Bundeskunsthalle präsentiert 2019 ein breites Programm

Von Peter Köster

London/Paris/Bonn. Erst in London, gegenwärtig noch in Paris und ab März in Bonn: Drei Ausstellungsorte huldigen Michael Jackson. Während in der Londoner National Portrait Gallery der „King of Pop“ bereits mit einer umfangreichen Schau gewürdigt wurde, zeigt ihn das Pariser Grand Palais noch bis zum 14. Februar. „On the Wall“, so der Titel der drei Schauen, nimmt dann ab dem 22. März Kurs auf die Bundeskunsthalle in Bonn. Die Bonner Ausstellung, die bis zum 14. Juli gezeigt wird, dürfte somit sicherlich einer der Höhepunkte im Ausstellungsportfolio der Bundeskunsthalle sein.

Meistdargestellte Figur der Medienwelt

„On the Wall“ steht in Anspielung auf das Album „Off the Wall“. Doch anstatt mit Hilfe von Erinnerungsstücken das Leben der Musiklegende mit allen seinen Kontroversen nachzuzeichnen, will die Schau den Einfluss von Jackson, der im August letzten Jahres 60 Jahre alt geworden wäre, auf die zeitgenössische Kunst aufzeigen. Die Ausstellung untersucht diesen Einfluss von Michael Jackson auf einige der führenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen bildenden Kunst. Sie umfasst mehrere Künstlergenerationen sowie alle Medien. Erstmals werden Werke von über vierzig Künstlern versammelt, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen in aller Welt stammen, darunter auch Exponate, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Dazu gehören Gemälde, Zeichnungen, Videos, Collagen, Teppichbildern und Fotos, die die Sicht auf den King of Pop beschreiben. Michael Jackson zählt zu den einflussreichsten Künstlern, die das 20. Jahrhundert hervorbrachte und dessen Erbe im neuen Jahrtausend fortdauert. Seine Bedeutung in allen Bereichen der Popkultur ist allseits bekannt, sein beträchtlicher Einfluss auf die zeitgenössische Kunst allerdings noch eine ungeschriebene Geschichte. Doch seit Andy Warhol 1982 sein Bild zum ersten Mal verwendete, machte die bildende Kunst Jackson zur meistdargestellten Figur der Medienwelt.

Anna Uddenberg analysiert Kultursysteme

Standortwechsel: Vom 5. April bis zum 15. September steht die Künstlerin Anna Uddenberg im Fokus. Uddenberg beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Konventionen, Normen, Strukturen, Rhetoriken und hinterfragt Denk- und Sehgewohnheiten sowie unsere mentale und physische Mobilität. Mit ihren Skulpturen und Installationen reflektiert sie unsere Zeit, unseren Alltag und untersucht, wie sich die Konsumkultur auch durch neue Technologien – insbesondere die sozialen Medien – verändert. Sie analysiert Gesellschafts- und Kultursysteme und hinterfragt explizit die Rolle, das Rollenmuster und -klischee von Frauen. Ihre hybriden Skulpturen – ‚Sitzmöbel‘ und unrealistische ‚Idealtypen‘ – belegen das Interesse der Künstlerin an Raum (für Hinterfragungen gesellschaftlicher Verhältnisse und Utopien) und an Repräsentationsformen. Uddenbergs künstlerische Strategie durch Überzeichnung einer Figur(ration), das Dekonstruieren und Konstruieren als collagierte Synthese von objet trouvés und Handgefertigtem bietet ein (Ab-)Bild der modernen Gesellschaft, was eine manchmal visuell irritierende, aber überraschende Hinterfragung von Werten zulässt.

Grüne Welten auf dem Dach der Bundeskunsthalle

Ebenfalls im April darf der Bundeskunsthalle aufs Dach gestiegen werden. Begleiter sein wird Goethe, der seine „Grünen Welten“ (Dauer bis zum 15. September) präsentiert. Der Garten auf dem Dach der Bundeskunsthalle lädt zum Flanieren und Verweilen ein, zum ästhetischen Genuss und zur naturwissenschaftlichen Erkundung. Als Goethe im Frühjahr 1776 sein erstes Weimarer Anwesen, das berühmte „Gartenhaus“ unweit der Ilm, bezog, galt sein besonderes Interesse dem weitläufigen Garten, dessen Neugestaltung er sogleich in Angriff nahm. Neben einem Nutzgarten legte Goethe auch einen kleinen englischen Landschaftsgarten mit gewundenen Wegen und schattigen Ruheplätzen an. All diese Aspekte will der Dachgarten aufgreifen.

Goethe: Verwandlung der Welt

Goethes Handschrift wird aber nicht nur auf dem Dachgarten sichtbar sein. Er ist auch Gegenstand einer umfangreichen Ausstellung, die vom 17. Mai bis zum 15. September gezeigt wird. Bereits zu Lebzeiten erstreckte sich Goethes Ruhm auf ganz Europa. Seine literarischen Werke wurden in unzählige Sprachen übersetzt. Figuren wie Werther oder Faust eroberten alle Kunstgattungen und sämtliche Sparten der Populärkultur. Wie kein zweiter Autor seiner Zeit hat Goethe jene Veränderungen reflektiert, die um 1800 die politischen, ökonomischen und kulturellen Fundamente Europas erschütterten. Goethe war allerdings nicht nur ein kritischer Beobachter der anbrechenden Moderne, sondern zugleich auch ein äußerst wandlungsfähiger Künstler, der bis heute Schriftsteller, Maler und Bildhauer sowie Komponisten, Fotografen und Regisseure inspiriert hat. Die erste große Goethe-Ausstellung seit 25 Jahren, die in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar, dem Freien Deutschen Hochstift, Frankfurt a. M., dem Goethe-Museum Düsseldorf und dem Museo Casa di Goethe, Rom entstanden ist, veranschaulicht das Werk des Dichters im Horizont der frühen Moderne und vergegenwärtigt seine einzigartige Wirkungsgeschichte.

