„CADORO“ in Mainz zeigt Werke des Künstlerduos Liebl und Schmid-Pfähler

Von Peter Köster

Mainz. Für einen ersten Aha-Effekt sorgte das Künstlerduo Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler, als sie gemeinsam mit weiteren Kunststudentinnen und Kunststudenten ihre Arbeiten 2015 in der Bundeskunsthalle in Bonn präsentierten. Dort wurde die Galeristin Dorothea van der Koelen auf die beiden aufmerksam und holte sie in ihr Ausstellungshaus nach Mainz. Dort im „CADORO –Zentrum für Kunst und Wissenschaft“ präsentiert van der Koelen Liebl und Schmid-Pfähler nun in einer Einzelausstellung unter dem Titel „WIRIES“ (Laufzeit bis zum 13. Oktober). Vorherige Stationen waren das Ausstellungsprojekt in der Reihe Experimente „4+8+2“ (CADORO) (2015) und die „One-Man-Show“ (2016) auf der Art Karlsruhe.

Carolin Liebl (*1989) und Nikolas Schmid-Pfähler (*1987) lernten sich während des Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main kennen und arbeiten seit 2012 zusammen. Dort erlangten sie ihren künstlerischen Ausdruck durch die Wahl ihrer Medien. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Technologien, die den Inhalt und das ästhetische Material der Werke bilden. Ihre Arbeiten sind häufig skulptural, teils kinetisch oder robotisch, oft auch installativ. Beispielsweise setzen sie Metall, Kunststoff und Drähte durch Elektrizität in Bewegung. Dabei wird die Technik nicht versteckt, sondern ästhetisch inszeniert und schafft so eine Symbiose von Funktionalität und dem Inhalt der Technik.

Wellenartige Kontraktionen

Es zuckt. Es regt sich. Wellenartige Kontraktionen durchfahren einen kupfernen schimmernden Körper. Angeschlossen an Leitungen, elektrische Kanäle, entwickelt das namenlose Objekt ein seltsames Eigenleben. In seiner reduzierten Ästhetik spiegelt die Skulptur Entwicklung und Wandel im Werk von Liebl und Schmid-Pfähler wider. Das Künstlerduo (beide sehen sich eher als Forscher) beschäftigt sich mit den Auswirkungen technischer Entwicklungen auf ästhetische und soziale Aspekte des menschlichen und nichtmenschlichen Lebens. Das Medium – die Technologie – ist dabei sowohl Träger gesellschaftlicher Konventionen als auch bildnerisches Material. Ihre Objekte unterschiedlicher Dimension, Form und energetischer Expression, untersuchen das Potenzial elektrischer Energie, das Wesen dieses Materials und die Selbstwahrnehmung des Menschen in seiner Beziehung zu diesem. „Bei all der Schönheit der verwendeten Materialien, der Präzision des Aufbaus und Strenge der Konzeption offenbaren ihre Werke doch zugleich ein großes Maß an Humor und Emotion in ihrer kinetischen Bewegung“, so Dorothea van der Koelen bei der Eröffnung der Ausstellung. „Man kann gucken, man sieht etwas, aber nur wenn man sich intensiv auf das Werk einlässt, erkennt man auch das Stille, das von den Arbeiten ausgeht.“

Roboterpaar „Vincent und Emily“

Die Ausstellung zeigt vor allem neueste Werke von Liebl und Schmid-Pfähler, daneben auch eine frühe Arbeit, das faszinierende Roboter-Paar „Vincent und Emily“, sozusagen das Empfangskomitee für die Besucherinnen und Besucher. „Vincent und Emily“ wenden sich als soziale Wesen dezidiert an die Betrachterinnen und Betrachter. Das Roboterpaar steht in einem bizarren Spannungsfeld zueinander und zu seiner Umgebung. Ausgestattet mit optischen Sensoren sind sie auf der Suche nach einander. Sie können die Signale ihres Partners jedoch nicht immer von denen der Umwelt unterscheiden. So ergeben sich unvorhersehbare Wechselwirkungen und Interaktionen zwischen den beiden technischen Gestalten, die eine gewisse Analogie zu menschlichen Verhaltensmustern aufweisen.

Biomorphe Assoziationen und kinetische Bewegungen

Entlang einer aus mehreren Segmenten bestehenden flexiblen Konstruktion aus Kunststoff und Metall – einem Rückgrat nicht ganz unähnlich – befinden sich mehrere Gebilde mit Drahtspulen, die von einem spinnennetzartigen Metallkonstrukt umfangen werden. Objekte wie „They 4“, „They 5“, „Sie 3“ und „Es“ scheinen im Raum zu schweben, gehalten von einer Vielzahl kupferner Haare. Durch sie werden Impulse an die Spulen-Organe geleitet, wodurch diese mal geschmeidige, mal ruckartige Bewegungsabläufe vollführen und den Betrachter in Entzücken versetzen. Auch „Echo Entity“ zuckt und regt sich. Ein kupfern schimmernder Körper spannt und entspannt sich ähnlich eines Muskels und entwickelt ein seltsames Eigenleben. Die Stromzufuhr erfolgt durch Kupferdrähte, die in Silikon eingelassen sind und das Wesen nabelschnurartig mit Energie versorgen. Das kupferfarbene Objekt erscheint organisch, ruft biomorphe Assoziationen hervor und vollzieht kinetische Bewegungen.

Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler, die 2017 ihr Diplom bei Prof. Julika Rudelius und Prof. Dr. Marc Ries an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach machten, erhielten bisher viele Stipendien und Förderungspreise, darunter den Artist – in- Residence, (Goethe-Institut), das Deutschland Stipendium 2013 und 2014, den Johannes –Mosbach-Stiftung Award (Offenbach am Main ) im Jahr 2014, INTER WE 2018, um nur einige zu nennen. Seit 2012 blickt das in Offenbach arbeitende und lebende Duo auf fast 40 Ausstellungen zurück in Deutschland, Spanien, Polen, Österreich und den Arabischen Emiraten zurück.

 

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Alle Fotos Georg Divossen