Bonner Kunstverein zeigt „Peter Mertes“ Stipendiatinnen

Bonn. 2019 wurden Lotte Maiwald und Franca Scholz mit dem „Peter Mertes Stipendium“, ausgelobt mit 12.000 Euro, ausgezeichnet. Der Bonner Kunstverein ehrt die beiden Künstlerinnen mit Einzelausstellungen. Diese Schauen markieren das Ende des Stipendienzyklus und werden voraussichtlich bis Anfang September gezeigt, da bereits ab dem 4. September Anna Sophie Berger (Duell) das Ausstellungsjahr fortsetzt.

Zurück zu Lotte Maiwald und Franca Scholz. So unterschiedlich die künstlerischen Herangehensweisen und die Wahl der Medien der beiden Preisträgerinnen auf den ersten Blick erscheinen mögen, so eint sie doch ein gemeinsames Thema. Es geht um das Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem menschlichen Körper und seiner äußeren Umgebung.

Beginnen wir mit Lotte Maiwald: Die in Düsseldorf lebende Künstlerin nutzt das stattliche Platzangebot des Kunstvereins für ihre teils raumgreifenden Malereien sowie Skulpturen. Diese basieren auf drei Grundelementen – ein Mensch, eine Fahne und eine solarbetriebene Überwachungssäule, die sich in variierenden Konstellationen wiederfinden. Dabei greift Maiwald die bekannte Methode auf, die Leinwand als Installation in den Raum hinein zu verlängern, deutlich gemacht anhand eines teleskopartigen Instruments. Der Blick durch das Guckloch verändert zwangsläufig die Perspektive des Bildes. Das Gemälde wird auf einen Ausschnitt reduziert, so dass ein anderes Bild vor dem Auge entworfen wird.

Mit ihren Videoprojektionen, Performances und Installationen aus textilen, Objekten adressiert Franca Scholz körperliche Beziehungen zwischen Intimität, Distanz, Dominanz und Exklusion. Scholz‘ Praxis gründet auf sowohl selbstverfassten Texten als auch Zitaten fiktionaler Literatur mit weiblicher Autorenschaft, die teils als gesprochene oder geschriebene Worte den Raum besetzen. Es sind fragmentierte Erzählungen über Begehren, Häuslichkeit und (Un-)Sichtbarkeit.

Lotte Maiwald (geboren 1988, Hechingen) schloss ihr Studium 2018 an der Kunstakademie Düsseldorf (Klasse Peter Doig) ab. Ihre Arbeiten wurden im Kunsthaus ACUD, Berlin (2020), K21 Ständehaus Düsseldorf (2019) und der Simultanhalle, Köln (2016) ausgestellt. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Franca Scholz (geboren 1988, München) schloss ihr Studium 2016 an der Kunstakademie Düsseldorf (Klasse Rita McBride) ab. Ihre Arbeiten wurden im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Kunstmuseum Solingen (2018) und Tanzhaus NRW, Düsseldorf (2017) gezeigt. Ihr Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist Köln. pk

BUS:

Bild 1: Schäfchenüberwachungssäule, 180 x 108 x 108 cm. Pappe, Klebeband, Nessel, Kunststoff, Edelstahl, Acrylfarbe, Marker, Holz, 2020. Foto: Peter Köster

Bild 2: Textiles Handobjekt als Bodeninstallation. Foto: Peter Köster

Bild 3: Installation bestehend aus Gemälde und teleskopartigen Instruments.
Foto: Peter Köster

Bild 4: Textiles Wortfragment besetzt den Raum. Foto: Peter Köster

 

 

(02456)