Bauhaus Museum Dessau begründet neue Ära

Dessau. Das Dessauer Museum ist nach Weimar (Eröffnung erfolgte im April) das zweite neue Bauhausmuseum, das 2019 öffnet. Die Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“ wird bis zum 31. Oktober im neuen Dessauer Kunsttempel gezeigt.

Banddurchschnitt wird zum Kunstobjekt

Stilecht wie es sich fürs Bauhaus gehört, geriet selbst der symbolische Banddurchschnitt durch Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, und Peter Kuras, Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, zum Kunstobjekt. „Wir freuen uns, das Bauhaus Museum Dessau nach nur knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit der Öffentlichkeit präsentieren zu können“, sagte Claudia Perren. „Aus der Besonderheit unserer Sammlung heraus wollen wir vor allem die Geschichte der Schule Bauhaus in Dessau erzählen. In unserem Museum geht es uns darum, die Suchbewegungen zu vergegenwärtigen, die zeigen, wie in diesem unsicheren Terrain um 1926 Kunst und Gestaltung gesellschaftliche Relevanz erlangen konnte.“ In Dessau habe das Bauhaus seine erfolgreichste Zeit erlebt. „Die Avantgarde-Schule hat sehr stark unsere Alltagskultur geprägt – ich würde sagen, so stark, wie keine andere Schule“, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel als Festrednerin. Die Bauhäusler wollten sich einmischen – es ging in ihrem künstlerischen und handwerklichen Schaffen um gesellschaftliche und soziale Relevanz. Merkel hob die prägende Kraft hervor, die das Bauhaus für das 20. Jahrhundert entfaltet hat: „Welt neu denken, Lebenswelten neu gestalten, aus allen Kunstrichtungen Impulse hineinnehmen.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte: „Die Eröffnung des Bauhaus Museums in Dessau gehört zu den großen Höhepunkten dieses Jubiläumsjahres und zieht einmal mehr die Blicke der Welt auf das 100-Jährige Bauhaus-Jubiläum. Endlich sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, den Dessauer Sammlungsschatz der nationalen und internationalen Öffentlichkeit umfassend präsentieren zu können.“ MP Reiner Haseloff würdigte das neue Museum. „Mit dem Bauhaus Museum Dessau erhalten die Stadt Dessau-Roßlau und das Land Sachsen-Anhalt einen neuen Bauhaus-Ort.“ Das Bauhaus Museum Dessau werde nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Diskursort sein. Peter Kuras, OB der Stadt Dessau-Roßlau, befand: „Das Bauhaus ist für mich ein Synonym für Innovation, eine Ikone der Moderne“.

Herzstück ist die Black Box

Das Bauhaus Museum, Maße: 105 Meter lang, 25 Meter breit und zwölf Meter hoch, ist ein Haus im Haus – ein schwebender Riegel aus Beton in einer gläsernen Hülle. Die Architektur zeichnet sich in Konzept und Ästhetik gleichermaßen durch Klarheit und Schlichtheit aus. Sie agiert zurückhaltend, aber dennoch überzeugend und geht in ihrer Formensprache ebenso kreativ mit der Gegenwart wie mit der Moderne um. Das Herzstück des Museums, das vom spanischen Architekturbüro addenda architects (Barcelona) konzipiert wurde, ist die Black Box im Obergeschoss. Sie ist ein aufgeständerter, in sich geschlossener Kubus aus Stahlbeton. Konservatorisch begründet ohne Tageslicht bietet sie auf 1.500 Quadratmetern optimale klimatische Bedingungen für die Präsentation der empfindlichen Sammlungsobjekte. Das eigentliche, von Walter Gropius entworfene Bauhaus Dessau bot für einen solchen Ausstellungsbetrieb mit knapp 600 Quadratmetern deutlich zu wenig Platz.

