Das Spiel mit Illusion und Wirklichkeit – „Aber jetzt – Jetzt aber“

„Eigentlich sind die Räume des Hauses an der Redoute in Bad Godesberg schon voll, auch wenn sie noch leer sind.“ Das sei, so Reinhard Lättgen in seiner Einführung zur gutbesuchten Vernissage „Aber jetzt – jetzt aber“ der Künstlergruppe „Jetzt“, wohl der barocken Ausstattung geschuldet. Künstlergruppen wie „Jetzt“ und viele andere sind eine wichtige Stütze des Kulturlebens, deren Bemühungen seitens der Politik, Verwaltung und auch der Presse nicht ausreichend, oft aber auch gar nicht gewürdigt wird – und das gilt eigentlich für den gesamten sogenannten informellen Kunstsektor, so Lättgen.

Nun denn, die barocken Räume des Hauses an der Redoute in Bad Godesberg stehen im Kontext zu einer neue Ausstellung zeitgenössischer Werke, und mit den großen barocken Themen Abbild, Illusion und Wirklichkeit hantieren die beteiligten sieben Künstler spielerisch.

So Peter Tutzauer, der seine Serie von Objekten „Ge-Schichten“ nennt – eine gibsartige eingefärbte Masse, die er in Schichten pastos aufträgt und zum Verlaufen anregt, was zu allerlei Assoziationen führt und den Blick hinauf wandern läßt zum Gipsstuck an den Decken der barocken Räume. Und dieser Eindruck wird noch verstärkt durch das aufgetragene Gold bei einigen von Tutzauers Objekten.

Georg Wittwer stellt zwei raumhohe Säulen auf und läßt sie mit der Architektur des ebenfalls durch zwei Säulen gestützten Raumes korrespondieren. Die Objekte sind aus Douglasienstämmen gedreht, die anschließend verschieden eingefärbt und wieder abgeschliffen wurden. So tritt die Maserung des Holzes überstark hervor, und fast entsteht der Eindruck von Marmor.

Andreas Rein stellt auf den Teller eines Plattenspielers kleine Stiefel und beleuchtet das Ganze mit einem Stroboskoplicht. So entsteht für den Zuschauer der Eindruck, als ob die Stiefel trappeln und marschieren – Abbild und Realität im Widerstreit – und das nur im Auge des Betrachters.

Drei Glasskulpturen in Form menschlicher Silhouetten stehen in den Räumen. Die Objekte von Anne Beikircher zeigen Lineaturen, Adern, Verästelungen, die aber immer mehr das Organische verlassen, abstrahieren und zu technischen Leiterbahnen mutieren. Künstliche Intelligenz versus alles Menschlichem.

Willi Krings spielt unserer Erwartungshaltung einen Streich und hat zwei vermeintliche Spiegel gegenüber montiert. Doch wer sich im Spiegel betrachten will, schaut unvermittelt auf seinen eigenen Rücken – und der Spiegel ist eben kein Spiegel, sondern ein Monitor. „Hinter-list“ auf humorvolle Art.

Sabine Herting hängt einen großen weißen, fliesartigen Stoff an die Wand und versieht ihn mit schwarz gemalten Straßen, Pfaden, Verästelungen, Verwurzelungen oder Ranken, die über den Stoff zu kriechen scheinen. Der Stoff schlägt Falten in den Raum und bekommt so räumliche Tiefe und Plastizität. Das eigentlich flache Bild wird unversehens zum Objekt.

Wolfgang Hunecke schließlich konfrontiert den Betrachter mit einer Armee von aus Beton gegossenen Füßen. Doch die Reihen sind nicht geschlossen, einzelne Paare fehlen. Sind sie gefallen, geflohen? Unversehens versucht sich der Betrachter in Erklärungen und Mutmaßungen, sucht Sinnhaftigkeit im Gesehenen.

(gd)

Bus:

Werke von Peter Tutzauer, Georg Wittwer, Andreas Rein, Anne Beikircher, Willi Krings, Sabine Herting, Wolfgang Hunecke

Alle Fotos: Georg Divossen