25 Jahre Gasometer in Oberhausen – „Big Air Package“ von Christo

Oberhausen. Der Gasometer in Oberhausen feiert seinen 25. Geburtstag. Eigentlich wollten Politiker einst den größten Gasspeicher Europas einfach abreißen. Aber sie hatten die Rechnung ohne die Ausstellungsmacher gemacht. Diese organisierten Geld und bauten den damals 65 Jahre alten Gasometer um. Es war natürlich ein Risiko, denn bis dahin hatte niemand Erfahrung mit einer Ausstellung in so einem riesigen Gebäude. Aber wie man heute weiß: Die Pläne gingen grandios auf.

„Der Berg ruft“

Die bislang 16 Ausstellungen lockten annähernd acht Millionen Besucher an. Das Erfolgsrezept: großformatige Fotos und riesige Skulpturen, wie aktuell die Ausstellung „Der Berg ruft“, die bis zum 27. Oktober gezeigt wird. Die Schau zeigt die Vielfalt der Berge und erzählt von der ewigen Faszination, die diese imposanten Welten in kargen Höhen und dünner Luft auf uns Menschen ausüben. Die Ausstellung lässt ihre Besucher teilhaben an den legendären Erstbesteigungen der berühmtesten Gipfel der Erde, sie berichtet von großartigen Triumphen und dramatischen Niederlagen. Und sie erzählt von der jahrtausende alten Ehrerbietung, mit der Menschen den Bergen begegnen, denn sie waren stets auch Orte religiöser Verehrung, der Zuflucht und Besinnung in Abgeschiedenheit, voller Mythen und Geheimnisse, Heimstätten der Götter, Lebensraum der Extreme, ultimative Herausforderung für Abenteurer und Eroberer, Zufluchtsorte der Mystiker und Mönche, Sehnsuchtsorte für Wanderer.

„Feuer und Flamme für das Ruhrgebiet“

Rückblick: Den Startschuss für die späteren Schauen im Gasometer lieferte vor 25 Jahren die Ausstellung „Feuer und Flamme für das Ruhrgebiet“. Diese erste Ausstellung dokumentierte die 200-jährige Geschichte einer Region, wie sie aufregender kaum sein könnte. Der Ort für diese ungewöhnliche Schau war bekannt – und doch so gut wie unentdeckt, ein gigantischer Gasbehälter als Ausstellungshalle war etwas vollkommen Neues. Doch wo konnte man Industriegeschichte besser vermitteln als in einem ihrer markantesten Denkmäler? Das dürfte sich auch Christo gedacht haben, als er 2013 mit „Big Air Package“ die perfekte Inszenierung lieferte. 18 Jahre nach der Verhüllung des Reichstages und 14 Jahre nach der Abschlussinstallation „The Wall“ für die Internationale Bauausstellung Emscher Park präsentierte Christo im Gasometer Oberhausen ein weiteres außergewöhnliches Kunstprojekt. Der weltweit angesehene Künstler zeigte in dem 117 Meter hohen Industriedenkmal sein „Big Air Package“ – die größte bisher geschaffene Innenraumskulptur der Welt.

Ein schwebendes Matterhorn

Höhepunkt der aktuellen Ausstellung „Der Berg ruft“ im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers ist eine monumentale Nachbildung des Matterhorns. Der legendäre Berg wird anhand modernster 3D-Projektionen im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten eindrucksvoll in Szene gesetzt, aber auch die Besteigungsrouten werden beispielweise erkennbar gemacht. Die monumentale Skulptur schwebt seitenverkehrt im riesigen Raum und spiegelt sich im Fußboden der obersten Gasometer-Ebene. Die Besucher haben damit die einmalige Gelegenheit, aus der Vogelperspektive auf den bekanntesten Gipfel der Alpen herabzublicken. In einzigartigen Filmausschnitten und prachtvollen Fotos zeigt die Ausstellung, wie in den gewaltigen Gebirgsmassiven der Erde einzigartige Lebenswelten mit ihrer ihnen eigenen Tier- und Pflanzenwelt entstanden sind. Und sie macht den ewigen Kreislauf des Gesteins nachvollziehbar, das sich in Jahrmillionen auffaltet – und in gleichen Zeiträumen von Erosion zermahlen wird und wieder vergeht. „Der Berg ruft“ ist eine Ausstellung der Gasometer Oberhausen GmbH in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Kuratoren sind Peter Pachnicke und Nils Sparwasser, die im Gasometer Oberhausen bereits mitverantwortlich für die Realisierung der Ausstellung „Wunder der Natur“ (2017) waren. pk

 

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Bild-1: Matterhorn-Skulptur im Gasometer Oberhausen. Montage Thomas W.

Bild-2: Gasometer Oberhausen: Lichtkunst. Foto: Machoczek