„Hans Josephsohn. Existenzielle Plastik“

Essen. Ab dem 30. März präsentiert das Museum Folkwang die erste umfassende Hans Josephsohn-Retrospektive mit rund 120 Werken in Deutschland. Josephsohn, einer der wichtigsten Schweizer Bildhauer der europäischen Moderne, setzte sich zeitlebens fast ausschließlich mit der menschlichen Figur und seiner plastischen Gestaltung auseinander. In der Skulpturengalerie hat das Kuratorenteam Hans-Jürgen Lechtreck und Sonja Pizonka nun mit der Plastik „Ohne Titel (Verena)“ einen eindrucksvollen Vorboten der großen Sonderausstellung installiert.

Bei der überlebensgroßen Halbfigur aus Messing handelt es sich um ein Porträt von Josephsohns Ehefrau Verena. Nach ihrem Vorbild hatte der Künstler seit den 1970ern zahlreiche Werke geschaffen. Die Plastik veranschaulich beispielhaft Josephsohns prozesshafte Arbeitsweise: Die bewegte Oberfläche ist das Resultat eines langwierigen bildnerischen Ausforschens, bei dem Josephsohn die Plastik aus Gips aufbaute und danach Stück für Stück ergänzte. Einige Elemente schlug er wieder ab und korrigierte sie mit weiterem Gips. Eine dauerhafte Form erhielt die Plastik durch den Guss in Messing.

Die Schau „Existenzielle Plastik“ (30. März – 24. Juni) versammelt mehr als 70 zum Teil großformatige Plastiken und Reliefs von Hans Josephsohn (1920 – 2012). Es werden nicht nur Josephsohns frühe Plastiken der 1950er Jahre gezeigt, auch das fulminante Spätwerk seit den 1990er Jahren wird umfänglich präsentiert. Etwa 50 Gipsmodelle und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen veranschaulichen darüber hinaus seine Arbeitsweise. Diese erste Schau in Deutschland füllt eine große Lücke der Ausstellungsgeschichte zur europäischen Plastik der Moderne. pk

 

BU:
„Ohne Titel (Verena)“, 1987 Courtesy Josephsohn Estate, Kesselhaus Josephsohn/Galerie Felix Lehner, Hauser & Wirth Foto: Museum Folkwang, Jens Nober