Feminismus 3.0

Nackte Brüste, runde Hintern, freche Mäuler?

Bonn. „Feminismus 3.0“ lautet die aktuelle Ausstellung in der Galerie Gisela Clement. Die von Noemi Smolik kuratierte Schau läuft bis zum 21. Dezember. 

Feminismus war jahrelang in der Kunst ein Tabuthema. Die meisten Künstlerinnen haben es noch vor kurzem abgelehnt, mit Feminismus in Verbindung gebracht zu werden. Das scheint sich zu ändern. Immer mehr junge Künstlerinnen und Künstler stellen fest, dass der Traum von Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann – was das ursprüngliche Anliegen des Feminismus war – längst noch nicht verwirklicht ist. Die Ausstellung greift daher den Begriff des Feminismus wieder auf, auch wenn sie sich damit angreifbar macht, denn inzwischen wurde die Gleichberechtigungsdiskussion um Fragen der Gender, Transgender und der sexuellen Orientierung erweitert. Einige sprechen sogar von Postfeminismus. Dabei verbindet alle diese Ansätze eines mit dem ursprünglichen Feminismus: die Weigerung wegen sexueller Zugehörigkeit oder Orientierung eine Diskriminierung hinzunehmen.

Die Ausstellung fragt danach, was sich seit dem Aufkommen des Feminismus in den 60 Jahren des vorigen Jahrhunderts im Selbstverständnis der Künstlerinnen aber auch der Künstler geändert hat? Gezeigt werden acht Künstlerinnen und Künstler, die für drei Generationen stehen. Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Arbeiten von Ulrike Rosenbach. Die Künstlerin und Präsidentin der GEDOK gehört der ersten Generation von Künstlerinnen an, die sich bewusst der Frage nach der Gleichberechtigung der Frau in der Kunst annahm. Sie zeigt die Fotoserien Female Energy Change (1975), Weiblicher Energie Austausch (1975), Aphrodite TV (1975) sowie das Fototableau Pasadena Rose Parade (1973/2015) neben drei ihrer werkszentralen Videos.

Melissa E. Logan und A. L. Steiner repräsentieren die mittlere Generation. Diese Künstlerinnen, die durch ihre Zusammenarbeit mit Chicks on Speed aufgefallen sind, fassen ihre Kunst als ein aktivistisches Medium auf. Sie haben eigens für die Ausstellung Werke geschaffen, die sich auf die zehntausende Jahre alte Ursprünge der Malerei beziehen, auf die Körperabdrucke in den südfranzösischen Höhlen, und so den weiblichen Körper als Motiv der Malerei thematisieren. Das Obergeschoss ist der dritten Generation von Künstlerinnen vorbehalten. Magdalena Kitas knallfarbige Bilderwelt, die Motive aus der Pornographie aufgreift, bewegt sich bewusst an der Grenze des noch Erträglichen. Neben Zeichnungen aus der Serie Californication (2014-2015) zeigt sie mit glitzernd kitschigen Motiven versehene Wildschweinfelle und erstmalig einen bemalten Klappaltar, dessen Motive alles andere als heilig sind.

Die Künstlerinnen Patrycja German und Anna K. E. treten mit Arbeiten auf, die in Kollaboration mit männlichen Kollegen entstanden sind. Und das unterscheidet sie von den früheren Generationen von Künstlerinnen, für die eine Zusammenarbeit mit Künstlern oft ausgeschlossen schien. Es werden sechs großformatige Fotoarbeiten aus der Serie 3. Dezember 2013, 14 Uhr, Berlin von Patrycja German und Holger Endres gezeigt, die ein humorvolles Ergebnis einer gemeinsamen künstlerischen Auseinandersetzung über den weiblichen Körper als Model und Muse des Künstlers sind. In einer Großrauminstallation zeigen Anna K.E. und Florian Meisenberg die Videoarbeit Late Check-Out (2016), mit der die beiden ihr eigenes Verständnis von Geschlechterrollen aus dem Blickwinkel ihrer Generation vermitteln. pk

 

Galerie Gisela Clement · GALERIEHAUS· Lotharstraße 104

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 – 18 Uhr,

Samstag 13 – 17 Uhr

 

BUS:

Fototableau „Pasadena Rose Parade“ und werkszentrale Videos von Ulrike Rosenbach.
Foto: Galerie

Patrycja German und Anna K. E. mit ihren großformatigen Fotoarbeiten.
Foto: Galerie