Auftakt der Pitzen-Festspiele in der „Kathedrale“

Von Peter Köster

Siegburg. Auf die Lüpertz- folgen die Pitzen-Festspiele. Lauteten die Spielorte bei Markus Lüpertz Stadtmuseum Siegburg und Katholisch Soziales Institut (KSI), so versammeln das „Pumpwerk“ (Sitz des Kunstverein Rhein-Sieg) und Stadtmuseum Arbeiten der Bonner Künstlerin Marianne Pitzen. Die Ausstellungen, sowohl im „Pumpwerk“ als auch im Stadtmuseum, laufen bis zum 29. Juni.

Den Auftakt für die Doppelschau von Marianne Pitzen (MP) macht das „Pumpwerk“, das zum Treffpunkt zahlreicher blauer Figuren wird. „Wasserträgerinnen“ lautet der Titel dieses ungewöhnlichen Projekts an einem ungewöhnlichen Ausstellungsort, der, wie Christina zu Mecklenburg in ihrer Einführung bemerkte, wie eine „Kathedrale“ wirkt. „Wer blau ist – blaue Augen, blaue Lippen, blaue Strümpfe, blaue Flecken – darf auf Ebene U1 an höchst subversiven Unter-Tage-Meetings teilnehmen“, so beschreibt Marianne Pitzen ihre Performance in dem mehrstöckigen Gebäude. „Auf tiefstem Grund, Ebene U2, sind interessante Wohnverhältnisse zu besichtigen. Trotz schönstem Eintauchen in Blau vergessen wir nicht die Schrecken von Überflutungen, Hochwasser und umgekehrt den Durst auf dem Blauen Planeten.“

Oberthema MP70

Der eigentliche Grund für die Pitzen-Festspiele ist einem persönlichen Anlass geschuldet. Die Künstlerin und Direktorin des Frauenmuseum feiert im kommenden Monat ihren 70. Geburtstag. Das Oberthema für die Ausstellung lautet daher (MP70). Marianne Pitzen wählt den Basisträger Papier für ihre Kunstobjekte. Papier ist nämlich nicht nur Ge- und Verbrauchsgegenstand, Papier ist auch Kunst. Papierkunst ist die Auseinandersetzung mit dem unendlich flexiblen und in seiner Gestalt variablen Material Papier. Papier besitzt die Fähigkeit, gleichzeitig leicht wie Luft, beweglich und dennoch stabil zu sein und jede beliebige Form annehmen zu können, die eine Künstlerin wie Marianne Pitzen immer wieder fasziniert. Diese Eigenschaften von Papier haben die Kunst vor allem im 20. Jahrhundert zu wegweisenden Neuerungen angeregt und Papier damit auch weit über seinen praktischen Wert hinaus erfahrbar gemacht. Nie waren die Möglichkeiten künstlerischer Produktion so vielfältig wie heute. Abstraktion und Figuration schließen einander längst nicht mehr aus, neue Medien haben die überlieferten Kategorien ergänzt, die Freiheit im Umgang mit den Materialien ist nahezu unbegrenzt.

Neben dem visuellen Reiz des weißen Materials durch differenzierte Licht- und Schattenwirkungen spielt bei der Künstlerin auch das haptische Moment, das Fühlen, Tasten und Berühren zum Begreifen und Erfahren ihrer Arbeiten eine Rolle. Bereits im Entstehen, beim Prozess des Werdens und Gestaltens, löst dieses fühlbare Begreifen des Faserstoffes eine Sympathie für das Material aus, aus dem formvollendet die für sie typischen Figurengruppen erwachsen.
Ob schöne Bräute, stolze Kaiserinnen, dicke Matronen – Marianne Pitzen malte schon als kleines Mädchen am liebsten Frauenfiguren. Pinsel, Farben und Papier legt sie bis heute selten aus der Hand. Und noch immer stehen die Frauen im Zentrum ihrer Kunst. Rund und fließend kommen ihre Figuren daher, und selten sind sie allein zu sehen. „Mein Thema ist die Frauengruppe, denn nur gemeinsam können wir in dieser Welt etwas erreichen und verändern.“

Variables Material

Die in blau versammelten Figurengruppen in der Ausstellung wirken wie Abgesandte einer utopischen Stadt, die im Spätmittelalter Furore machte. Sie könnten auch von einem fernen Planeten stammen. Mit und in ihren Objekten beschreibt die Künstlerin, wie Kunst und Papier, Papier-Kunst eine spannende Symbiose eingehen. Gleichzeitig lässt sich ablesen, wie universell einsetzbar Papier sein kann, für das im übrigen Zellstoff als Basismaterial für die Papiererzeugung dient.

Am Mittwoch, 30. Mai um 18 Uhr, folgt im Stadtmuseum Siegburg unter dem Titel „Doppelbödig“ der zweite Teil der Pitzen-Schau.

BU:

1. Marianne Pitzen und Reinhard Lättgen, Vorsitzender des Kunstvereins für den Rhein-Sieg-Kreis

2. Marianne Pitzen durchschneidet das blaue Band – die Ausstellung ist eröffnet

3-6: Fotos aus der Ausstellung

Alle Fotos: Georg Divossen