Schule rang um ihre Existenz

Die Black Box ist rund 100 Meter lang, 18 Meter breit und schwebt fünf Meter über den Köpfen der Besucher. Zwischen den Treppenkernen befindet sich im Erdgeschoß die Offene Bühne. Die Ausstellung mit dem Titel „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“ erzählt die Erfolgsgeschichte der berühmten Schule in Dessau, lässt aber auch die Krisen und Zwänge nicht aus, unter denen sie um ihre Existenz rang. Sie beschreibt das Bauhaus als einen lebendigen Ort, an dem gelernt und gelehrt, künstlerisch experimentiert sowie an industriellen Prototypen gearbeitet wurde. An den Baukosten in Höhe von 28 Millionen Euro beteiligte sich der Bund zur Hälfte. Die Summe von 14 Millionen Euro stellte die Staatsministerin für Kultur und Medien aus ihrem Etat zur Verfügung.

Ein Stück Erlebnisarchitektur

Das neue Museum ist ein Stück Erlebnisarchitektur: Große verschiebbare Glaspaneele ermöglichen ein Spiel mit dem einfallenden Licht. Eine große gelbe Stufenkonstruktion aus Holz bietet eine Bühne für Diskussionsveranstaltungen, Vorträge und anderweitige Begegnungen – und in Zeiten, in denen von alldem gerade nichts ansteht, wirkt sie als erhabene Kunstskulptur für sich, umrahmt von Glas und Beton. Zum Architekturerlebnis wird das neue Museum in den Räumen des oberen Ausstellungsriegels. In 14 Kapiteln tauchen die Besucherinnen und Besucher ein in die Gedankenwelt des neuen Bauens, das die Bauhäusler seinerzeit entwickelten, als sie alles Bisherige infrage stellten und mit Farben, Formen und Materialien experimentierten. Daraus entstanden sind unter anderem unzählige Gebrauchsgegenstände wie Marcel Breuers Stahlrohrsessel oder Marianne Brandts Teekännchen, die nun zusammen mit den vielen bekannten und weniger bekannten Sammlungsobjekten entdeckt werden können.

Stilprägende Kleinschreibung

Nur 14 Jahre lang bestand in Deutschland eine Hochschule für Gestaltung mit dem Namen Bauhaus, nicht mehr als 1250 Schülerinnen- und Schüler lernten in den berühmten Vorkursen die Grundlagen der kreativen Arbeit, erst in Weimar, dann in Dessau, schließlich in Berlin. Und doch ist das Bauhaus zu einem Synonym für die Moderne an sich geworden. Nach der politisch erzwungenen Schließung des Bauhauses in Weimar, zog der Ortswechsel nach Dessau erstaunlicherweise keine Krise der Institution nach sich. Im Gegenteil, er förderte deren Konsolidierung auf dem Weg zur Gestaltung neuer industrieller Massenprodukte. Erst in Dessau sollte die in der Weimarer Ausstellung von 1923 proklamierte neue Einheit von Kunst und Technik zur vollen Entfaltung kommen, die dem weltweiten Ruf dieser Schule bis heute zugrunde liegt. Angefangen mit dem berühmten und 1926 eröffneten Gebäude des Dessauer Bauhauses aus dem privaten Baubüro seines Gründungsdirektors Walter Gropius in Zusammenarbeit mit den Bauhaus-Werkstätten entstand in der Dessauer Zeit das Gros der bekanntesten Produkte und Bauten, die das Bild des Bauhauses bis heute prägen. Erst in Dessau wurde die stilprägende Kleinschreibung zum Programm ebenso wie die Gründung der Bauhaus GmbH, durch die die Studenten am Erfolg der am Bauhaus entwickelten Produkte beteiligt werden konnten. pk

 

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Bild 1: Schnitten das Band gemeinsam durch: von links nach rechts: Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau, und Peter Kuras, Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau. Foto: Thomas Meyer

Bild 2: Dessaus neues Wahrzeichen: Bauhaus Museum. Fotos: Bauhaus-Museum Dessau.

Bild 3: Ein Blick ins Innere des Gebäudes.