Bundeskunsthalle zeigt die Ausstellung „Feuer zu Feuer“

Von Peter Köster

Mit „Feuereifer“ ran an die neue Aufgabe. Eva Kraus, seit Anfang August Intendantin der Bundeskunsthalle (BKH), erlebte bei ihrer Premiere gleich mal so etwas wie eine „Feuertaufe“. Für diese wiederum sorgte der Berliner Künstler Julius von Bismarck mit seiner Schau „Feuer mit Feuer“, die bis zum 24. Januar gezeigt wird.

Eva Kraus konstatierte bei ihrem ersten Auftreten in Bonn: „Mir gefällt diese Ausstellung von Julius von Bismarck.“ Ihn, so ergänzte sie, habe sie 2015 auf der Art Basel kennengelernt. Er sei ein hochdekorierter und international anerkannter Künstler, und darum freue sie sich sehr, dass er nun hier ausstellt. Von Bismarck hat speziell für die Bundeskunsthalle diese Ausstellung konzipiert. Für seine Bonner Schau recherchierte er u.a. über Hurrikans und hier speziell über die auslösenden Blitze. Er war hautnah dabei und begleitete Feuerwehrtrupps, die große Waldbrände löschen mussten.

Inspiration aus der Wissenschaft

Julius von Bismarck wurde 1981 in Breisach am Rhein geboren. Nach Studien der Informatik, der Visuellen Kommunikation und der Kunst in Berlin und New York absolvierte von Bismarck ein Studium an dem von Olafur Eliasson gegründeten Institut für Raumexperimente an der Universität der Künste Berlin. Dort schloss er sein Studium 2013 als Meisterschüler ab. Er lebt und arbeitet in Berlin. Von Bismarck spürt den Fragen einer zeitgenössischen Auffassung von Natur entlang der jüngsten Klimaveränderungen nach. In seinen Performances, Installationen, Skulpturen, Videos und Fotografien changiert er experimentell zwischen naturwissenschaftlichen und künstlerischen Perspektiven und schafft so ästhetische Bildgewalten. „Ich ziehe meine Inspiration aus der Wissenschaft und arbeite künstlerisch“, sagt der 36jährige über seine Werkstrategie. Immer auf der Suche nach alternativen Formen der Wahrnehmung, übersetzt er Natur und Technologie in unverbrauchte, so noch nie gesehene Bilder. Seine visuelle Verarbeitung des Naturgeschehens scheint vermitteln zu wollen: So verheerend und gewaltig die Naturkräfte auch zu sein scheinen, ist doch eine grenzenlose Schönheit in der Katastrophe verborgen, die es darzustellen gilt.

Wandelgang mit acht Skulpturen

Dieser Gegensatz wird in der Ausstellung „Feuer mit Feuer“, die auf von Bismarcks Expeditionen zu verschiedenen Waldbrandgebieten basiert, besonders deutlich. Ein Wandelgang führt durch acht Skulpturen. Flackernde LEDs sollen diese ewigen Feuer darstellen. Die Originale aus Bronze oder Stein sind hier in gebrannter Keramik dupliziert. Die zentrale Arbeit im Ausstellungsraum bildet ein großer LED-Bildschirm, auf dem ein Video gezeigt wird, das verlangsamte Aufnahmen von Waldbränden vertikal symmetrisch zeigt. „Diese Spiegelung verweist explizit auf die Ästhetik der sogenannten Tintenklecks-Bilder, die der Schweizer Psychoanalytiker Herman Rorschach für seinen Test der psychologischen Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie entwickelt hat“, sagt Susanne Kleine, Kuratorin der Ausstellung. Die Erzeugung von Feuer zähle zu den großen Kulturtechniken, seine Nutzung und Beherrschung „war ein zentraler Faktor für alle Zivilisationen“. Als alles bringende, alles zerstörende Kraft dominiere das Feuer wie kein anderes Element die profanen wie auch intellektuellen Gedankenwelten der Menschen – die Narrative um das Fegefeuer, den Scheiterhaufen, das Osterfeuer, das Biikebrennen, die liturgische Formel „Asche zu Asche“ oder der Mythos des Prometheus, der den Göttern das Feuer raubt, um es den Menschen zu bringen. Das seien nur einige inhaltliche Variationen der Feuerdynamik. „All diese Gedanken führen zurück zum Ausstellungstitel „Feuer mit Feuer“, den Julius von Bismarck als Bild benutzt, um auf die Mehrdeutigkeit, Spiegelung und Wechselwirkungen des Elements hinzuweisen – auf die reinigende neben der zerstörerischen, die zivilisatorische wie auch barbarische Kraft.“

BU:

Der Künstler Julius von Bismark vor einer seiner Feuerskulpturen.
Foto: Peter Köster

 

 

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