Galerie Bassi – Zentrum für Europäische Gegenwartskunst Remagen zeigt:

„Das vielseitige und facettenreiche Werk von Eckhard Froeschlin – Dichter – Räume – Landschaften Malerei, Radierungen, Buchkunst, Malskulpturen“  

von Peter Köster

Remagen. Es kommt wahrlich nicht so häufig vor, dass Rosemarie Bassi eine Ausstellung bewusst verlängert. Dann muss es sich schon um eine außergewöhnliche Schau eines außergewöhnlichen Künstlers handeln. In der Tat: Mit Eckhard Froeschlin präsentiert die Galeristin einen Vertreter dieser Gattung, den sie bei der Vernissage der Ausstellung: als „Vollblutkünstler“, als „Ausnahmekünstler“ vorstellte. „Schauen Sie sich seine Arbeiten an und Sie werden das bestätigt bekommen“, lautete ihre Einladung ans Publikum. Sie fügte hinzu: „Nähern Sie sich seinem Werk aber behutsam. Nur so spüren Sie den Facettenreichtum seines Œuvres.“

Bis Februar zeigt die Galerie Rosemarie Bassi – Zentrum Für Europäische Gegenwartskunst (EUROPE ART NOW) in Remagen die Ausstellung. „Dichter – Räume – Landschaften Malerei, Radierungen, Buchkunst, Malskulpturen“ – Das vielseitige und facettenreiche Werk von Eckhard Froeschlin“. Die Patenschaft der Ausstellung hat Werner Meyer, Direktor der Kunsthalle Göppingen übernommen.

Die Ausstellung zeigt neuere Arbeiten, klassische Handpressen-Drucke und Unikatbücher des Künstlers, der sein erstes Solo nicht nur in der Galerie feiert,  sondern im Rheinland seine erste Einzelausstellung feiert, wie er verrät. Einige dieser Unikatbücher sind in Nicaragua entstanden sind. Neben zwei großformatigen Hölderlin-Ausgaben sind zweisprachige Bücher mit Texten amerikanischer und südamerikanischer Autoren zu sehen. Eine Serie von zehn radierten Dichterporträts, die im Frühjahr 2012 entstanden, runden die Präsentation ab.

Der 1953 in Tettnang geborene Eckhard Froeschlin zählt zu jenen Künstlern, die durch ihre Experimentierfreude und handwerkliche Virtuosität die Radierung maßgeblich weiterentwickelt und ihr zu neuer Ausdrucksform verholfen haben. Er verwendet und kombiniert die unterschiedlichsten Techniken, von der klassischen Kaltnadel und Strichätzung über Mezzotinto bis hin zur modernen Transferätzung. Dabei gelangt er mit Hilfe des Montage-Prinzips zu einer „malerischen Sinnlichkeit in der Radierung“ die die traditionelle Ästhetik dieser Tiefdrucktechnik weit hinter sich lässt. Im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit steht der Mensch. Durch Rückgriff auf Kunstgeschichte und Literatur sowie der Fülle des Erlebten und Gesehenen gelangt er zu einer eigenständigen Bild- und Formensprache, die auf poetisch-subtile bis explizit-eindeutige Weise Politik, Gesellschaft und Geschichte reflektiert. Diese kritische Auseinandersetzung mit der Welt findet sich auch in Froeschlins Buchkunst. In Zeiten von Laptop, Tablet und E-Book setzt er ganz auf die visuell-haptischen Qualitäten von Bleisatz, handgeschöpftem Papier und Radiertechniken. So „verknüpfen sich Gestern und Heute in der Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem“ (Otto Pannewitz) und nehmen Gestalt an im Jetzt seiner Montagen und Radierungen.

Einige Werke sind wie Reisenotizen

Eigentlich wollte der Schwabe Froeschlin, der vom Bodensee stammt, Lehrer werden und studierte dafür Geschichte sowie Kunsterziehung in Münster. Das Kapitel war aber bereits nach kurzer Zeit beendet. Er suchte das Abenteuer. Das war die Kunst. In ihr wollte er als professioneller Künstler leben. Für Froeschlin, wie er heute sagt, „der absolut richtige Schritt.“ Der 63jährige kann heute nicht nur von seiner Kunst leben, seine Passion beschert ihm zudem die Möglichkeit, zu reisen. Manche seiner Werke sind wie Reisenotizen. Von einer „Überfahrt“ ist die Rede, die Eckhard Froeschlin durchaus differenziert interpretiert. Von Christoph Columbus‘ Entdeckung Amerikas, Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer bis hin zum Styx in der griechischen Unterwelt-Mythologie. „Überfahrt ist eine Änderung des Daseins“, meint der 63-Jährige und ergänzt: „Wir alle sind von irgendwoher gekommen.“

