der 4. Band des Werkverzeichnisses zum grafischen Werk von Heinz Mack. Das Stadtmuseum Siegburg bietet während der Ausstellung eine Sonderedition des Künstlers an.

Zu dieser mit Spannung erwarteten Ausstellung dürfte auch das Rahmenprogramm passen. Den Auftakt am Sonntag, 27. Januar um 14 Uhr im Europa-Forum des KSI liefert ein Künstlergespräch, das Domkapitular Pfr. Dominik Meiering mit Heinz Mack führt. Das Thema lautet: „Kunst und Kirche“. Daran anschließend konzertieren Migena Gjata, Sopran, Lothar Welzel, Flügel. Ortswechsel: Um 16.30 Uhr folgt der zweite Teil der Schau im Forum des Stadtmuseums Siegburg mit der Werkeinführung durch den Kunsthistoriker Dieter Ronte, Bonn. Die Eröffnungsfeier schließt mit einem Jazzkonzert, gegeben von den Jazz-Urgesteinen Klaus Doldingers Passport.

 

BU:

Präsentieren das Ausstellungsplakat: Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn, KSI-Kultureferentin Renate Goretzki, Stadtmuseumsdirektorin Gundula Caspary und KSI-Chef Ralph Bergold (v.l.) Foto: Peter Köster