Eine Leistungsschau der Malerei

Von Peter Köster

Bonn. 500 Werke – 53 Künstlerinnen und Künstler und vier Städte: Das sind die Eckdaten für die vom 19. September bis 19. Januar 2020 im Kunstmuseum Bonn gezeigte Ausstellung „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“. Bereits ein knappes halbes Jahr vor der Eröffnung wirft diese umfangreiche Schau ihre Schatten voraus. Um diese Leistungsschau der Malerei zeigen zu können, wird die zweite Etage des Hauses komplett leergeräumt und neu gestaltet. Die dort ursprünglich gezeigten Werke wandern vorübergehend ins Depot.

Kein künstlerisches Medium hat so viele positive wie negative Zuschreibungen erlebt wie die Malerei. Das hat zum einen mit der langen Tradition des Mediums zu tun, innerhalb derer so viel schon gedacht und getan wurde, andererseits hat man der Malerei ihre Handelbarkeit vorgeworfen. Dabei taugt die Begrenztheit des Bildfeldes eben nicht nur als wohlfeiler Marktbeschleuniger, sondern liefert auch eine Begründung dafür, warum Malerei ein hochattraktives Medium ist: Denn jedes Bild veranschaulicht die Paradoxie, aus einer raumlosen Flächigkeit einen eigenen Raum zu schaffen. Diese grundlegende Dialektik bestätigt die Malerei als virtuelles Medium, das seine Wirkkraft in und aus dem Bildgeviert heraus entwickelt. Mit dem Ausstellungsprojekt „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ unternehmen das Kunstmuseum Bonn, das Museum Wiesbaden, die Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser und die Deichtorhallen Hamburg den Versuch, den aktuellen Stand des Mediums zu bestimmen. Ziel ist es, einen gültigen Querschnitt durch die junge in Deutschland produzierte Malerei zu geben und dabei all ihre Erscheinungsformen zu berücksichtigen, um die zeitgenössische deutsche Malerei in ihrer ganzen Bandbreite dokumentieren zu können.

Drei zentrale Prämissen

Drei zentrale Prämissen leiten laut Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums, dieses Projekt: Erstens beschränkt sich die Auswahl auf die Malerei als Bildkunst. Die zweite Prämisse betrifft das Alter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das auf maximal 40 Jahre festlegt ist. „Damit bewegen wir uns innerhalb der ersten Generation, die nicht mehr mit der Erfahrung des geteilten Deutschlands aufgewachsen ist. Die dritte Voraussetzung betrifft den geographischen Rahmen der Ausstellung. Dass wir uns dabei auf Deutschland beschränken, resultiert allein aus der Notwendigkeit, das Untersuchungsgebiet überschaubar zu halten.

Im Rahmen einer Kunstrecherche-Tour, die 2017 begann und erst vor wenigen Wochen endete, waren Intendant Stephan Berg, sein Vize Christoph Schreier und weitere Kuratoren querbeet im Bundesgebiet unterwegs, um Ateliers, Werkstätten und sonstige Kunstorte zu besuchen und um dort junge Talente aufzuspüren. Die Deutschlandreise, so Berg, umspannte den Besuch von 100 besagten Kunstorten. Auf 53 Positionen konnten sich die Kuratoren schließlich verständigen.

Eine erste Bestandsaufnahme

Wie angesagt junge deutsche Malerei ist, zeigt die steigende Zahl von Gruppenausstellungen zur Malerei, von der Basler Kunsthalle bis hin zu den Berliner Galerien Neu und Grieder von Puttkamer. Die britische Zeitschrift „Modern Painters“ widmete ihre letzte Ausgabe dem Thema „Germany now“, und die wichtigsten New Yorker und Londoner Galerien überbieten sich seit zwei Jahren fast gegenseitig darin, junge Qualität aus deutschen Landen auszustellen. Dazu gehörte nicht zuletzt die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, die so etwas wie eine erste Bestandsaufnahme war.

Künstlerinnen und Künstler

Mona Ardeleanu, Israel Aten, Paula Baader, Lydia Balke, Cornelia Baltes, Jagoda Bednarsky, Viola Bittl, Peppi Bottrop, Andreas Breunig, Paul Czerlitzki, Benjamin Dittrich, Jens Einhorn, Jenny Forster, Pius Fox, Max Frintrop, Sabrina Fritsch, Ina Gerken, Fabian Ginsberg, Gregor Gleiwitz, Lukas Glinkowski, Sebastian Gögel, Henriette Grahnert, Dana Greiner, Vivian Greven, Toulu Hassani, Sabrina Haunsperg, Franziska Holstein, Aneta Kajzer, Sumi Kim, Maximilian Kirmse, Li-Wen Kuo, David Lehmann, Benedikt Leonhardt, Florian Meisenberg, Monika Michalko, Hannes Michanek, Simon Modersohn, Bastian Muhr, Anna Nero, Moritz Neuhoff, Vera Palme, Alexander Pröpster, Franziska Reinbothe, Daniel Rossi, Markus Saile, Moritz Schleime, Jana Schröder, Daniel Schubert, Kristina Schuldt, Alicia Viebrock, Stefan Vogel, Jonas Weichsel, Tristan Wilczek

Kuratorinnen und Kuratoren

Stephan Berg (Intendant, Kunstmuseum Bonn), Frédéric Bußmann (Direktor, Kunstsammlungen Chemnitz), Jörg Daur (Stellvertretender Direktor, Museum Wiesbaden), Alexander Klar (Direktor, Wiesbaden), Anja Richter (Kuratorin, Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser), Lea Schäfer (Wissenschaftliche Volontärin, Museum Wiesbaden), Christoph Schreier (Stellvertretender Direktor, Kunstmuseum Bonn).

 

BU:

Stephan Berg, Christoph Schreier, Anja Richter, Lea Schäfer, Jörg Daur, Alexander Klar, Frédéric Bußmann (v.l.n.r), Foto: Kunstmuseum Bonn