„Bilder einer Sammlung – 50 Jahre Kunsthalle Bielefeld“

Bielefeld. „Bilder einer Sammlung – 50 Jahre Kunsthalle Bielefeld“ so lautet der Titel dieser Ausstellung, die vom 29 September bis zum 27. Januar 2019 in der Leineweberstadt gezeigt wird. Die Sammlung mit ihren ca. 500 Gemälden, 200 Skulpturen und ca. 4.500 Aquarellen, Zeichnungen und druckgrafischen Blättern ist zwar deutlich älter als 50 Jahre, aber bei weitem nicht so alt wie andere städtische Sammlungen, die oft auf dem Erbe fürstlicher Sammlungen beruhen.

„Am Waldesrand“ die Nummer eins

Das erste Bild, die Nummer eins im Sammlungsinventar, das Gemälde „Am Waldesrand“ des Münchener Malers Ludwig Dill aus dem Jahr 1900, kommt im Jahr 1905 nach Bielefeld. 1928 wird das erste städtische Kunsthaus in der ehemaligen Villa des Kommerzienrates Tiemann an der Hindenburg- (heute Alfred-Bozi-) Straße eingerichtet und das Bild findet dort neben einigen weiteren seine Heimstatt unter der Obhut von Dr. Heinrich Becker, ehrenamtlicher Kustos des neuen Kunsthauses. Heinrich Becker ist mit seinem langjährigen Einsatz für die Kunst unbestritten die Gründerfigur des Bielefelder Kunstmuseumswesens. Beckers Vorliebe gehört der deutschen Moderne. Sein Hauptaugenmerk gilt den Entwicklungen seit dem späten 19. Jahrhundert, mit dem Schwerpunkt auf dem Expressionismus und dem lokalen Kunstschaffen sowie dem Werk von Käthe Kollwitz

Monumentales Hauptwerk von Beckmann

Mit Gustav Vriesen kommt 1954 der erste hauptamtlich berufene Kunsthistoriker als Leiter des Kunsthauses nach Bielefeld. Zu seinen ersten Ankäufen gehören 1955 und 1956 zwei Werke, die einen fulminanten Auftakt markieren: Mit Max Beckmanns „Mutter mit spielendem Kind“, das Beckmann 1946 in Amsterdam gemalt hat, holt Vriesen einen der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts mit einem monumentalen Hauptwerk aus der unmittelbaren Nachkriegszeit in die Bielefelder Sammlung. Mit Willi Baumeisters frühem Materialbild „Drei gestaffelte Figuren, Ananke I“ von 1920 gelangt ein erstes ungegenständliches Bild in die Kunsthaus-Sammlung. 1956 weitet Vriesen den Blick von der deutschen Kunst auf internationale Entwicklungen mit dem Schwerpunkt Frankreich und gibt damit der Museumsarbeit in Bielefeld wie der Sammlung eine neue Richtung.

Ihm folgt im Jahr 1962 Joachim Wolfgang von Moltke, der als Gründungsdirektor den Neubau der Kunsthalle und ihre Programmatik mit gestaltet. Die Wahl eines amerikanischen Architekten für das Gebäude bestimmt auch den Anspruch einer größeren Internationalität der Sammlung, der sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verwirklichen sollte. Vor allem unter dem Direktorat von Ulrich Weisner von 1974 bis 1994 kommen auch amerikanische
Künstler wie Frank Stella, Kenneth Noland, Richard Serra, Ellsworth Kelly oder Agnes Martin in die Sammlung.

Schwerpunkt der Ankaufspolitik

Aber auch im Hinblick auf die deutsche Kunst verschiebt sich ab Mitte der 1970er Jahre der Schwerpunkt der Ankaufspolitik auf zeitgenössische Positionen, was ebenso den steigenden Preisen für Moderne Kunst auf dem Kunstmarkt Rechnung trägt wie der Notwendigkeit, in einem Museum für Moderne Kunst auch den eigenen Zeithorizont abzubilden. Dieser Devise sind dann auch die nachfolgenden Direktoren Thomas Kellein und Friedrich Meschede gefolgt, indem Sie die Sammlung in die heutige Zeit geführt haben. Sie bietet Einblicke in künstlerische Entwicklungen und ihre Wirkungen, in Bezüge und Beziehungen und sie bietet dem interessierten Besucher vielleicht manche überraschende Einsicht und neue Erkenntnis. pk

BU:
Max Beckmann Italienische Fantasie, 1925Öl auf Leinwand
127 x 43 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

BU:
Max Beckmann Italienische Fantasie, 1925
Öl auf Leinwand
127 x 43 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018