„California Dreams San Francisco“

San Francisco rückt im September in den Fokus. Die Ausstellung „California Dreams San Francisco“ vom 13. September bis 12. Januar 2020, zeichnet ein vielfältiges Porträt der US-Metropole über vier Jahrhunderte. San Francisco und Kalifornien als ganze Region stehen seit jeher symbolisch für die Träume von einem „besseren Leben“: Träume von Wohlstand und Überfluss, von anderen (zuweilen utopischen) Gesellschaftsordnungen, innovativen Lebensentwürfen und künstlerischen Perspektiven sowie von neuen wissenschaftlichen und technologischen Horizonten. Sowohl der pazifisch-asiatische Raum im Westen als auch Europa im Osten haben San Francisco nachhaltig geprägt. Mit Kunstwerken und historischen Objekten erzählt die Ausstellung die wechselvolle Geschichte dieser Stadt, von der immer wieder weltweite Impulse ausgingen. So berührt die Ausstellung wichtige globale Fragen unserer Gegenwart, besonders die Themen Migration und Vertreibung. Die Ausstellung würdigt San Francisco als einen Ort, dessen pluralistische Identität bis heute stetig neu verhandelt werden muss.

Martin Kippenberger: Bitteschön Dankeschön

Er war einer der medial und stilistisch vielschichtigsten und wichtigsten deutschen Künstler, der die 1980er- und 1990er-Jahre maßgeblich geprägt hat. Die Bundeskunsthalle präsentiert Martin Kippenberger (1953–1997). Sein Schaffen führte schon zu Lebzeiten zu einer herausragenden Position innerhalb der zeitgenössischen Kunst und wirkt bis heute international. Sein Werk basiert auf einer profunden Kenntnis der Kunstgeschichte und der scharfen Beobachtung des alltäglichen Lebens; sie war immer eng mit seiner Biografie, seiner Haltung und seinem Rollenverständnis des Künstlers verbunden. Das reiche Œuvre umfasst Zeichnungen, Plakate, Collagen, Multiples, Künstlerbücher, Fotografien, Musik, Malerei, Skulptur und raumgreifende Installationen, was die Ausstellung spiegeln wird. In enger Abstimmung mit dem Estate of Martin Kippenberger wird so ein groß angelegter Überblick seiner intensiven 20-jährigen Schaffenszeit erarbeitet, der die besondere Komplexität seines Werkes in all seinen Facetten aufzeigen soll. Die Ausstellung, sie trägt den Titel: „Bitteschön Dankeschön“ wird vom 1. November bis zum 16. Februar gezeigt.

Beethoven Welt.Bürger.Musik

Anlässlich des bevorstehenden Beethoven-Jahres widmet die Bundeskunsthalle Beethoven eine Ausstellung unter dem Titel: „Beethoven Welt.Bürger.Musik“. Zum 250. Geburtstag des großen Komponisten und Visionärs Ludwig van Beethoven (1770–1827) präsentiert die Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn die zentrale Ausstellung zum Jubiläumsjahr 2020.
Die Schau zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Beethovens nach und verschränkt diese mit seinem musikalischen Werk. Sie gliedert sich in Themenkreise wie „Beethovens Sicht auf sich selbst“, „Freundschaften“ und „Geschäftliche Strategien“, denen jeweils musikalische Schlüsselwerke zugeordnet sind. Sie präsentiert einzigartige Originalexponate und ikonische Porträts, die die Persönlichkeit des Komponisten vorstellen und gleichzeitig sein gängiges Bild in der Öffentlichkeit hinterfragen. Originalinstrumente und Hörstationen lassen die Besucher/-innen in historische Klangwelten eintauchen. Es wird nicht nur die Arbeitsweise des Komponisten, sondern auch der kulturhistorische Kontext seiner Lebens- und Wirkungsgeschichte veranschaulicht.

 

BUS:

Bild 1

Cape Coast and Nickel, 2014 by Todd Gray. The Youngblood Collection.
Image courtesy of Meliksetian | Briggs, Los Angeles. © Todd Gray

Bild 2

A Michael Jackson Alphabet, 2017 by Donald Urquhart.
Courtesy Maureen Paley and Herald Street, London; Peacock Visual Arts, Aberdeen. © Donald Urquhart

Bild 3

Michael and ET, 1985 by Mark Flood. Private Collection.
Image courtesy of Maccarone, NY/LA. Stuart Shave/Modern Art, London.
© Mark Flood

Bild 4

700 Nimes Road, Bedside Table, 2010-11 by Catherine Opie.
Courtesy the artist and Regen Projects, Los Angeles. © Catherine Opie