Eckhard Froeschlin lebt in einer Kleinstadt bei Sigmaringen an der Donau, die er als „schönste deutsche Landschaft“ bezeichnet. Die Donau ist nicht nur in seinen Gedanken, sondern auch in einigen seiner Werke präsent, die, wie die Ausstellung bei Rosemarie Bassi zeigt, sich ansonsten durch einen bunten Themenmix auszeichnet. Das betrifft nicht zuletzt die unterschiedliche Materialität und Plastizität, die Eckhard Froeschlin nicht nur als Maler,  Radierer und Buchkünstler ausweist, sondern auch den Plastiker Froeschlin mit seinen Malskulpturen zeigt, die das bildnerische ins bildhauerische Werk überführt.   

Großformatige Pastellmontagen

Hauptgegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung ist der Mensch. Er arbeitet in seinen großformatigen Pastellmontagen mit Leimfarben und Pastellkreiden auf Papier, zerschneidet das Gemalte, um es schließlich zu neuen Realitäten zusammenzufügen. Daneben entstehen Zeichnungen, Gouachen und Radierungen. Seine Werke sind geplant, schöpfen aus der Fülle des Gesehenen und Erlebten, zum Beispiel des Wissens um die Künstler- und Kunstgeschichte, um Literatur und Geschichte. Der 63jährige begreift sich als ein an Politik, Gesellschaft und Geschichte arbeitender und diese mit seinen Mitteln reflektierender Künstler. Die Motive, mit denen Eckhard Froeschlin seiner Wahrnehmung der Welt sowie ihren Zuständen Ausdruck verleiht, bewegen sich zwischen realistischer Darstellung und freier Imagination. Sie verleihen den Werken den Charakter von Such- und Denkbildern, die der Betrachter nicht nur ansehen, sondern regelrecht bearbeiten soll. In Froeschlins Metier gehören nicht nur die Gestaltung durch den Pinsel und Verfahren wie Radierung, Zinkhochdruck und Bleischnitt. Ganz zentral sind in seinem Schaffen auch die Herstellung und der Druck des Materials – Künste, die er nicht nur selbst betreibt, sondern auch an andere weitergibt, wie sein Projekt einer Künstler-Druckwerkstatt in Matagalpa, der nicaraguanischen Partnerstadt von Wuppertal, zeigt. Oder seine Kreativkurse, die er regelmäßig als Dozent an der Akademie in Marburg gibt und wo er nicht nur als Lehrer sondern auch als „Talentschmied“ auftritt. So hat er einigen seiner Schüler zum Studium an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Berlin verholfen.

Edition Schwarze Seite

Eckhard Froeschlin: 1953 Geboren in Tettnang/Württemberg. 1972 – 78 Studium Kunstakademie Münster. Kunsterziehung und Geschichte. 1977 Meisterschüler Klasse Keusen. Graphik-Förderpreis des Westfälischen  Kunstvereins. 1984 Förderpreis der Intergraphik, Berlin. Pina-Bausch-Preis Wuppertal mit Malerei. 1988 Werkverzeichnis Radierungen. 1990 Beginn der Arbeit mit Buchkunst. Edition Schwarze Seite: 1998 Beginn des Graphikprojekts Matagalpa/Nicaragua mit regelmäßigen Workshops Druckgraphik und Buchkunst. 1999 Hans-Meid-Preis für Buchkunst Graphikpreis der Porträtbiennale Tuzla, Bosnien-Herzegowina. 2005 Atelierstipendium Wilke-Haus, Bremerhaven. 2009 Werkaufenthalt Ateliers im Alten Schlachthof, Sigmaringen. Erste CODEX-Buchkunstmesse in San Francisco. Seit 2009 regelmäßige Reisen und Buchmessen in USA, Deutschland und Großbritannien. Jährliche Workshops in Deutschland, Nicaragua und USA. Lebt und arbeitet seit 2012 in der Alten Papierfabrik Scheer/Donau.

 

BU:

Bild 1 – Eine der Malskulpturen, die in der Galerie gezeigt werden.
Foto: Peter Köster

Bild 2 – Künstler Eckhard Froeschlin und Galeristin Rosemarie Bassi beim Studium des Ausstellungskataloges.
Foto: Peter Köster

Bild 3- Handwerkliche Virtuosität zeichnen Froeschlins Radierungen aus.
Foto: Peter Köster