Anna Oppermann – Künstler sein“: Bis 28. Juli in der Kunsthalle Bielefeld

Bielefeld. Die Kunsthalle Bielefeld zeigt bis zum 28. Juli eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Anna Oppermann (1940 – 1993). Zentrum der Ausstellung ist das umfangreiche Ensemble „Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)“, eines der Hauptwerke Anna Oppermanns, das sie 1977 auf der documenta 6 in Kassel zeigte.

Permanente Widersprüchlichkeiten

Das Werk steht programmatisch für das Selbstverständnis einer neuen Künstlergeneration in den 1960er und 1970er Jahren, die Grenzen inhaltlich und formal in vielerlei Richtungen aufzubrechen suchte. Anna Oppermanns Kunst artikuliert den Anspruch, gleichberechtigt als Künstlerin neben ihren männlichen Kollegen wahrgenommen zu werden. Ihre „Ensembles“, wie Anna Oppermann ihre Installationen nannte, stellen den Betrachter vor Herausforderungen. Sie bestehen aus einer unübersichtlichen Vielzahl von sorgfältig angeordneten Einzelteilen: Gegenstände, Fotos, Zeichnungen, Zeitungsausschnitte, Selbstgeschriebenes, Abgeschriebenes, Zettel, Fotos von den Zeichnungen und immer wieder Fotos von vorherigen Zuständen des Ensembles. Sie setzen einen engagierten, teilnehmenden Betrachter voraus, der sich seines eigenen Sehens bewusst ist und die permanenten Widersprüchlichkeiten aushält. „Künstler sein“ ist das an Bildelementen umfangreichste Werk Anna Oppermanns. Es wuchert mit mehr als tausend Einzelteilen förmlich in den Raum und ist visuell als Ganzes gar nicht zu erfassen, weil der Betrachter immer zwischen Nähe und Distanz hin- und hergerissen ist, um die kleinteiligen Bilder und Texte gut sehen zu können, dabei aber das Ganze aus den Augen verliert.

Einflüsse von Dada und Pop Art

Ein weiterer Fokus der Ausstellung liegt auf dem Frühwerk von Anna Oppermann, das erstmals im musealen Kontext präsentiert wird. Zu Beginn ihrer künstlerischen Karriere arbeitet sie mit dem „klassischen“ Tafelbildformat, in dem sie komplexe Raumsituationen darstellt. In stilllebenartigen Arrangements und Interieurs tauchen bereits hier ihre Leitmotive auf. Der Schritt von der zweidimensionalen Fläche in den dreidimensionalen Raum ist bereits früh im Werk angelegt und kann in der Ausstellung als konsequente Entscheidung nachvollzogen werden. Das Frühwerk besteht neben zahlreichen Zeichnungen auf Papier und Karton aus Blei- und Buntstiftzeichnungen mit Collageelementen auf Hartfaserplatten, die in ihrer Motivik und Farbigkeit Einflüsse von Dada, Surrealismus und Pop Art aufweisen. Zwischen ca. 1965 und 1968 arbeitet Oppermann an Bildwelten, die zum einen die knallige Farbigkeit und die bunte Jugend- und Konsumkultur der Pop Art zitieren und zum anderen eine eindeutige Nähe zu den Traum- und Fantasielandschaften der Surrealisten herstellen. Thematisch orientiert sich Anna Oppermann an gesellschaftspolitischen Fragen, vornehmlich der Gleichberechtigung von Mann und Frau, individuellen Ängsten und sozialen Erwartungen. Diese Themen führt sie in den ab Mitte der 1960er Jahre entstehenden Ensembles weiter aus hinsichtlich einer Befragung der ökonomischen Situation von Künstlerinnen, deren schwieriger Position in einem männerdominierten Umfeld sowie der kritischen Auseinandersetzung mit den Bedingungen, Voraussetzungen und Mechanismen des Kunstmarktes. Der eigene Status als Frau, Mutter und Künstlerin ist dabei Ausgangspunkt für die Betrachtung allgemeiner gesellschaftlicher Strukturen.

Teilnehmerin der Biennale in Sydney

Anna Oppermann wurde im Jahr 1940 in Eutin in Schleswig Holstein geboren. Sie starb bereits 1993 in Celle in Niedersachsen. Von 1962 bis 1968 studierte sie an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg Malerei, Grafik und Kunsterziehung und parallel dazu an der Universität Hamburg Philosophie. Sie war Teilnehmerin der documeta 6 (1977) und 8 (1987) in Kassel und der Biennale in Sydney (1984). Werke von Anna Oppermann befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, u.a. der Hamburger Kunsthalle und dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach. pk

 

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Bild 1: Anna Oppermann: (Lindenblütenblätter) Installationsansicht documenta 6, 1977 © Nachlass Anna Oppermann

Bild 2: Anna Oppermann Frühwerk 1970 Buntstift auf Hartfaserplatte 150 x 122 cm / Courtesy Nachlass Anna Oppermann und Galerie Barbara Thumm